• Schlaf und Partnerschaft

     

Schlaf und Partnerschaft – am besten gleiche "Chronotypen"

Paare, die einen ähnlichen "Chronotypus" aufweisen, haben nicht nur einen besseren Schlaf, sondern erleben offenbar in ihrer Partnerschaft seltener Konflikte, so Befunde, die bei der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in Mainz vorgestellt wurden.

Wie entscheidend guter Schlaf für Gesundheit und Wohlbefinden ist, zeigen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen. Wie aber wird die Schlafqualität bei Paaren beeinflusst, die ihre Nächte im gemeinsamen Bett verbringen? Welche Rolle spielt das gemeinsame Schlafen für die Qualität der Beziehung? Und welche Einfluss kann dabei der angeborene „Chronotypus“ haben – also die Frage, ob der Partner zu den frühaufstehenden „Lerchen“ gehört oder eher zu den „Nachteulen“?

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der „Chronotypus“ durchaus die Qualität einer Paarbeziehung beeinflussen kann: „Chronotypus-ähnliche Paare zeigen mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in ihrer ehelichen Problemlösung. Ähnlich kurze Einschlafzeiten beider Partner wirken sich positiv auf die Partnerinteraktion tagsüber aus“, erklärte dazu Professor Dr. Kneginja Richter von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Nürnberg. „Paare mit unterschiedlichem Chronotypus – zum Beispiel ein Abendtyp und ein Morgentyp – geben hingegen an, mehr Konflikte zu erleben und weniger Zeit für ernsthafte Konversationen sowie gemeinsame Aktivitäten und auch weniger sexuelle Kontakte als Paare mit dem gleichen Chronotypus zu haben.“

Einer aktuellen Studie zufolge wird bei Frauen der Schlaf eher durch ihre Partner gestört, während Männer generell besser schlafen, wenn ihre Partnerin neben ihm liegt. „Evolutionsbiologische Theorien erklären dies mit der Sozialisation von Mann und Frau“, so Tagungspräsident und Leiter der Schlafmedizinischen Abteilung am Pfalzklinikum Klingenmünster, Dr. Hans-Günter Weeß. Die Frau fühle sich beim Schlaf in der Gruppe in ihrer Mutter- und Beschützerrolle. Nach der sozialen Rollenaufteilung falle ihr eher die Verantwortung für die Versorgung und Pflege von Familienmitgliedern zu. Die Nacht werde damit quasi zur zweiten Arbeitsschicht – und wer schläft an seinem Arbeitsplatz schon gut? Der Mann hingegen fühle sich in der Gruppe sicher und geborgen, delegiere Verantwortung für die Familie und schlafe aus diesem Grunde besser.

Dass Paarschläfer durch das Schnarchen ihrer Partner erheblich beeinträchtigt werden, belegen umfangreiche Untersuchungen im Schlaflabor. Außerdem zeigen Männer den Ergebnissen zufolge mehr nächtliche Körperbewegungen, die von ihren Frauen oft als schlafstörend wahrgenommen werden. Bei jüngeren Paaren wurden dagegen häufiger simultane Körperbewegungen festgestellt.

Die negative Beeinflussung durch Schlafprobleme des Partners belegt eine Langzeitstudie mit 504 älteren Paaren. Männer, deren Frauen Schlafprobleme hatten, klagten über schlechte Gesundheit, depressive Verstimmungen, geringen Optimismus sowie Unzufriedenheit in der Ehe. Demnach könnten rechtzeitig erkannte und behandelte Schlafstörungen gleichzeitig auch als Chance zur Gesundheitsförderung des Partners gesehen werden.

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