• Fötus in Fruchtblase

     

Stress im Mutterleib prägt die spätere Gesundheit

Die Fetalperiode spielt offensichtlich eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung einer Prädisposition für verschiedene Erkrankungen einschließlich Depressionen und ADHS. Untersucht wird der Zusammenhang im EU-geförderten Projekt „Impact of Prenatal Stress on BRAIN AGEing“.

Die Entwicklung eines ADHS sowie von Depressionen, Schlaganfall und Demenz ist durch genetische Faktoren sowie einen ungesunden Lebensstil oft nicht ausreichend zu erklären. Eine wesentliche Rolle bei der Ausbildung einer entsprechenden Prädisposition könnte aktuellen Erkenntnissen zufolge der kindlichen Entwicklung im Mutterleib zukommen. „Offensichtlich bewirken ungünstige Umweltbedingungen in kritischen Phasen der fetalen Organentwicklung eine dauerhafte Anpassung der Organfunktionen oder -struktur an zu erwartende schlechte Umweltbedingungen. Dabei wird das Auslesen von Genen lebenslang verändert“, erklärt Professor Dr. Matthias Schwab vom Universitätsklinikum Jena. Der Neurologe koordiniert den EU-Forschungsverbund BrainAge, der den als „Fetale Programmierung“ bezeichneten Prozess untersucht.

Die wichtigsten Umwelteinflüsse auf den Embryo sind nach derzeitiger Kenntnis Stress und eine ungünstige Nährstoffversorgung. Solche Situationen können zum Beispiel bei psychischen Belastungen der Schwangeren oder auch bereits bei einer moderaten Mangelernährung auftreten, zum Beispiel bei einer zu geringen Nahrungsaufnahme der Frau oder eine Plazentainsuffizienz, wie sie insbesondere bei älteren Schwangeren nicht ungewöhnlich ist.

Der Stress im Mutterleib beeinflusst augenscheinlich die Hirnentwicklung und erhöht die Stressempfindlichkeit im späteren Leben. „Biologisch gesehen ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit zunächst positiv“, erklärt Matthias Schwab. „Optimierte stressspezifische Reaktionen wie Flucht und Aufmerksamkeitsfokussierung sind wichtige Anpassungsmechanismen, die während der Evolution das Überleben sicherten.“ Eine stressbedingte Aufmerksamkeitsfokussierung hat jeder schon selbst
erfahren: So konzentriert man sich in Prüfungssituationen völlig auf das Thema und denkt nicht über andere Dinge nach.

Allerdings ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit auch mit negativen Auswirkungen verbunden. Denn es gibt einige Stress-assoziierte Erkrankungen wie das ADHS, Depressionen und eine Hypertonie und es gibt auch Hinweise darauf, dass eine erhöhte Stressempfindlichkeit das Schlaganfallrisiko erhöht sowie kognitiven Störungen und einer vorzeitigen Hirnalterung Vorschub leistet.

Im von der Europäischen Union geförderten Projekt „Impact of Prenatal Stress on BRAIN AGEing“, arbeiten Molekularbiologen, Psychologen, Fetal- und Neurophysiologen aus fünf europäischen Ländern und den USA zusammen. Sie untersuchen in experimentellen Projekten und Studien die Mechanismen, die zur erhöhten Stressanfälligkeit und in der Folge zu Herz-Kreislauferkrankungen oder neurodegenerativen Störungen führen. Eine bessere Kenntnis dieser Prozesse ist die Voraussetzung dafür, dass frühe Interventionen und Therapien entwickelt werden können.

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