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Psychotrope Medikamente bei Demenz: erhöhte Mortalität?

In der retrospektiven Fallkontrollstudie untersuchten Wissenschaftler der Universität Michigan den Zusammenhang zwischen der Verschreibung von Antipsychotika, Antidepressiva und Valproat bei Patienten mit Demenz und dem Mortalitätsrisiko in einem Zeitraum von 180 Tagen. Des Weiteren wurde die NNH (number needed to harm) ermittelt, also wie viele Patienten mit einem Medikament behandelt werden, bis 1 Patient unter Medikation verstirbt.

Patienten mit Demenz werden aufgrund von Verhaltensstörungen wie Aggression, wahnhafter oder depressiver Symptomatik behandelt. Dabei konnte schon in einigen Studien gezeigt werden, dass insbesondere Antipsychotika bei Patienten mit Demenz mit Nebenwirkungen wie metabolischem Syndrom und kardiovaskulärer Ereignisse behaftet sind und der Nutzen der Substanzen nur als gering eingeschätzt wurde. Auch eine erhöhte Mortalitätsrate konnte durch den Einsatz von Antipsychotika bereits nachgewiesen werden. Unterschiede zwischen verschiedenen Substanzen bezüglich der Mortalitätsrate und der NNH wurden bisher nicht durchgeführt und waren Ziel dieser Beobachtungsstudie.

Insgesamt wurden aus einem nationalen Register knapp über 46 000 Patienten mit einer Demenz in den Datensatz eingeschlossen, bei denen eine neue Therapie mit den Antipsychotika Haloperidol, Olanzapin, Risperidon oder Quetiapin, mit dem Antikonvulsivum Valproinsäure oder mit einem Antidepressivum (außer trizyklische Antidepressiva oder MAO-Hemmer) eingeleitet wurde. Jedem Patienten, der eine Medikation erhielt, wurde eine Kontrollpatient ohne Medikation zugewiesen. Als primärer Endpunkt wurde die Mortalität innerhalb eines Zeitraumes von 180 Tagen je nach Medikation gewählt, sekundär wurde der Einfluss der Dosis der Antipsychotika auf die Mortalitätsrate ausgewertet.

Im Vergleich zu den Kontrollpatienten wiesen die Patienten, die mit Haloperidol behandelt wurden, die höchste Mortalitätsrate auf (20,2 %), gefolgt von Risperidon (13,9 %), Olanzapin (13,9 %), Valproat (12,2 %), Quetiapin (11,8 %) und Antidepressiva (8,3 %), wobei anzumerken ist, dass die Patienten, die Haloperidol erhielten, auch die höchste Komorbidität und deutlich häufiger ein delirantes Syndrom aufwiesen. Bezüglich der NNH war die Behandlung mit Haloperidol bei 1 von 26 (1/26) Patienten tödlich, bei Risperidon bei 1/27, bei Olanzapin 1/40 und bei Quetiapin mit 1/50 am niedrigsten. Antidepressiva wiesen eine NNH von 1/166 auf. In Relation zu Antidepressiva lag die NNH bei Haloperidol bei 8, bei Olanzapin bei 14, bei Risperidon bei 16, bei Valproat bei 20 und bei Quetiapin bei 31.

Bezüglich der Dosierungen konnte festgestellt werden, dass eine hohe Dosierung der atypischen Antipsychotika im Vergleich zu einer niedrigen Dosierung von Haloperdidol als Vergleichssubstanz mit einem wesentlich erhöhten Mortalitätsrisiko einhergingen. Im Vergleich zu Quetiapin war die Mortalitätsrate für Olanzapin um 1,5 % erhöht, für Risperidon um 1,7 %.


Fazit

Insgesamt zeigte sich in dieser Studie eine höhere Mortalitätsrate durch Antipsychotika bei Patienten mit Demenz als in vorherigen Studien. Das höchste Mortalitätsriko bei Antipsychotika ging von Haloperidol aus, das niedrigste von Quetiapin. Antidepressiva gingen mit einem deutlich niedrigeren Mortalitätsrisko einher. Bei der Verschreibung von Antipsychotika bei Patienten mit Demenz sollte daher immer eine genaue Risko-Nutzen-Abwägung getroffen werden.


Aus der Zeitschrift; PSYCH up2date 5/2015; Psychotrope Medikamente bei Demenz: erhöhte Mortalität?; Dr. Arnim Quante

 

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