• Spielsucht

     

Störungen der Selbstkontrolle aus forensischer Sicht

Spielen ist nicht verboten, ob im Sandkasten oder im Kasino. ­Einvernehmlicher Sex mit einem zustimmungsfähigen Partner ist nicht verboten. Strafrechtliche Komplikationen schafft nicht das übermäßige Tun, sondern der mögliche Verschleiß sozialer Ressourcen, v. a. von Zeit und Geld.

Allzu viel ist oft nicht gut μηδέν άγαν, Nichts allzu viel, sagten die alten Griechen. Dosis fit venenum, allzu viel ist giftig, sagten die alten Römer. Solche Warnungen begleiten die Menschheitsgeschichte, denn das können wir in Wahrheit gut: uns ganz und gar einer Sache hingeben. Besonders dann, wenn wir uns dafür quälen müssen: bei Arbeit und Karriere, beim Hochleistungssport, beim Hochleistungsmusizieren seit Kindesbeinen. Schwerer schon fällt es uns, ganz und gar dem Genuss zu leben, der erotischen Begegnung und dem Sex, oder dem Spielen, oder anderen zeitaufwendigen Hobbys wie dem Segelbootbau oder dem Häuslebauen. Weil wir ein schlechtes Gewis­sen haben, wenn wir ­gegen den protestantischen Arbeitsethos und ­gegen familiäre Pflichten verstoßen.

Strafrechtliche Komplikationen – Straftaten im Umfeld von „nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten“ gibt es eigentlich nur im Hinblick auf exzessives Glücksspielen und im Hinblick auf ausufernde Inszenierung von Sex-Konsum. Übermäßiges Shoppen ohne zu bezahlen ist halt Klauen und nicht Kaufsucht, zur Kaufsucht gehört das Bezahlen und Schuldenmachen. Das Schuldenmachen kann in Betrugsdelikte münden. Es geht dann, wie beim Spielen, um das Besorgen von Geld. Die Delikte sind v. a. Betrug, Urkundenfälschung, Diebstahl und Raub; vereinzelt stehen Raubmorde zu Buche, ­deren Ertrag dem erneuten Wetten auf den Ausgang von Fußballspielen dienen sollte. In diesem Beitrag wird allein auf diese Delin­quenz eingegangen; die Problematik der Schuldfähigkeit bei hypersexuell anmutenden Taten hat unlängst Peer Briken verhandelt   

Modelle der Verhaltenssucht Für die strafrechtliche Beurteilung ist durchaus von Belang, welches Konzept wir von exzes­siven Verhaltensmustern haben. Zugleich war es, nicht zuletzt in den USA, von großem wirtschaftlichen Interesse, welche Kliniken die Zuständigkeit für Spieler reklamieren konnten, ob Suchtkliniken oder psychotherapeutische Kliniken für Verhaltensstörungen. Das alte Suchtkonzept parallelisierte Glücksspielen mit Heroinabhängigkeit und bediente damit richterliche Laienfantasien von willenlosem Ausgeliefertsein. Das Zwangskonzept sah die Spieler in der Nähe von Zwangstörungen, und relativ unplausibel einigte man sich in DSM-III und DSM-IV auf den Kompromiss „Störung der Impulskontrolle“. In diesem Heft wird nun das Konzept „Störung der Selbstkontrolle“ empfohlen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Störungen der Selbstkontrolle aus forensischer Sicht

Aus der Zeitschrift PiD - Psychotherapie im Dialog 01/2017

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