• Depression

    Einige Symptome der Depression könnten ihren Ursprung in den Mitochondrien haben.

     

Reduzierte Aktivität der Mitochondrien als Ursache depressiver Symptome?

Einige Symptome der Depression könnten ihren Ursprung in den Mitochondrien haben. Die „Kraftwerke in den Zellen“ scheinen nach Befunden von Forschern der Universität Ulm bei depressiven Patienten weniger Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) zu produzieren. Die Ergebnisse nähren die Hoffnung auf neue medikamentöse Therapieansätze.

Bisher galten Veränderungen von Neurotransmittern im Gehirn als wichtigste biologische Auffälligkeit der Depression. Vor allem Symptome wie ein Interessensverlust, Antriebsschwäche und Konzentrationsprobleme, wie sie typischerweise bei einer Depression beklagt werden, können aber auch durch eine eingeschränkte Energiebereitstellung über die Mitochondrien bedingt sein. Das vermuten Forscher der Ulmer Abteilung für Klinische und Biologische Psychologie.

 

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Iris-Tatjana Kolassa und Dr. Alexander Karabatsiakis hat die physiologische Aktivität der Zellorganellen in peripheren Blutzellen von 44 Probandinnen im Alter von 50 bis 69 Jahren untersucht. Bei der Hälfte der Frauen war eine akute Majore Depression diagnostiziert worden. Mittels standardisierter Tests bestimmten die Wissenschaftler den jeweiligen Schweregrad der Erkrankung. Die andere Hälfte der Probandinnen hatte noch nie eine Depression durchlebt.

 

Alle Frauen beantworteten Fragen zu ihrem Lebensstil und Lebensereignissen, ihr Körpermasseindex (BMI) war bekannt. Um die Aktivität der Mitochondrien zu erfassen, wurde eine so genannte respirometrische Messung in den Blutproben durchgeführt. Erfasst wurde dabei der Verbrauch des Sauerstoffs als Maß der Energiekopplung zur Synthese von ATP.

 

Das Ergebnis: „Bei depressiven Patientinnen war die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien im Vergleich zu den gesunden Studienteilnehmerinnen tatsächlich verringert. Zudem korreliert die Abnahme der mitochondrialen Leistung mit der Schwere der Erkrankung“, fasst Christina Böck, Mitarbeiterin im Projekt und Doktorandin an der Internationalen Graduiertenschule für Molekulare Medizin, die Resultate zusammen. Der Zusammenhang ergab sich nach ihren Angaben insbesondere bei den Symptomen Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Energieverlust und in etwas geringerem Maße auch bei dem Symptom Traurigkeit.

 

Depressive Patienten verfügen demnach, so die Interpretation der Ulmer Forscher, über weniger zelluläre Energie in Form von ATP als gesunde Personen. Dies könnte in Zeiten eines erhöhten Energiebedarfs – zum Beispiel unter Stress – zu einem Energiemangel und damit auch zu einer reduzierten Immunabwehr und einer höheren Infektanfälligkeit führen. Als Konsequenz der neuen Erkenntnisse könnten die Mitochondrien als Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapieansätze bei der Depression interessant sein. Möglicherweise kann zudem die Mitochondrienaktivität als Biomarker fungieren, um die Wirkung einer antidepressiven Therapie zu überprüfen.

Literatur:
Karabatsiakis A et al., Translational Psychiatry 2014; 4 e397; doi: 10.1038/tp.2014.44

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