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    Details in Zeitungsberichten, wie bspw. die Beschreibung der Suizidmethode oder Abbildungen können Auswirkungen auf Nachahmer haben.

     

Suizid – Welche Rolle spielen die Medien bei Jugendlichen?

Begeht ein junger Mensch oder eine berühmte Persönlichkeit Suizid, folgen ihm nicht selten weitere. Die Wissenschaftler um M. S. Gould konnten für Suizide bei Heranwachsenden zeigen, dass die Art der Aufbereitung in den Medien bei einer Häufung solcher Fälle eine entscheidende Rolle spielt.
Lancet Psychiatry 2014; 1: 34–43

 

In der retrospektiven, populationsbasierten Fall-Kontroll-Studie suchten die Autoren zunächst nach Suizidclustern von Personen im Alter von 13 bis 20 Jahren in den USA im Zeitraum von 1988 bis 1996 – also noch vor der Verbreitung sozialer Medien. Jedem dieser Cluster stellten sie dann 2 nicht direkt assoziierte Gemeinden aus demselben Verwaltungsbezirk gegenüber, in denen vergleichbare Suizide aufgetreten waren, ohne dass es zeitnah und ortsbezogen zu weiteren Selbsttötungen bei Jugendlichen gekommen war. Für alle untersuchten Regionen recherchierten die Autoren regionale Zeitungsberichte zu Suiziden, die im Fall der Cluster zwischen dem ersten und vor dem nächsten Suizid, bei den Kontrollen nach dem einen ermittelten Suizid publiziert worden waren. Für die Auswertung berücksichtigten sie die Art und Struktur der Beiträge, z. B. auf der Titelseite oder im Innenteil der Zeitung, mit oder ohne Bild etc. Insgesamt schlossen die Autoren 48 Suizidcluster und 95 Kontrollregionen in die Analyse ein.

 

Tatdetails verbessern die Identifikationsmöglichkeiten

Nach dem Suizid eines Heranwachsenden fanden sich in den Zeitungen in Gebieten mit Suizidhäufung 7,42 Berichte zu Suiziden, in den Kontrollgemeinden 5,14 (p < 0,0001). Verschiedene Eigenschaften der Suizidberichte waren in den Clusterregionen vom Trend her häufiger als in den Kontrollregionen: der Bericht auf der Titelseite, Überschriften mit dem Wort “Suizid”, die Beschreibung der Suizidmethode und die detaillierte Beschreibung der Person, die sich selbst getötet hatte (inklusive einer Abbildung). Nach Meinung der Autoren, fällt jungen Menschen, die sich in einer labilen Situation befinden, durch Details zur Tat und Person sowie Fotos, die Identifikation leichter. Eine Kausalität zwischen Berichtsstil und Suizidclustern ließ sich in der Studie aber nicht belegen. Es gab viele Suizidcluster ohne Berichterstattung in den Zeitungen: Bei Suiziden von Jugendlichen ließ sich nur in 25 % der Cluster eine Berichterstattung nachweisen, bei Selbsttötungen von bekannten oder berühmten Personen immerhin in 46 % der Cluster.

 

Fazit

Die Beobachtung einer Assoziation von Zeitungsberichten über Suizide bei Jugendlichen und speziellen Charakteristika der Berichte mit gehäuft auftretenden Suiziden in dieser Altersgruppe in einer Region stärkt die empirische Evidenz für die Bedeutung der Medien und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von psychologischen und psychiatrischen Berufsgruppen, Gemeinden und Medien, um Suizidcluster zu erkennen und zu vermeiden, so die Autoren.

F. Klein

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie

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