• Soziale Phobie

    Kognitive Verhaltenstherapie vs. psychodynamische Therapie – was ist effektiver?

     

Soziale Phobie

Kognitive Verhaltenstherapie vs. psychodynamische Therapie – was ist effektiver?

Die soziale Phobie mit ihren quälenden Symptomen wie Angst vor Bloßstellung oder vor anderen Menschen hat oft weitere Erkrankungen, z. B. Depressionen, zur Folge. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, kommen sowohl die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) als auch die psychodynamische Psychotherapie zum Einsatz. F. Leichsenring und Kollegen der Universität Gießen haben die Ansprech- und Remissionsraten der beiden Therapieformen untersucht.

Die Wissenschaftler führten dazu eine randomisiert-kontrollierte Multicenter-Studie durch. Sie ist Teil eines Großprojekts namens „SOPHO-NET“, in dem sich mehrere Universitäten Deutschlands zusammengeschlossen haben, um die soziale Phobie umfassend zu erforschen – dazu gehören u. a.die Universitäten Bochum, Dresden, Jena, Gießen und Mainz.

Aus den Ambulanzen dieser Universitäten rekrutierten die Forscher ihre Studienteilnehmer. Bei allen war eine „Soziale Angststörung“ gemäß dem strukturierten klinischen Interview (SKID) des DSM-IV diagnostiziert worden. Sie waren 18–70 Jahre alt und wiesen auf der Liebowitz-Sozialangst-Skala einen Score von über 30 auf. Die 495 Teilnehmer wurden randomisiert verteilt: 209 erhielten eine CBT, 207 eine psychodynamische Therapie, 79 blieben auf der Warteliste. Die Patienten in den Therapiearmen erhielten jeweils 25 Einzeltherapie-Sitzungen à 50 min Dauer.

Die Forscher befragten die Patienten zu Beginn, nach 8 Wochen, nach 15 Wochen und am Ende der Therapie zu ihrem Befinden. Dazu nutzten sie die Liebowitz-Sozialangst-Skala, das SKID sowie den Anxiety Disorder Interview Schedule.

Sowohl die CBT als auch die psychodynamische Therapie orientierten sich an Studien-Manualen. Die CBT wurde nach der Methode von Clark & Wells durchgeführt. Dazu gehörten Verhaltensexperimente, Rollenspiele, Fokussierung der Aufmerksamkeit nach außen, Rekonstruktion des Selbstbildes und Videofeedback. Dabei untersuchten Therapeut und Patient gemeinsam, was der Patient unternimmt, um unangenehme Folgen in der Gesellschaft zu vermeiden.

In der psychodynamischen Therapie ging es um zentrale Beziehungskonflikte: Was wünscht sich der Patient? Was befürchtet er? Fragen wie diese wurden ausführlich beleuchtet. Die Symptome der sozialen Phobie werden bei dieser Methode mit den Beziehungskonflikten des Patienten in Verbindung gebracht. Die Behandlung basiert auf dem Modell von Lester Luborsky und beinhaltet sowohl supportive als auch expressive Interventionen.

 

Höhere Remissionsrate bei CBT 

Im Vergleich zu den Patienten auf der Warteliste, erlebten die behandelten Patienten deutliche Verbesserungen. Die Remissionsraten der CBT und der psychodynamischen Therapie betrugen 36 bzw. 26 %, während bei den Patienten der Warteliste eine Remission von lediglich 9 % festzustellen war.

Die Ansprechraten lagen bei 60 % (CBT) und bei 52 % (psychodynamischen Therapie) – bei den Wartelisten-Patienten betrug die Ansprechrate 15 %, wobei „Ansprechen“ definiert war als eine Verbesserung von mindestens 2 Punkten auf der Clinical Global Impression Scale. Allerdings sprach auch ein beachtlicher Anteil der Patienten, nämlich zwischen 40 und 48 %, nicht ausreichend auf die Therapien an; dies entspricht der Non-Responder-Rate anderer Psycho- oder Pharmakotherapiestudien.

 

Fazit

Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und psychodynamische Psychotherapie erreichen bei sozialer Phobie ähnliche Ansprechraten (60 bzw. 52 % in dieser Studie). Allerdings gingen die Symptome unter der CBT) stärker zurück: Die Remissionsrate unter CBT übertraf die durch psychodynamische Therapie erreichte Remissionsrate deutlich.

 

Dr. Dunja Voos, Pulheim

Aus der Zeitschrift PiD - Psychotherapie im Dialog 2013; 14(04): 8