• Psychische Störungen

     

Sechs-Punkte Forschungs-Agenda zu psychischen Störungen

Eine Sechs-Punkte Forschungs-Agenda mit konsequenter Ausrichtung der Forschung auf Schlüsselthemen in den kommenden fünf bis zehn Jahren haben Professor Dr. Hans-Ulrich Wittchen und Dr. Susanne Knappe vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden bei einer Pressekonferenz zur „Psychische Gesundheit 2030 – Perspektive ArbeitsWelt“ in Berlin vorgestellt.

Angesichts weiter steigender Kosten im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen bei zugleich defizitärer Versorgungssituation auf der einen und wissenschaftlichem Erkenntnisfortschritt auf der anderen Seite ist ein weiteres Abwarten und Zögern hinsichtlich der Forschungsausrichtung nicht mehr vertretbar. Zu diesem Schluss sind führende europäische Forscher zusammen mit den Wissenschaftlern in Dresden als Mitinitiatoren und Koordinatoren des EU-Projekts „ROAMER - A Roadmap for Mental Health Research in Europe“ gekommen.

Die Forscher leiten aus ihren Untersuchungen ab, dass die Konzentrierung auf sechs Schlüsselthemen in den kommenden Jahren das Potenzial hat, die Versorgung und Behandlung psychischer Störungen entscheidend zu verbessern und zugleich die immensen krankheitsbezogenen Kosten zu reduzieren.

Die Sechs-Punkte Forschungs-Agenda umfasst folgende Schwerpunkte:

  • Prävention psychischer Störungen/Förderung psychischer Gesundheit - Fokus auf junge Menschen,
  • Fokus auf die Auffindung der kausalen Krankheits-Mechanismen psychischer Störungen,
  • Bildung von „Big Data“-Zentren zusammen mit nationalen und internationalen Konsortien für die Erforschung psychischer Gesundheit,
  • Entwicklung und Implementation innovativer e-health-Behandlungsformen für psychische Störungen und deren Prävention,
  • Entstigmatisierung psychischer Störungen und Einbezug von Betroffenen und Behandlern,
  • Vergleichende Forschung zu Gesundheits- und Sozialsystemen.

Die Forschungs-Agenda wurde auf Basis aktueller europäischer Forschungsergebnisse (siehe Deutscher Gesundheitssurvey, DEGS) erarbeitet. Demnach sind psychische Störungen für mehr als 20 Prozent der gesamten Krankheitslast in der deutschen Bevölkerung verantwortlich, Tendenz steigend, wie Analysen der Krankheitstage und Diagnosenhäufigkeit zeigen. Psychische Störungen leisten damit - unabhängig von den Belastungen der Betroffenen und ihrer Familien - den größten Einzelbeitrag zur Minderung des gesellschaftlichen Arbeitskräftepotenzials. Denn in Deutschland berichten Patienten mit einer psychischen Störung fast dreimal mehr Krankheits- und eingeschränkte Produktivitätstage wie psychisch gesunde Personen.

Die sozialen und wirtschaftlichen Jahreskosten werden für Deutschland mit 122 Milliarden Euro angegeben. Dabei sind die direkten Ausgaben für Diagnose und Therapie - anders als im Vergleich zu den meisten körperlichen Erkrankungen - mit zirka 35 Milliarden Euro proportional relativ niedrig. Dies ist nicht nur ein Hinweis auf die im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten (Diabetes, kardiovaskuläre und Krebserkrankungen) niedrigen durchschnittlichen Behandlungs-Fallkosten sowie das hohe Ausmaß der Unterbehandlung.

Vielmehr kommt in diesem Missverhältnis direkter Behandlungskosten gegenüber indirekten Kosten das hohe Behinderungspotential psychischer Störungen zum Ausdruck. Sie gehören nach Angaben der Forscher nicht nur aufgrund ihrer Häufigkeit, sondern auch aufgrund ihrer „teuren“ Einschränkungsprofile zu den führenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im Gesundheitsbereich. Dennoch werden für die Erforschung psychischer Störungen nur etwa 5,5 Prozent des gesamten gesundheitsbezogenen Haushalts bereitgestellt. Zudem liegt das Fördervolumen insgesamt mehrfach unter den Forschungsaufwendungen, das für andere Volkskrankheiten zur Verfügung steht.

 

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