• Schizophrenie

    Bei der Schizophrenie und bipolaren Störung handelt es sich um schwere mentale Störungen, die vergleichbare klinische Symptome zeigen.

     

Schizophrenie / Bipolare Störung – Arbeitsgedächtnis-Netzwerke: Aktivitätsmuster im Vergleich

Bei der Schizophrenie und bipolaren Störung handelt es sich um schwere mentale Störungen, die vergleichbare klinische Symptome zeigen und auch überlappende genetische Faktoren aufweisen. So gehen beide Erkrankungen bspw. mit einer Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses einher. C. L. Brandt et al. haben die Aktivitätsmuster der Netzwerke verglichen, die mit dem Arbeitsgedächtnis in Zusammenhang stehen.
Br J Psychiatry 2014; 204: 290–298

 

An der Studie nahmen je 100 Schizophrenie-Patienten, Patienten mit bipolarer Störung sowie gesunde Kontrollpersonen teil. Die Patienten wurden an den psychiatrischen Abteilungen von 4 großen Krankenhäusern in Oslo / Norwegen rekrutiert. Alle Studienteilnehmer unterzogen sich einer Arbeitsgedächnisaufgabe (n-Back-Test, Faktor 2) während gleichzeitig Daten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) erhoben wurden. Die Analyse der Bilddaten erfolgte auf Basis einer Unabhängigkeitsanalyse. Zudem berücksichtigten die Autoren im Rahmen einer Sekundäranalyse kognitive, demografische und Substanzkonsum-Faktoren sowie klinische Variablen und ermittelten deren Einfluss auf die Ergebnisse.

 

Die Schizophrenie-Patienten, Patienten mit bipolarer Störung und gesunden Kontrollen waren im Durchschnitt 31,9, 35,4 und 34,8 Jahre alt. In Bezug auf die Antwortgenauigkeit und die Antwortzeit waren deutliche Unterschiede zwischen den 3 Gruppen zu verzeichnen. Die gesunden Kontrollen erzielten jeweils die besten Ergebnisse, gefolgt von Patienten mit einer bipolaren Störung und solchen mit Schizophrenie. Bei allen Patientengruppen waren die gleichen Arbeitsgedächtnis-Netzwerke aktiv. Bei 3 von 9 Netzwerken, die mit der Arbeitsgedächtnisaufgabe in Zusammenhang standen, stellten die Autoren abgestufte Unterschiede der fMRT-Signalamplituden fest, wobei Schizophrenie-Patienten die höchste Aktivierung aufwiesen, gefolgt von Patienten mit bipolarer Störung und gesunden Kontrollen. Weder der Bildungsstand, der Intelligenzquotient, der Alkohol- oder Drogenkonsum noch das Rauchen hatten einen Effekt auf die Amplitudenwerte. Die Sekundäranalyse zeigte ebenfalls, dass die Aktivitätsmuster im Fall der bipolaren Störung mit einer Vorgeschichte von Psychosen und einer aktuell gehobenen Stimmung assoziiert waren.

 

Fazit

Bei Patienten, die unter einer Schizophrenie oder bipolaren Störung litten, sowie bei den gesunden Kontrollen waren während der Durchführung der Arbeitsgedächtnisaufgabe die gleichen Gehirn-Netzwerke aktiviert. Im Fall von 3 Schlüsselnetzwerken wiesen Schizophrenie-Patienten und Patienten mit einer bipolaren Störung allerdings einen höheren Aktivierungsgrad auf als die Kontrollen. Nach Meinung der Autoren stellen die Ergebnisse in Frage, ob es sich bei den beiden Erkrankungen wirklich um kategorisch unterschiedliche Entitäten handelt. Um dies zu prüfen, seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig.

Frank Lichert

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(10): 552

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