• Rauchstopp

    Wie gewöhnt man Patienten mit bipolarer Störung das Rauchen ab?

     

Raucherentwöhnung bei Patienten mit bipolarer Störung

Fragestellung: Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit und die Arzneimittelsicherheit von Vareniclin bei euthymen, stabilen bipolaren Patienten.

 

Hintergrund: Vareniclin entfaltet seine Wirkung an den Nikotinrezeptoren als selektiver Partialagonist am Subtyp α4βs. Er minimiert Entzugssymptome und raubt dem zugeführten Nikotin seinen Effekt. Vareniclin hat in mehreren Studien seine Überlegenheit gegenüber Placebo und Bupropion gezeigt. Durch die FDA bestehen allerdings Warnhinweise für dieses Produkt. So kam es 2008 unter Vareniclin zu 39 vollendeten Suiziden. Dennoch ist gerade bei bipolaren Patienten eine Raucherentwöhnung oft dringend erforderlich, ist doch die Raucherrate bei bipolaren und schizophrenen Patienten um das 2- bis 4-fache höher als in der Allgemeinbevölkerung und die Sterblichkeit bei bipolarer Erkrankung bereits um das 2,5-bis 2,7-fache höher, mit einem vermehrtem Auftreten an kardiovaskulären Erkrankungen (31 %), Suiziden (19 % ) und Tumoren (14 %).

 

Methodik: 60 euthyme Patienten wurden 2 Gruppen zugeteilt, 12 Wochen mit einer Standarddosis Vareniclin oder Placebo behandelt und anschließend weitere 12 Wochen nachbeobachtet. Der primäre Endpunkt war der nach 7 Tagen gemäß Selbstbeurteilung der Patienten berichtete Rauchstopp, der durch einen CO-Gehalt von < 10 ppm nach 12 Wochen verifiziert wurde. Vareniclin wurde zuerst abendlich in einer Dosierung von 0,5 mg für 1–3 Tage eindosiert und dann über 4 Tage aufdosiert, sodass in der zweiten Woche eine Dosis von 2 mg pro Tag erreicht und für den restlichen Verlauf beibehalten wurde.

Als Baseline wurde der Fagerström Test for Nicotine Dependence verwendet und der CO-Gehalt der Ausatemluft gemessen. Im Studienverlauf wurde bei jeder Untersuchung eine Fragebogenbatterie bestehend aus MADRS (Montgomery–Åsberg Depression Rating Scale), HARS (Hamilton Anxiety Rating Scale), CGI (Global Impressions Scale) und C-SSRS (Columbia Suicide Severity Rating Scale) abgefragt, sodass eine genaue Abbildung von Stimmung, Angstsymptomen, Krankheitsschwere und Suizidalität erfolgen konnte. Die Arzneimittelsicherheit wurde monatlich per Telefongespräch abgefragt.

 

Ergebnisse: Nach einer 3-monatigen Behandlungsphase beendeten deutlich mehr Teilnehmer das Rauchen in der Vareniclin-(15 / 31, 48,4 %) als in der Placebo-Gruppe (3 / 29, 10,3 %; p = 0,002). Nach 6 Monaten verblieben 6 von 31 Vareniclin-Behandelten (19,4 %) und 2 der 29 Teilnehmer der Placebo-Gruppe abstinent. Die NNT (Number Needed to Treat) betrug 3. Es bestand bei Studieneinschluss kein Unterschied zwischen den Gruppen, allerdings besaßen alle ein hohes Suizidrisiko. Im Studienverlauf traten insgesamt 10 schwere unerwünschte Ereignisse (Serious Adverse Event, SAE) auf, 6 davon in der Vareniclin- und 4 in der Placebo-Gruppe. Insgesamt kam es in 5 % der Fälle in beiden Behandlungsgruppen zum Auftreten von unerwünschten Ereignissen (Adverse Event, AE), wobei in der Vareniclin-Gruppe häufiger über abnorme Träume und depressive Stimmung berichtet wurde. Die übrigen AEs traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. Dabei kam es bei 10 Probanden zu depressiver Stimmung, bei 8 Vareniclin-Probanden trat Suizidalität auf, verglichen mit 5 suizidalen Probanden in der Placebo-Gruppe, wobei eine suizidale Handlung bei einem Patienten unter Vareniclin zu SAE führte.

Chengappa KN, Perkins KA, Brar JS et al.
Varenicline for smoking cessation in bipolar disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled study.
J Clin Psychiatry 2014; 75: 765–772

 

Aus der Zeitschrift Fortschritte Neurologie Psychiatrie

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