• Pillen auf Löffel

     

Therapie der Benzodiazepinabhängigkeit

Etwa 4–5 % der verschreibungsfähigen und verfügbaren Arzneimittel besitzen ein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial. Dies betrifft insbesondere eine Reihe von Psychopharmaka sowie Analgetika, auf die der Löwenanteil der geschätzt 1,1–1,5 (1,9) Millionen Arzneimittelabhängige fallen.

Benzodiazepine (BZD) als Hypnotika und Tranquilizer gehören immer noch zu den mit Abstand am häufigsten eingesetzten Psychopharmaka, auch wenn ihre Verschreibung in den letzten Jahren zum Teil zugunsten anderer Hypnotika, wie z. B. den Z-Drugs, deutlich zurückgegangen ist. Dabei ist allerdings nicht zu übersehen, dass sehr viele Benzodiazepine auf Privatrezepten verordnet werden, also von offiziellen Statistiken nicht erfasst sind. Jahnsen et al. nennen hier eine Zahl von 50 %! Genaue Zahlen zur Verschreibung von Benzodiazepinen der Gesamtbevölkerung liegen z. B. aus der Schweiz vor, wo Petitjean et al. Verordnungen bei 520 000 Patienten auswerteten und insgesamt einen hohen Anteil von Patienten ermittelten, die Benzodiazepine bekamen.

Merke
Besonders hoch ist der Anteil von Benzodiazepinverordnungen bei älteren Frauen; die Einjahresprävalenz beträgt hier rund 31,7 %!

Große Aufmerksamkeit fand vor Kurzem eine Studie in den USA, die ermittelte, dass 5,2 % der Erwachsenen regelmäßig Benzodiazepine konsumierten, wobei der Anteil in der Gruppe der 51- bis 64-Jährigen auf 7,4 %, bei den 65- bis 80-Jährigen sogar auf 8,7 % anstieg. Frauen waren zweimal häufiger betroffen als Männer, Langzeitkonsum lag bei 31,4 % der Betroffenen vor.

Eine Analyse nervenärztlicher Verschreibungen 2006–2010 ergab, dass im Jahr 2006 10,6 % der Versicherten mindestens einmal Benzodiazepine, Z-Drugs oder Opioid-Analgetika verordnet bekommen hatten; ähnlich in den Folgejahren. Für BZD-Verschreibungen gab es einen leichten Rückgang von 5,5 % (2006) auf 5,1 % (2010), bei stabiler Verschreibung von Z-Drugs (~ 1 %). Der Anteil von BZD-Langzeitverschreibungen sank stetig von 17 % (2006) auf 12,8 % (2010). Besonders lange war die Verschreibungsdauer bei älteren Patienten: bis 29 Jahre: 26 Tage in 2010; 60–74 Jahre: 96 Tage; über 75 Jahre: 132 Tage!

Der epidemiologische Suchtsurvey fand einen Gebrauch von Schlafmitteln bei 5,5 % der Befragten (Männer 4,2 %, Frauen 6,8 %), Beruhigungsmittel wurden von 5,4 % (Männer 4,6 %, Frauen 6,2 %) genommen. Täglicher Schlafmittelkonsum lag bei 0,8 % der Befragten vor, 1,2 % nahmen täglich Beruhigungsmittel. Die Kriterien für Missbrauch oder Abhängigkeit von Schlafmitteln erfüllten je 0,8 % der Befragten, 0,8 bzw. 1,4 % waren abhängig oder betrieben Missbrauch von Beruhigungsmitteln. Die Gesamtzahl der Medikamentenabhängigen wurde in dieser Studie sogar auf rund 2,3 Millionen geschätzt.

Auch andere Studien lassen hohe Prävalenzraten für BZD-Langzeitkonsum erkennen. Dem gegenüber steht die niedrige Zahl von stationären Entwöhnungsbehandlungen, die wegen Medikamentenabhängigkeit in Deutschland durchgeführt werden.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag Therapie der Benzodiazepinabhängigkeit

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 04/2019

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