• Demenz

     

SOP Somatische Diagnostik bei Demenz

Somatische Diagnostik bei Demenz dient in erster Linie der Erkennung behandelbarer Demenzen, die einen Anteil von etwa 12% ausmachen und erfordert ein gestuftes, in Einzelfällen umfangreiches Vorgehen.

Grundsätzlich gilt, je früher eine Demenz auftritt und je rascher sie verläuft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit sowohl einer reversiblen Demenz als auch einer monogenetischen Form.

Auffällige Untersuchungsbefunde sollten wegen der geringen Spezifität und mit dem Alter zunehmender Überlappungen neuropathologischer Prozesse (z. B. Mischdemenz oder Kombination von α-Synukleinopathie und Amyloidpathologie) immer nur in Zusammenschau von allen verfügbaren Daten durch mit Demenzen erfahrenen Kollegen bewertet werden.

Bei Verdacht auf Demenz ist meistens der Hausarzt der primäre Ansprechpartner, der zur Diagnosesicherung an einen Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie überweisen sollte. Seltener erfolgen Überweisungen direkt an Demenzspezialisten, zu denen mit der Diagnose und Therapie von Demenzen erfahrene Fachärzte, Memory-Ambulanzen oder Fachkliniken gehören. Dies ist besonders bei frühem Beginn vor dem 65. Lebensjahr, atypischer Präsentation (z. B. mit ungewöhnlichem neuropsychologischem Profil, fokalneurologischen Symptomen oder schnellem Symptomwechsel) und rasch progredientem Verlauf sinnvoll, da die Differenzialdiagnosen und das diagnostische Repertoire in diesen Fällen umfangreicher sind und die Wahrscheinlichkeit behandelbarer Demenzformen höher ist.

Diagnosestellung: obligatorische Diagnostik

Identifikation eines demenziellen Syndroms

Anhand der bekannten Kriterien mod. nach ICD 10: nachweisbare Abnahme in mindestens 2 kognitiven Domänen, Beeinträchtigungen der Aktivitäten des alltäglichen Lebens (ADL), Symptomdauer von mindestens 6 Monaten, Ausschluss eines Delirs als Ursache des kognitiven Abbaus) wird die Diagnose einer Demenz gestellt.

Hierzu sind neben der Eigen- insbesondere eine Fremdanamnese, die Exploration der Krankheitsgeschichte inklusive der Medikation (z. B. Benzodiazepine, Opioide, Anticholinergika), eine ausführliche psychiatrische und körperliche Untersuchung, die Beurteilung der ADL (wie Auf- und Umsetzen, sich Waschen, Toilettenbenutzung, An- und Auskleiden, Essen, Kontinenz und Mobilität z. B. mit dem Barthel-Index) und ein kognitives Screening (MMST, Uhrentest oder MoCA,) erforderlich.

Spezifizierung der Demenz anhand weiterer Diagnostik

  1. Die obligatorische Labordiagnostik umfasst Blutbild, Elektrolyte, Diabetesscreening, Schilddrüsenfunktion, Entzündungsparameter, Leber- und Nierenfunktion, Gerinnung, Vitamin B12 und Folsäure.
  2. Die zerebrale Schnittbildgebung dient vorrangig der Suche und ggf. ätiologischen Zuordnung von Raumforderungen (wie z. B. Tumor, Blutung oder Hydrozephalus), Parenchymläsionen und Atrophiemustern. Sie kann als Computertomografie mit dem Vorteil der breiten Verfügbarkeit, raschen Durchführung und sehr guten Darstellung von frischen Blutungen und knöchernen Strukturen erfolgen. Die Kernspintomografie ist wegen der sehr guten räumlichen Auflösung, der variableren Schnittführung und der spezifischen Abbildung von Ischämien und Blutabbauprodukten der CT deutlich überlegen, hat aber klare Nachteile bei der Verfügbarkeit, Akzeptanz, Anwendbarkeit und Untersuchungsdauer. In den meisten Fällen wird die Bildgebung nativ, in begründeten Situationen (v. a. Tumor oder Entzündung) mit Kontrastmittel durchgeführt.

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Aus der Zeitschrift Psych up2date 04/2019

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