• Suizidalität

    Selbstmordgedanken durch Drogenkonsum?

     

Suizid – Risiko durch Drogenkonsum bei Jugendlichen erhöht

Suizid ist die dritthäufigste Todesursache unter Jugendlichen in den USA. Studien konnten einen Zusammenhang zwischen dem Drogenkonsum und der Entwicklung von Suizidgedanken sowie dem Planen und Versuch des Selbstmordes zeigen. S. Shucheng et al. haben nun den Einfluss des Konsums von 10 Substanzen auf das suizidale Verhalten von Jugendlichen untersucht.

Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2013; 48: 1611–1620

 

Die Untersuchung basierte auf den Daten von 73 183 US-amerikanischen Highschool-Studenten, die von 2001–2009 im Rahmen des Youth Risk Behavior Survey erhoben wurden. Die Jugendlichen waren hinsichtlich der Geschlechterverteilung sowie ihrer ethnischen Herkunft landesweit repräsentativ. Die Autoren untersuchten die Assoziation zwischen dem Konsum von 10 häufigen Missbrauchssubstanzen (Alkohol, Kokain, Ecstasy, Halluzinogene, Heroin, Inhalationsmittel, Marihuana, Methamphetamine, Steroide, Tabak) und der Entwicklung von Selbstmordgedanken, dem Planen und dem Versuch eines Selbstmordes sowie mehrfach durchgeführten Selbstmordversuchen während des vorangegangenen Jahres. Als mögliche Störfaktoren gingen soziodemografische Variablen, interpersonale Gewalt, Geschlechtsverkehr sowie Symptome von Depression und Essstörungen mit in die Analyse ein.

 

Illegale Drogen am gefährlichsten

2,7 % der Jugendlichen gaben an, mindestens 1-mal in ihrem Leben Heroin konsumiert zu haben, von diesen hatten 46,2 % nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr versucht, sich das Leben zu nehmen. Unter den Jugendlichen, die nie mit Heroin in Berührung kamen, waren es nur 6,7 %. Bei einem Vergleich der 10 Substanzen zeigte sich, dass im Fall von Jugendlichen, die Erfahrungen mit Heroin gemacht hatten, die stärkste Assoziation zur Entwicklung von Suizidgedanken, zum Planen eines Selbstmordes, zu einem Suizidversuch sowie zu schweren Suizidversuchen während des letzten Jahres bestand (Odds Ratios [OR] jeweils 5,0, 5,9, 12,0 und 23,6 im Vergleich zu Drogenabstinenzlern). Es zeigten sich auch starke Assoziationen zwischen dem Konsum von Methamphetaminen (OR 4,3–13,1) und Steroiden (OR 3,7–11,8) mit suizidalem Verhalten. Im Fall von Kokain, Ecstasy, Halluzinogenen und Inhalationsmitteln zeigte sich eine moderate Assoziation (OR 3,1–10,8). Auch der Konsum von Marihuana, Alkohol und Tabak führte zu einer erhöhten OR für suizidales Verhalten (OR 1,9–5,2). Die Gesamtzahl der lebenslang konsumierten Substanzen ist ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor. Die Assoziationen zwischen jeder der 10 Substanzen und den 4 Parametern zur Messung von suizidalem Verhalten blieben auch innerhalb einer multivariaten Analyse unter Miteinbeziehung multipler Störfaktoren deutlich (p < 0,05), mit Ausnahme der Beziehung zwischen Alkoholkonsum und schweren Suizidversuchen. Illegale Substanzen wiesen eine stärkere Assoziation zu suizidalem Verhalten auf als legale Substanzen und andere Risikofaktoren (mit Ausnahme von Depressionen).

 

Fazit

Die Studienergebnisse zeigen, dass Jugendliche, die Erfahrungen mit Missbrauchssubstanzen gesammelt haben, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten aufweisen. Wurden illegale Drogen oder eine größere Zahl von verschiedenen Drogen konsumiert, so war ein dramatischer Anstieg des Suizidrisikos zu verzeichnen. Die Autoren verweisen deshalb auf die Notwendigkeit eines routinemäßigen Substanzmissbrauchs-Screenings bei der Bewertung des Suizidrisikos von Jugendlichen.

Dr. Frank Lichert

 

Aus der Zeitschirft Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2014; 82(03): 124

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