• Depressive Frau

    Bisher wurden rund 140 Patienten mit therapieresistenten Depressionen mit einer THS behandelt.

     

Therapieresistente Depression – Linderung mit Tiefer Hirnstimulation?

Rund ein Drittel aller Patienten mit einer Depression leidet nach der Behandlung weiterhin unter der Erkrankung. Die Tiefe Hirnstimulation (THS) könnte in solchen Fällen eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Darauf weisen die Ergebnisse erster klinischer Studien hin. Bisher wird die THS hauptsächlich zur Behandlung von schweren Bewegungsstörungen eingesetzt, wie den Symptomen der Parkinson-Erkrankung. Erst seit einigen Jahren wird in klinischen Studien untersucht, wie diese Methode gegen therapieresistente, chronische Depressionen wirkt. Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, so T. Schläpfer, Erstautor der Studie, die im Juni in der Fachzeitschrift Klinische Neurophysiologie veröffentlicht wurde.

Bisher wurden rund 140 Patienten mit therapieresistenten Depressionen mit einer THS behandelt. Zwischen 21 und 71 % profitierten davon, wobei die Linderung der Depression häufig mit der Dauer der Behandlung zunahm. Die Ärzte implantierten Elektroden in verschiedenen Zielregionen des Gehirns. Der beste Effekt wird durch die Stimulation im supero-lateralen Bereich des medialen Vorderhirnbündels (slMFB) erreicht: Hier liegt die Erfolgsrate bei 85 % innerhalb weniger Tage. „Für die THS spricht auch, dass sie gut mit medikamentösen und psychotherapeutischen Verfahren kombiniert werden kann“, so Schläpfer. Allerdings seien bisher zu wenige psychiatrische Patienten mit THS behandelt worden, um allgemeine Aussagen treffen zu können. Außerdem könne es zu Nebenwirkungen kommen, wie etwa Bewegungsstörungen, Angstzuständen und Suizidversuchen, wobei das Suizidrisiko bei Patienten mit schweren Depressionen schon grundsätzlich um 15 % erhöht ist. Nach Angabe der Autoren können diese negativen Effekte jedoch durch Anpassung der Stimulation verhindert werden. Es sei dennoch wichtig, die Patienten ausgewogen zu informieren. „Im Hinblick auf die extreme Therapieresistenz der bisher untersuchten Patienten sind die ersten Ergebnisse eindrücklich. Die Tatsache, dass anhaltende Effekte gezeigt werden konnten, macht die THS zu einer aussichtsreichen Behandlungsmöglichkeit für schwere, therapieresistente psychische Krankheiten“, so die Forscher.

Nach einer Mitteilung der AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Frankfurt a. M.

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(10): 552

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