• Schmerztherapie: Cave Opioidefehlgebrauch - Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik - Thieme Verlag

     

Schmerztherapie: Cave Opioidfehlgebrauch

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. hat eine PraxisLeitlinie zur Substitutionsbehandlung bei Opioidfehlgebrauch in der Schmerztherapie (POM) entwickelt. Sie wurde kürzlich in Frankfurt vorgestellt.

Sowohl die behandelnden Ärzte als auch Schmerzpatienten schätzen die hohe analgetische Potenz von Opioiden. Allerdings kommt es bei rund drei Prozent der Patienten mit einer Langzeitverordnung von Opioiden zum Fehlgebrauch. Es handelt sich um ein relevantes Problem, da die Zahl der Patienten unter Opioiden stetig steigt, so hieß es beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. „Die Zahl der verordneten Tagesdosen hat sich zwischen 2000 und 2010 vervierfacht“, erklärte Dr. Justus Benrath, Schmerzmediziner aus Mannheim.

Damit steigt zugleich die Zahl der Patienten mit Opioidabhängigkeit, sagt der Psychiater und Suchtmediziner Manfred Nowak aus Landau. In Deutschland sind seinen Angaben zufolge entsprechend dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2012 (ESA) 2,3 Millionen Menschen abhängig von Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln. Laut Gesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind es 1,2 Millionen Menschen. „Wir müssen deshalb gut aufpassen, was wir verschreiben, und die Vorgeschichte des Patienten kennen. Wer eine Sucht hatte oder hat, neigt zu einer weiteren“, erklärt Nowak. Hellhörig sollte man aus seiner Sicht zum Beispiel werden, wenn Patienten als Jugendliche in der Pubertät bei nicht ausgereifter Hirnaktivität schon Alkohol konsumiert haben. Denn das bedeute auch später ein erhöhtes Sucht-Risiko.

Kriterien der Abhängigkeit geben der ICD 10 vor sowie der eigens für die POM erstellte Index „POM-I“. Symptome der Abhängigkeit sind beispielsweise das Craving, das Anlegen von Medikamenten-Vorräten, das Anfordern von Rezepten von verschiedenen Ärzten, die eigenmächtige Dosiserhöhung, die Änderung des Einnahmegrunds wie etwa die Einnahme zur Stimmungsaufhellung statt zur Schmerzreduktion.

Dr. Oliver Emrich, DGS-Vizepräsident aus Ludwigshafen und federführender Autor der Leitlinie, sieht die steigende Verordnungshäufigkeit mit Besorgnis und erklärt: „Opioide kommen als Therapieoption im Rahmen eines Gesamtkonzepts gegen neuropathische und nozizeptive Schmerzen in Frage, falls andere Therapien unzureichend wirken. Die Indikation zum Einsatz von Opioiden muss aber sorgfältig gestellt werden und erfordert ein enges Monitoring des individuellen Nutzen-Risikoprofils sowie eine regelmäßige Re-Evaluierung der Schmerzerkrankung“.

Bei Über- oder Fehlgebrauch kann oft gut substituiert werden. Als Oxycodon-Substitution etwa eignen sich laut Emrich L-Polamidon (Methadon) und Buprenorphin. Letzteres wird aufgrund seines guten Sicherheitsprofils seit Mitte der 1990er Jahre als Substitutionsmittel in der Therapie einer Abhängigkeit von Opioiden verwendet. 2006 wurde es für diese Anwendung in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.

„Abhängige Menschen brauchen unsere Hilfe“, so Emrich. Grundsätzlich könne jeder Arzt eine Substitutionsbehandlung durchführen. Da Abhängigkeit aber neben der physiologischen Toleranzentwicklung immer auch eine psychische Komponente enthalte, rät er: „Nehmen Sie einen Suchtmediziner hinzu“.


Weitere Informationen:
www.dgs-praxisleitlinien.de

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., März 2017

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