• Es stimmt doch: Vollmond stört den Schlaf

    Neben einer Reihe von Risikofaktoren für die Entwicklung von Suizidalität verweisen klinische und epidemiologische Studien zunehmend auf eine Verbindung zwischen Schlafmangel und Schlafstörungen mit Suizidalität.

     

Schlafstörungen und Suizidalität: Zusammenhänge und klinische Bedeutung

Zusammenfassung

Neben einer Reihe von Risikofaktoren für die Entwicklung von Suizidalität verweisen klinische und epidemiologische Studien zunehmend auf eine Verbindung zwischen Schlafmangel und Schlafstörungen mit Suizidalität. Diese auf einer systematischen Literaturrecherche beruhende Arbeit gibt eine Übersicht über Studienergebnisse zu Zusammenhängen von Suizidalität (d. h. Suizidgedanken, Suizidversuchen und Suiziden) mit Schlafstörungen, insbesondere Insomnie und Albträumen, aber auch Hypersomnie und nächtlichen Panikattacken. Bei suizidalen Patienten mit Insomnie und komorbiden psychischen Störungen bestehen zudem Hinweise auf eine unabhängige prädiktive Bedeutung von Schlafstörungen für Suizidalität. Gemeinsame pathogenetische Aspekte der beiden Krankheitsentitäten und therapeutische Optionen werden erörtert. In Klinik und Praxis ist die Erfassung und Therapie von Schlafstörungen von besonderer Bedeutung für die Suizidprävention.

 

Einleitung

Weltweit versterben fast eine Millionen Menschen jährlich an Suizid, in Deutschland jährlich knapp 10 000 Menschen. Schätzungen zu nicht letalen Suizidversuchen reichen bis zum 20-Fachen. Suizidalität gilt als komplexes Gesundheitsproblem, für das vielfältige neurobiologische und psychosoziale Risikofaktoren bekannt sind und, nachdem bereits vor fast 100 Jahren darauf hingewiesen wurde, nun Zusammenhänge mit Schlafstörungen zunehmend diskutiert werden. Schlafstörungen, vor allem Insomnie, betreffen etwa ein Drittel der Bevölkerung; sie beeinflussen die körperliche und seelische Gesundheit und können Symptom verschiedener psychischer Erkrankungen sein, wurden aber bislang für die Entwicklung suizidaler Gedanken und Verhaltensweisen nicht beachtet.

 

Methode

Es erfolgte eine systematische Suche in den Datenbanken „Pubmed“ und „PsycINFO“ mit Kombinationen der folgenden Begriffe: Suicide und sleep sowie der Unterkategorien sleep disturbances, insomnia, hypersomnia, nightmares, depression, schizophrenia, psychiatric disorder, suicidal ideation, suicide attempts, suicide prevention - darüber hinaus wurden die Quellenangaben der identifizierten Originalarbeiten und anderer relevanter Artikel sowie eine aktuelle Metaanalyse berücksichtigt. Stand der Literaturrecherche ist April 2013.
In den identifizierten Studien zu Schlafstörungen und Suizidalität im Erwachsenenalter wurden meist subjektive Patientenangaben oder epidemiologische Daten zum Schlaf erfasst - selten objektive Messverfahren wie Aktigrafie oder Polysomnografie eingesetzt - mit niedriger Evidenz (Fallkohorten, Vergleichsstudien, kaum kontrollierte oder kontrolliert-randomisierte Studien). Prospektive Studien zu Schlafstörungen und Suizidalität waren überwiegend nicht klinische oder Querschnitts-Erhebungen, d. h. ohne psychiatrische Diagnostik. In klinischen Studien zur Wirksamkeit von Hypnotika oder Antidepressiva stellt Suizidalität regelhaft ein Ausschlusskriterium dar. Neben psychischen Störungen erschweren weitere Einflussvariablen wie chronische körperliche Erkrankungen die Dateninterpretation. Nicht psychiatrische Patientengruppen wurden kaum untersucht. Für einen umfassenden Überblick über den wissenschaftlichen Stand wurden aktuelle Studien verschiedenen Typs trotz der genannten Einschränkungen mit aufgenommen.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel

C. Norra, N. Richter
Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 2013; 81(10): 561-569