• soziale Angst

     

Simulation sozialer Angst in virtueller Realität

Schätzungen zufolge weisen etwa zehn Prozent der Bevölkerung hierzulande eine soziale Phobie auf. Die Betroffenen leiden insbesondere unter der ausgeprägten Furcht, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich oder beschämend zu verhalten. Die Folge ist fast immer, dass sie in sozialen Situationen starke Angst erleben oder diesen aus dem Weg gehen, was bis hin zur sozialen Isolation führen kann. Obwohl die soziale Phobie durch eine Psychotherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie häufig erfolgreich behandelt werden kann, sprechen nicht alle Patienten auf die Methoden an.

Mit ihren Forschungsarbeiten versuchen Wissenschaftler um Professor Dr. Andreas Mühlberger und Dr. Youssef Shiban vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie Professor Dr. Inga Neumann vom Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg die Grundlagen der sozialen Angst besser zu verstehen. Das soll der Entwicklung verbesserter Therapieoptionen den Weg bereiten.

Die Forscher entwickelten hierzu einen experimentellen Ansatz, durch den Probanden in einer virtuellen Realität soziale Angst lernen und anschließend wieder verlernen. Die Methode ermöglicht es, soziale Angst unter Laborbedingungen zu simulieren. Die Probanden werden in den Experimenten aufgefordert, in einem virtuellen Raum mittels Joystick auf eine Person (einen Agenten) zuzugehen. In einigen Fällen erhielten die Teilnehmer nach der Annäherung eine „Bestrafung“ durch einen sehr lauten und schrillen Schrei über einen Kopfhörer oder durch einen starken Luftstrom an den Hals.

Allerdings wurden nicht alle Probanden immer entsprechend „bestraft“. Das hatte zur Folge, dass die Studienteilnehmer jene Agenten, von denen sie eine Bestrafung erhalten hatten, als besonders unsympathisch einschätzten. Sie zeigten darüber hinaus sowohl bei der Bestrafung während der Konditionierung wie auch bei einer späteren ungestraften Annäherung an diese Agenten eine höhere Herzfrequenz und eine erhöhte Schreckreaktion. Probanden mit stärker ausgeprägter sozialer Angst empfanden hingegen alle Agenten gleichermaßen unsympathisch – auch Agenten, die nicht bestraft hatten. Sie zeigten zudem bei allen Agenten eine ähnlich hohe Stressreaktion.

Im Zentrum der Untersuchungen stehen nun die Fragen, wie sich das Gehirn der angstkonditionierten Menschen verändert, was sich nach Auslöschung der sozialen Angst ändert und wie die Prozesse therapeutisch zu beeinflussen sind. Vermutet dabei wird, dass das Neuropeptid Oxytocin, das starke pro-soziale Wirkung hat, eine Ergänzung zur kognitiven Verhaltenstherapie sein kann. „Es verstärkt zum Beispiel die Partnerbindung, ermöglicht starke Mutter-Kind-Bindungen und steigert allgemein unseren Drang zu sozialen Kontakten“, so Neumann. Die Neurobiologin konnte mit ihrem Team zudem bereits zeigen, dass Oxytocin im Tierversuch soziale Angst reduziert.

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