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Psychotherapie der Schlafstörungen

Schlafstörungen treten im Verlauf des Alterns vermehrt auf und neigen zur Chronifizierung. Mithilfe der Kognitiven Verhaltenstherapie der Insomnie (CBT-I) lassen sich nichtorganische Schlafstörungen in ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung besser verstehen und mit gezielten Interventionen mildern oder beseitigen. Es ist oft die bessere Alternative zur langzeitigen Verschreibung von Schlafmitteln.

Schlaf gehört zum Leben wie Tag und Nacht. Und wie Tag und Nacht ist auch der Schlaf der Mit- oder Gegenspieler des Tageserlebens und der Tagesaktivität. So zeigen sich bei Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die unter Flashbacks leiden, sehr oft auch Alpträume als Äquivalente einer unzureichenden Traumabearbeitung. Schlafphysiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gedächtniskonsolidierung erheblich von komplexen Schlafmechanismen in der Nacht profitiert und dass auch unser Immunsystem und unser metabolisches System einen gesunden Schlaf benötigen, um optimal funktionieren zu können. Insomnie kann diese Funktionen negativ beeinflussen. In den verschiedensten zirkadianen Rhythmen, die unsere Gesundheit wesentlich begleiten, sind ausgeprägte Veränderungen über die Schlafzeit im Vergleich zum Tag auszumachen. Und auch auf der Erlebnisebene kann wohl jeder Mensch bestätigen, dass ein erholsamer Nachtschlaf ihn sehr viel zuversichtlicher und tatkräftiger in den Tag starten lässt. Wenn auch noch nicht geklärt ist, warum wir denn den Schlaf so dringend brauchen, ist es doch auf der Erlebnisebene kein Zweifel, dass er erheblich zu unserem Wohlbefinden und unseren Leiden beitragen kann.

 

MERKE

Guter Schlaf befördert unter anderem das Gedächtnis, die Stimmung, unsere Immunabwehr und unsere emotionale Verarbeitung. Schlechter Schlaf macht das Gegenteil.

Gesunder Schlaf weist eine ultradiane Rhythmik auf. Wir unterscheiden mittels schlafpolysomnografischer Messungen heutzutage 4 Schlafstadien, die wir im Verlauf der Nacht durchwandern: Ein Stadium sehr leichten Schlafes, aus dem wir rasch wieder erwachen können und oft nicht merken, dass wir uns in ihm befinden (N1). In diesem kommt es zu einer assoziativen Lockerung unserer Gedankengänge. Im EEG sieht man eine Rhythmusverlangsamung und ein vermehrtes Auftreten von langsameren Wellen, den Theta-Wellen. Ihm folgt üblicherweise rasch ein tieferes Schlafstadium (N2), in welchem wir durch Geräusche deutlich weniger leicht erweckbar sind. In diesem Schlafstadium treten Schlafspindeln und K-Komplexe auf, die eine reflektorische Reaktion des Cerebrums auf Geräusche darstellen. Das 3. Schlafstadium (N3) ist gekennzeichnet durch das zunehmende Vorherrschen von Delta-Wellen, die mit 1–2 Hz pro Sekunde auftreten und hochamplitudig im Elektroenzephalogramm (EEG) imponieren. Das 4. Schlafstadium ist gekennzeichnet durch ein ähnliches Hirnstrommuster wie im Schlafstadium N1. Aber im Gegensatz zu diesem treten hier nicht langsame gleitende („schwimmende“) Augenbewegungen auf, sondern schnelle Augenbewegungen (Rapid Eye Movements, REM). Außerdem kommt es in diesem Schlafstadium üblicherweise zu einer zentralen Lähmung der Willkürmotorik, was sich an einem sehr niedrigen Muskeltonus ablesen lässt. In diesem sogenannten REM-Schlaf finden die meisten unserer lebhaften Träume statt. Über die Nacht durchlaufen gesunde Schläfer 4- bis 6-mal einen sogenannten NonREM-REM-Zyklus, d. h. der Schlaf wechselt von N1 über N2 in N3 und dann in eine REM-Schlafphase. Ein einzelner solcher Zyklus dauert meist ca. 60–90 Min, bevor dann ein nächster Zyklus anschließt. Dabei nimmt die Zeit, die man in N3 verbringt, im Verlauf ab, während die Zeit, die man in REM verbringt, zunimmt und typischerweise gegen Morgen am längsten ist.

 

MERKE

In einer Nacht durchwandert ein gesunder Schläfer 4–6 NonREM-REM-Zyklen.

Parallel zur Schlafrhythmik haben auch eine ganze Reihe an zirkadianen Faktoren einen Einfluss auf den Schlaf. So steigt die Sekretion von Wachstumshormon in den ersten Stunden der Nacht stark an. Es wurde in Zusammenhang mit erholsamem Schlaf, aber auch mit einer effektiven Gedächtniskonsolidierung gebracht. Aber auch die Melatoninsekretion steigt in dieser Zeit natürlicherweise an und gilt als wichtiger Zeitgeber auch für die Schlafinitiierung. Die Cortisolsekretion fällt vom Aufstehen über den Tag bis zum Abend allmählich ab und erreicht meist kurz nach Mitternacht ihr Tagesminimum. Es gibt Studien, die eine aktive Inhibierung in dieser Phase fanden. Zum Morgen dagegen steigt die Cortisolsekretion stark an und erreicht physiologischerweise um die Zeit des Aufstehens herum ihr Tagesmaximum. Gleiches gilt für die physiologische Körperkerntemperatur, deren Werte zum Abend hin absinken und mit dem Zubettgehen weiter abfallen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Psychotherapie der Schlafstörungen
aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie • Psychosomatik • Medizinische Psychologie 70(12) / 2020

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