• Inklusion

     

Soziale Inklusion psychisch Kranker

Menschen mit psychischer Erkrankung droht oft die soziale Isolation. Die Europäische Union fördert deshalb nun ein Inklusionsprojekt für psychisch Erkrankte.

Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden oft doppelt, denn sie werden häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. Um die soziale Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verbessern, hat die EU im Rahmen des Förderprogramms „Horizon 2020“ ein internationales Projekt gestartet, an dem auch Ulmer Wissenschaftler beteiligt sind. Es geht dabei zum einen darum, die Betroffenen im Umgang mit der Krankheit zu unterstützen und zum anderen sollen die politischen Rahmenbedingungen verbessert und die Integration ins Arbeitsleben erleichtert werden.

Das Förderprojekt CRISP (Citizenship, Recovery and Inclusive Society Partnership) ist auf vier Jahre ausgelegt, die Fördersumme beläuft sich insgesamt auf knapp 500.000 Euro, rund ein Viertel davon erhält die Universität Ulm. Beteiligt sind ferner die schottische University of Strathclyde/Glasgow, und die Mental Health Foundation in Großbritannien. Weitere Kooperationspartner kommen aus Finnland und den USA, darunter die New York University, die Yale University sowie das Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago. Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung in Glasgow standen Schwerpunktthemen wie Stigma und Diskriminierung. Dabei ging es konkret um die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen sowie um Initiativen zur Förderung der sozialen Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

„Wir wollen mit dem Projekt den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf diesem sensiblen Gebiet verbessern“, sagt Professor Dr. Nicolas Rüsch, Leiter der Sektion Public Mental Health der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm und Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg. Konkret sollen Entscheidungshilfen und Interventionsmöglichkeiten erarbeitet werden, die dazu beitragen, die soziale Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verbessern. Entscheidend ist es dabei, der Stigmatisierung von Betroffenen entgegenzutreten.

Die Forscher arbeiten zudem an der Weiterentwicklung spezieller Gruppenprogramme zum selbstbewussten Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung. „Die Betroffenen sollen selbst entscheiden, ob sie ihre Erkrankung offenlegen oder lieber geheim halten wollen“, erklärt Rüsch.
Das sogenannte „In Würde zu sich stehen“-Programm (IWzss) unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen bei dieser Entscheidung. Ob am Arbeitsplatz oder der Ausbildungsstelle, in der Schule oder im privaten Umfeld, für die unterschiedlichen Lebensbereiche soll jeweils selbst entschieden werden, ob Offenlegung oder Geheimhaltung der bessere Weg ist. Die Forscher der Uni Ulm kooperieren dafür eng mit Wissenschaftlern des IIT Chicago, die die Grundlagen dieses Programms entwickelt haben.

Begleitet wird das Forschungsprojekt von kulturellen Veranstaltungen, Seminaren und Konferenzen, um möglichst breite Aufmerksamkeit für das Thema zu gewinnen und um geeignete Entscheidungshilfen sowie Interventionsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
„Gesellschaftliche Teilhabe ist ein Menschenrecht. Und wir wollen den Betroffenen dabei helfen, diesem Recht in der Alltagspraxis Geltung zu verschaffen – sei es in der Schule oder am Arbeitsplatz“, so der Ulmer Forscher.

Der Fokus der Ulmer Arbeitsgruppe liegt auf der Entwicklung von Antistigma-Interventionen in der Arbeit mit psychisch erkrankten Jugendlichen in Kooperation mit den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Augsburg, Ravensburg-Weissenau und Ulm. Eine intensive Zusammenarbeit gibt es zudem mit dem Psychotraumazentrum am Berliner Bundeswehrkrankenhaus. Hierbei geht es darum, das IWzss-Programm für Soldaten mit psychischen Erkrankungen zu adaptieren.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Situation für psychisch belastete oder erkrankte Personen am Arbeitsplatz. Das Ziel: Eine stärkere Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen an der Arbeitsmarktpolitik, um die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Integration ins Arbeitsleben zu verbessern. Außerdem sollen auch bereits bestehende Programme im Rahmen des internationalen Projektes evaluiert werden. Dazu gehört beispielsweise ein kanadisches Programm, das den Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern und Kollegen im Arbeitsumfeld verbessern soll. Es geht dabei zum einen um die Vermittlung von Wissen zu diesem Thema, aber zum anderen auch um die Bereitschaft, Hilfe für psychische Krisen zu leisten und gegebenenfalls selbst in Anspruch zu nehmen. „Nicht nur für die Betroffenen ist die dauerhafte Ausgrenzung eine Belastung. Auch die Gesellschaft verliert damit ein großes Potential“, sagt Rüsch.

 

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