• Alkoholsucht

     

Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit

Da bei alkoholabhängigen Patienten psychiatrische und somatische Folgeerkrankungen auftreten, kommt nach der Akutbehandlung in Form einer qualifizierten Entzugsbehandlung der Postakutbehandlung inklusive einer psycho-, sozio- und pharmakotherapeutischen Rückfallprophylaxe zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Abstinenz eine wichtige Rolle zu. Dieser Beitrag zeigt die therapeutischen Bausteine der Rückfallprophylaxe.

Alkoholbezogene Störungen (Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit) zeigen von allen substanzbezogenen Störungen nach den tabakbezogenen Störungen die zweithöchste Prävalenz. In Deutschland liegt bei 2,8 % aller 19- bis 64-Jährigen ein schädlicher Alkoholgebrauch vor; 3,1 % sind alkoholabhängig. Von den Betroffenen befinden sich trotz des gut ausgebauten Suchthilfesystems in Deutschland nur 10–16 % in einer spezifischen suchtmedizinischen Behandlung. Damit zählen die alkoholbezogenen Störungen zu den psychischen Erkrankungen mit der größten Behandlungslücke, das heißt dem größten Anteil an Patienten, die keine diagnosespezifische Therapie erhalten.

Betrachtet man Katamnesedaten nach einer körperlichen Entgiftung im Vergleich zu denen nach einer qualifizierten Entzugsbehandlung, wie in der S3-Leitlinie alkoholbezogener Störungen empfohlen, zeigen Patienten nach einer qualifizierten Entzugsbehandlung zwar deutlich höhere Abstinenzraten als nach einer reinen körperlichen Entgiftung, die Rückfallrate ist aber auch nach einer qualifizierten Entzugsbehandlung noch hoch. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, in die Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit alle vorhandenen evidenzbasierten Therapieoptionen einschließlich einer psycho-, sozio- und pharmakotherapeutischen Rückfallprophylaxe einzubeziehen. Diese sollen im Folgenden detailliert dargestellt werden.

Allgemeine Zielsetzungen der medizinischen Rehabilitation

Die medizinische Rehabilitation hat das Ziel des Erhalts, der Verbesserung oder der Wiederherstellung der Funktions- und Leistungsfähigkeit des alkoholabhängigen Patienten und dient der Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gesellschaft. Finanziert wird die medizinische Rehabilitation in der Regel von den Rentenversicherungsträgern und nur in Ausnahmefällen von der Krankenversicherung, nämlich immer dann, wenn der Betroffene entweder bereits berentet ist oder aufgrund einer zu kurzen Versicherungszeit noch keine Ansprüche auf Leistungen der Rentenversicherung hat.

 

MERKE

Die medizinische Rehabilitation bezeichnet man im Suchtbereich allgemein als Entwöhnungsbehandlung oder Langzeittherapie.

Langzeittherapien können als voll- oder teilstationäre Behandlungen in spezifischen Fachkliniken oder als ambulante Entwöhnungsbehandlungen in psychosozialen Beratungsstellen durchgeführt werden.

Vor Antritt einer Entwöhnungsbehandlung ist die Beantragung der Behandlungsmaßnahme bei dem zuständigen Rentenversicherungsträger bzw. der zuständigen Krankenkasse notwendig. Ein solcher Genehmigungsprozess dauert in der Regel mehrere Wochen, was in der Praxis häufig damit verbunden ist, dass Patienten nach Abschluss einer Akutbehandlung vor Beginn der Rehabilitationsbehandlung ins häusliche Umfeld entlassen müssen, ohne eine begleitende suchtspezifische Behandlung zur Aufrechterhaltung der Abstinenz zu erhalten. Um dies zu vermeiden, wurde in den vergangenen Jahren die Möglichkeit geschaffen, die Entwöhnungsbehandlung im Rahmen eines Nahtlosverfahrens zu beantragen (Details siehe unter vollstationäre Entwöhnungsbehandlung).

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit

Aus der Zeitschrift PSYCH up2date 04/2020

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