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Soziale Angststörung: Beeinflusst partnerschaftliche Bindung den Therapieerfolg?

Soziale Phobien gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Kognitive Verhaltenstherapie (kVT) scheint in der Behandlung psychodynamischen Verfahren überlegen zu sein, die Gründe sind bis heute unklar. Strauss und Kollegen haben nun in einer randomisierten Studie mit 412 Patienten den Einfluss der partnerschaftlichen Bindungsqualität auf den Therapieerfolg untersucht. Dabei verglichen sie kVT mit einem psychodynamischen Ansatz.

Die randomisierte klinische Studie fand im Rahmen der großen SOPHO-NET (Social Phobie Psychotherapy Network) Studie statt, bei der Patienten mit sozialer Angststörung entweder mit kognitiver Verhaltenstherapie (kVT), mit psychodynamischer Therapie (pdT) oder gar nicht (Warteliste) behandelt werden. In dieser Teilstudie wollten die Autoren herausfinden, ob die Qualität einer partnerschaftlichen Bindung vor Behandlungsbeginn Abbruchquote und Therapieerfolg beeinflusst und ob die Behandlungsart dabei eine Rolle spielen könnte. Einschlusskriterien waren:

•Alter zwischen 18 und 70 Jahren,

•Diagnose einer primären sozialen Angststörung,

•Ausschluss einer schweren weiteren psychischen Störung.


Geeignete Patienten wurden einer von 2 Studiengruppen zugeteilt:

•Gruppe 1: kognitive Verhaltenstherapie nach Clark und Wells,

•Gruppe 2: psychodynamische Therapie.


Vor Therapiebeginn beurteilten die Teilnehmer die Qualität einer partnerschaftlichen Bindung mithilfe der revidierten Fassung des Experiences in Close Relationships Questionnaire (ECR-R), einem Fragebogen zur Selbstberurteilung. Vor der ersten Sitzung, nach Therapieende und 1 Jahr später wurden krankheitsspezifische Symptome über die Liebowitz Soziale Angst Skala (LSAS) erfasst.

Primäre Endpunkte waren die Abbruchquoten beider Gruppen sowie Therapieerfolg nach Abschluss sowie 1 Jahr danach im Sinne einer Symptomreduktion auf der LSAS. Um den Einfluss der Bindungsqualität einschätzen zu können, rechneten Strauss und sein Team ein lineares Regressionsmodell.

Abbruchquote vergleichbar

412 Patienten nahmen an der Studie teil, 57% von ihnen weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 35,4 Jahren, die ECT-R und LSAS Ausgangswerte waren für beide Studiengruppen vergleichbar. 23,2% aller Patienten brachen die Therapie vorzeitig ab. Bei 22,3% in Gruppe 1 und 24,2% in Gruppe 2 konnten die Autoren keine bedeutsamen Unterschiede feststellen. Auch für die anderen Endpunkte ergaben sich keine bedeutsamen Differenzen.

Die Qualität der Partnerschaftsbindung hatte keinen Einfluss auf die Abbruchquote, ein niedriges Bildungsniveau schien allerdings hierbei ein relevanter Faktor zu sein. Patienten mit höherer Symptombelastung auf der LSAS profitierten in dem statistischen Modell eher von pdT, während Mitpatienten mit hohen Werten für Vermeidungsverhalten in partnerschaftlichen Beziehungen bessere Erfolge nach einer kVT erzielten. Strauss und Kollegen erachten die Erhebung der partnerschaftlichen Bindungsqualität für durchaus relevant. Für das Verständnis der komplexen Zusammenhänge seien aber weitere Untersuchungen erforderlich.


Fazit

Die Qualität einer partnerschaftlichen Bindung vor Behandlungsbeginn hat bei Patienten mit sozialen Phobien keinen Einfluss auf Abbruchrate oder Therapieerfolg. Patienten mit starkem Vermeidungsverhalten scheinen besonders von kognitiver Verhaltenstherapie zu profitieren. Nach Meinung der Autorinnen und Autoren sind weitere klinische Studien erforderlich, um genaue Einflussfaktoren und Moderatoren benennen zu können.

     

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 8/2018

 

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