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    Ein 24-stündiger Schlafentzug kann bei gesunden Menschen zu Schizophrenie-ähnlichen Zuständen führen.

     

Schizophrenie – Ähnliche Symptome durch Schlafentzug

Ein 24-stündiger Schlafentzug kann bei gesunden Menschen zu Schizophrenie-ähnlichen Zuständen führen. Das hat ein internationales Forscherteam um N. Petrovsky im Juli im Journal of Neuroscience veröffentlicht. Bei einer Psychose kommt es zu einem Verlust des Realitätsbezugs, der mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen verbunden ist.

Die chronische Form wird als Schizophrenie bezeichnet, bei der es ebenfalls zu Denkstörungen und Sinnestäuschungen kommt. Die Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass nach einem 24-stündigen Schlafentzug bei gesunden Probanden zahlreiche Symptome festzustellen sind, die sonst für Psychosen oder Schizophrenien typisch sind. Dazu haben sie im Schlaflabor 24 Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren untersucht. Im 1. Durchgang sollten die Testpersonen normal durchschlafen. Eine Woche später wurden sie die ganze Nacht über wachgehalten und am nächsten Morgen zu ihren Eindrücken befragt. Außerdem führten die Wissenschaftler eine Präpulsinhibition, einen Standardtest zur Messung der Filterfunktion des Gehirns, durch.

Die Filterleistung des Gehirns war nach einer durchwachten Nacht stark reduziert. Es kam zu ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefiziten, wie sie auch bei einer Schizophrenie typischerweise auftreten. Zudem war das Zeitgefühl und der Geruchssinn verändert, die Gedanken sprangen, manche hatten sogar den Eindruck, Gedanken lesen zu können oder eine veränderte Körperwahrnehmung zu bemerken. Die Wissenschaftler sehen ein wichtiges Anwendungspotenzial für ihre Ergebnisse: Die Erforschung von Medikamenten, die gegen Psychosen wirken. „Im Entwicklungsprozess werden solche psychischen Störungen in Experimenten bislang mit bestimmten Wirkstoffen simuliert. Diese vermitteln aber nur sehr eingeschränkt die Symptome von Psychosen“, so einer der Forscher. Schlafentzug sei ein viel besseres Modellsystem, weil die subjektiven Beschwerden und die objektiv erfasste Filterstörung viel stärker den psychischen Erkrankungen ähnlich seien.

Nach einer Mitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(08): 431

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