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Triggern Entzündungen Depressionen?

Möglicherweise können Entzündungsreaktionen die Entstehung von Depressionen triggern. Darauf weisen experimentelle Untersuchungen von Forschern der Universität Essen hin.

Derzeit leiden hierzulande rund vier Millionen Menschen an einer Depression, wobei die Krankheitsursachen bislang nur unzureichend verstanden werden. Ein Ansatzpunkt könnten Entzündungsreaktionen sein. So wird schon seit längerem vermutet, dass Immun-Botenstoffe, die sogenannten Zytokine, an der Entstehung depressiver Störungen beteiligt sein können, heißt es in einer Pressemittelung der Universität Duisburg-Essen.


Die Zytokine werden bei Entzündungen von aktivierten Immunzellen freigesetzt. Für einen Zusammenhang mit einer Depression sprechen unter anderem die Untersuchungsergebnisse von Professor Dr. Harald Engler und Professor Dr. Manfred Schedlowski vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen). In einer interdisziplinären Studie konnten die Essener Forscher erstmalig beim Menschen zeigen, dass im Verlauf einer akuten Entzündung die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) nicht nur im Blut ansteigt, sondern auch im Liquor. Der Zunahme der IL-6-Konzentration war dabei direkt assoziiert mit den von den Probanden berichteten depressiven Symptomen: Nahm die Konzentration zu, verstärkte sich die Symptomatik.


Die Wissenschaftler vermuten nun, dass IL-6 über die Blutbahn das Gehirn erreichen und dort durch die Modulation neuronaler Prozesse die Manifestation einer Depression bewirken kann. Auch wenn in weiterführenden Untersuchungen die genauen Mechanismen noch weiter identifiziert werden müssen, scheint ein Zusammenhang zwischen Entzündungen, Interleukin-6 und der Entwicklung von Depressionen doch bereits wahrscheinlich zu sein. Damit eröffnen sich möglicherweise, so die Hoffnung der beiden Forscher, Chancen auf die Entwicklung neuer effektiver Therapieoptionen bei depressiven Störungen. Eine naheliegende Strategie könnte zum Beispiel in der Hemmung der Zytokinfreisetzung bestehen, so die Hypothese.


Quelle: Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

 

Literatur: Engler H, Brendt P, Wischermann J, Wegner A, Röhling R, Schoemberg T, Meyer U, Gold R, Peters J, Benson S, Schedlowski M. Selective increase of cerebrospinal fluid IL-6 during experimental systemic inflammation in humans: association with depressive symptoms. Mol Psychiatry 2017; DOI: 10.1038/mp.2016.264.

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