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Studie zur anhaltenden Trauer: Teilnehmer gesucht

Rund fünf Prozent der Menschen, die eine Person aus ihrem Umfeld durch Tod verlieren, reagieren mit einer Trauerstörung. Für eine Studie zur psychotherapeutischen Therapie dieser Reaktion werden noch Teilnehmer mit andauernder Trauer gesucht.

Stirbt ein geliebter Mensch, so gerät die Welt der Hinterbliebenen aus den Fugen. Akute Trauer ist dabei eine natürliche Reaktion auf den Verlust einer wichtigen Bindung. Bei den meisten Betroffenen lässt diese innerhalb der ersten sechs Monate langsam nach. Doch etwa fünf Prozent der Trauernden entwickeln eine anhaltende Trauerstörung mit erheblichen Beschwerden. In den kommenden drei Jahren bietet die Verhaltenstherapieambulanz der Goethe-Universität Frankfurt Betroffenen eine spezielle Therapie im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie.
„Eine Behandlung empfiehlt sich, wenn der Verlust länger als ein halbes Jahr zurückliegt und weiterhin schwere psychische Symptome den Alltag beeinträchtigen“, erklärt Privatdozentin Dr. Regina Steil, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Goethe-Universität. „Wir suchen für unsere Frankfurter Ambulanz etwa 50 Personen als Studienteilnehmer.“ Betroffene aus dem Rhein-Main-Gebiet, die älter als 18 Jahre und jünger als 75 Jahre sind und bisher keine andere Psychotherapie nutzen, können sich direkt an die Frankfurter Koordinatorin und Psychologin Octavia Harrison (E-Mail: harrison@psych.uni-frankfurt.de; Telefon: 069/798 23793) wenden. Die spezielle Psychotherapie umfasst 20 wöchentliche Einzeltermine und Nachuntersuchungen unmittelbar nach Abschluss der Behandlung sowie nochmals nach einem Jahr.

Die bislang angebotenen Therapieformen, die bei einer Trauerstörung angewendet werden, wirkten eher unspezifisch. Die Arbeitsgruppe hat deshalb bewährte psychotherapeutische Methoden auf die speziellen Bedürfnisse trauernder Patienten angepasst. In der Studie PROGRID (Prolonged Grief Disorder) vergleichen die Wissenschaftler zwei psychotherapeutische Behandlungen: Eine Therapie legt den Schwerpunkt auf die Trauer selbst, die andere konzentriert sich auf die durch Trauer verursachten Schwierigkeiten im Alltag. Die zugrunde liegenden Behandlungsformen haben sich bereits bei verschiedenen Störungen als wirksam erwiesen, wurden nun aber an die Situation der Trauernden adaptiert. Dazu Steil: „Auf lange Sicht wollen wir so gewährleisten, dass es für die Betroffenen gute Therapiemöglichkeiten gibt“. Elemente dieser Behandlungsformen sind beispielsweise die Aufklärung über die anhaltende Trauerstörung sowie das Aufzeigen von Zusammenhängen zu Symptomen und zu alltäglichen Problemen.

Beteiligt an der dreijährigen DFG-Studie sind neben der Goethe-Universität Frankfurt die Katholische Universität Eichstädt-Ingolstadt sowie Studienzentren an den Universitäten Marburg und Leipzig. Die bundesweite Leitung der mit rund einer Million Euro von der DFG finanzierten Studie hat Prof. Dr. Rita Rosner, Klinische und Biologische Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, in Frankfurt ist Privatdozentin Dr. Regina Steil verantwortlich.

Die Experten sind sich einig, dass es für Patienten von Nutzen ist, die anhaltende Trauerstörung als Krankheit einzustufen und entsprechend zu behandeln. Daher wird die Trauerstörung auch in die nächste Auflage der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) aufgenommen. Die Manifestation der anhaltenden Trauerstörung kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Patienten berichten häufig über folgende anhaltende Beschwerden: Intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person; Einsamkeit seit dem Todesfall; Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren; Gedanken, die ständig um die verstorbene Person kreisen; Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe; Vermeidung aller Erinnerungen, aller Gedanken und aller Gefühle an die verstorbene Person und deren Tod.

Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt, Juni 2017

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