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Systemische Therapie bald als Kassenleistung?

In seinem Abschlussbericht bescheinigt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) der Systemischen Therapie „Hinweise“ und „Anhaltspunkte“ für einen Nutzen als Psychotherapieverfahren bei Erwachsenen.

Mit der positiven Bewertung des IQWiG, die auf mehr als 40 methodisch hochwertigen Studien basiert, dürfte aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und der Systemischen Gesellschaft (SG) der Grundstein für die Aufnahme der Systemischen Therapie in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen gelegt sein. Die Gesellschaften fordern daher den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nun auf, die Systemische Therapie allen Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen.
Der Abschlussbericht des IQWiG wurde nach Angaben der DGSF und der SG im Juli dieses Jahres nach inzwischen dreijähriger Arbeit vorgelegt. Er geht auf mehr als 800 Seiten auf das Prüfverfahren „Systemische Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren“ ein und belegt auf Grundlage evidenzbasierter Medizin ebenso wie der bereits 2016 veröffentlichte Vorbericht den Nutzen der Systemischen Therapie bei zentralen Störungsbereichen. Die eingeschlossenen Wirksamkeitsstudien im Abschlussbericht wurden dabei aufgrund der wissenschaftlichen Stellungnahme der systemischen Fachgesellschaften gegenüber dem Vorbericht noch einmal ergänzt.

Eine Nutzen-Schaden-Abwägung, wie sie bei Arzneimittelstudien üblich ist, konnte das IQWiG nicht vornehmen, da bei Psychotherapieverfahren kaum Daten zu unerwünschten Nebenwirkungen vorliegen. Dies ist nach Angaben der Fachgesellschaften als Fingerzeig zu verstehen: „Die Psychotherapieforschung wird in Zukunft verstärkt auch unerwünschte Wirkungen erfassen müssen, damit der nachweisbare Nutzen gegen mögliche unerwünschte Ereignisse besser abgewogen werden kann“, heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaften.

Die Systemische Therapie ist demnach bereits seit 2008 wissenschaftlich anerkannt und kommt in zahlreichen Kliniken und Privatpraxen zur Anwendung. Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung steht das Verfahren bislang jedoch ambulant noch nicht zur Verfügung. Die endgültige Entscheidung über die Aufnahme von Systemischer Therapie in den Leistungskatalog der Krankenkassen liegt nun beim G-BA, dem obersten Selbstverwaltungsorgan von Leistungserbringern und Krankenkassen.

„Wir hoffen, dass der G-BA seine Entscheidung bald trifft, damit Systemische Psychotherapie nicht mehr nur privat zahlenden Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht“, so Dr. Björn Enno Hermans, erster Vorsitzender der DGSF. Dr. Ulrike Borst, erste Vorsitzende der SG, ergänzt: „International ist Systemische Therapie in der Behandlung von Menschen mit psychischen Krankheiten weit verbreitet. Wir freuen uns, wenn in Deutschland bald nachgezogen wird.“


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und der Systemischen Gesellschaft (SG), 26. Juli 2017

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