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Schizophrenie – den Dialog mit den Patienten optimieren

Für rund 80 Prozent der Psychiater steht der Aufbau einer engen und vertrauensvollen Beziehung zu ihren Patienten mit Schizophrenie im Mittelpunkt. Allerdings gibt rund ein Drittel der Teilnehmer bei einer Umfrage an, die Aufklärung der Patienten über das vollständige Angebot an Behandlungsoptionen hinauszuschieben.

Jeder dritte Psychiater schränkt beim Gespräch mit Schizophrenie-Patienten die initiale Aufklärung ein, jeder fünfte Psychiater gibt als Grund an, die Beziehung zum Patienten nicht durch die Diskussion um Therapiemöglichkeiten gefährden zu wollen. Das hat die vom Unternehmen Janssen initiierte Online-Umfrage „Open Minds“ bei 347 Psychiatern aus acht Ländern ergeben. Dem Ergebnis stehen die Erkenntnisse aus einer Umfrage mit Patienten und deren Bezugspersonen aus dem Vorjahr gegenüber. Demzufolge fühlen sich 27 Prozent der Patienten hinsichtlich der verfügbaren Therapieoptionen unzureichend informiert. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse aus beiden Umfragen erklärt zum einen, warum viele Patienten und deren Betreuungspersonen erklären, zu wenig aufgeklärt worden zu sein und lässt zum anderen erkennen, dass ein offener Dialog zwischen Patienten und Psychiatern möglicherweise eine Chance ist, die therapeutische Beziehung zu stärken.


Ziel der Online-Umfrage war es, die Therapiegespräche zwischen Psychiatern und deren Patienten mit Schizophrenie genauer zu untersuchen. Die Antworten ergaben, dass für rund 80 Prozent der Psychiater der Aufbau einer engen und vertrauensvollen Beziehung zum Patienten im Mittelpunkt steht, ein Behandlungsziel, das auch in der Leitlinie verankert ist.


Ebenfalls in der Leitlinie festgehalten ist die intensive Aufklärung über Krankheits- und Behandlungskonzepte. In der Umfrage gaben jedoch 34 Prozent der Befragten an, die Patienten nicht direkt über das vollständige Therapieangebot zu informieren. 22 Prozent der Ärzte begründeten die Zurückhaltung damit, die Beziehung zum Patienten nicht gefährden zu wollen. Auf der anderen Seite wurde die offene Diskussion insbesondere von Ärzten in Deutschland als wichtiges Behandlungsziel bewertet (88 Prozent). Nur die Faktoren Adhärenz und Rückfallprophylaxe erreichten mit je 92 Prozent einen höheren Stellenwert.


„Es ist unbedingt notwendig, Schizophrenie-Patienten alle Informationen zu vermitteln, die sie zur optimalen Behandlung ihrer Erkrankung brauchen, damit sie eine Chance auf ein erfülltes Leben haben“, sagt dazu Privatdozent Dr. Stephen Heres, Oberarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum der Technischen Universität München. „Hierzu gehören Informationen zu den verschiedenen Behandlungsoptionen, jeweils mit ihren Vor- und Nachteilen.“


Den Wunsch nach einem offenen Dialog äußerten auch Patienten mit Schizophrenie und ihren Betreuungspersonen in einer Befragung unter dem Titel "Talking About Treatment in Schizophrenia: A Patient and Carer Survey", die der Facharzt-Umfrage vorangegangen war. Die Ergebnisse zusammengenommen, scheint die Aufklärung der Patienten und ihrer Betreuungspersonen hinsichtlich der verfügbaren Therapieoptionen sowie ihre Einbindung in therapeutische Entscheidungen unzureichend zu sein. 27 Prozent der Patienten und 25 Prozent der sie betreuenden Menschen meinten, nicht über alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten informiert worden zu sein. Rund 37 Prozent der Patienten war mit der bestehenden Medikation unzufrieden oder sehr unzufrieden. Dies deutet darauf hin, dass eine umfassende Aufklärung über Behandlungsoptionen den Behandlern die Möglichkeit eröffnen kann, die Beziehung zu ihren Patienten zu festigen.


Zur Zukunft ihr Patienten hatten Psychiater eine positive Auffassung, wie die Facharztumfrage widerspiegelt: Mehr als 80 Prozent (85 Prozent in der Gesamtumfrage und 82 Prozent in Deutschland) waren der Meinung, dass Patienten, die in Behandlung bleiben, funktionsfähige Beziehungen haben können. 69 Prozent glaubten, dass Patienten mit den derzeit zugänglichen Behandlungsoptionen familiäre und freundschaftliche Kontakte erhalten können. Die Hoffnung, dass es für die Erkrankung zukünftig eine Heilung geben wird, hatten 84 Prozent der Psychiater in Deutschland.

 

Quelle: Pressemitteilung des Unternehmens Janssen vom 9. Oktober 2017

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