• Komorbiditäten

     

„Vom Leben geschlagen“ – Validierung der deutschen Version der Defeat Scale (DS-d)

Defeat und Entrapment spielen als transdiagnostisch bedeutsame Faktoren bei der Entstehung von Depression, Angst, Traumafolgestörungen und Suizidalität eine Rolle. Ziel dieser Studie ist es, erstmals eine deutsche Version der Defeat-Scale (DS-d) zur Messung von Defeat vorzustellen und erste Validitätsbelege zu präsentieren.

Die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen unterliegt einem multifaktoriellen Bedingungsgefüge aus bio-psycho-sozialen Einflussgrößen. Von besonderem klinischem Interesse sind dabei transdiagnostische Prozesse und Faktoren, die über die Grenzen einzelner eng umrissener Störungsbilder hinaus relevanten Erklärungswert besitzen.

Im Rahmen der „Social Rank Theory“ beschreiben Gilbert und Allan 2 zentrale Konzepte, die sie zur Erklärung von depressiven Störungen heranziehen: Defeat und Entrapment. Defeat (wörtlich zu übersetzen als „Niederlage“) bezieht sich dabei auf die subjektive Wahrnehmung, einen „Kampf“ (struggle) verloren zu haben und sich machtlos zu fühlen, was mit einem Verlust an sozialem Status und dem Verfehlen persönlicher Ziele einhergeht. Gilbert geht von 3 großen Gruppen von Ereignissen aus, die das Erleben von Defeat auslösen können: 

  • das Misslingen, Zugang zu sozialen oder materiellen Ressourcen zu erlangen oder zu bewahren, 
  • soziale Herabsetzungen oder Angriffe von anderen und 
  • aus der Person selbst initiierte „Angriffe“, z. B. in Form von übermäßiger Selbstkritik, ungünstigen sozialen Vergleichsprozessen und unerreichbaren Zielsetzungen. 

Die Autoren betonen dabei, dass das subjektive Empfinden von vergeblicher Mühe, erfolglos investierter Anstrengung und geführtem Kampf für bzw. um eine persönlich wichtige soziale oder materielle Ressource oder einen sozialen Rang zentral für das Konzept ist. Das subjektiv empfundene Scheitern und die damit einhergehende Machtlosigkeit, das Empfinden einer Niederlage, von den Umständen oder „dem Leben“ geschlagen worden zu sein, unterscheiden das Konzept von etwaigen benachbarten Konzepten wie Verlust und Trauer.

Entrapment bezeichnet auf der anderen Seite das Gefühl, gefangen zu sein und keinen Ausweg aus der gegenwärtigen Lage zu sehen. Es entsteht, wenn eine klare Motivation, einer Bedrohung oder einem Stressor zu entfliehen besteht, aber aufgrund äußerer Faktoren und/oder eingeschränkter realer oder empfundener Bewältigungsfähigkeiten keine Flucht- bzw. Bewältigungsmöglichkeiten gesehen werden. Stressoren können dabei externaler Natur (z. B. Schwierigkeiten bei der Arbeit oder in der Ehe) oder internal gelagert sein (z. B. Gesundheitsprobleme, Schuldgefühle). Entrapment wird als eigenständiges Konstrukt aufgefasst, das z. B. von der verwandten Hoffnungslosigkeit dadurch abgegrenzt wird, dass diese keinen Fluchtimpuls impliziert, der hingegen integraler Bestandteil von Entrapment ist.

Defeat und Entrapment wurden von den Begründern der Konzepte ursprünglich zur Erklärung depressiven Erlebens und Verhaltens herangezogen, in den vergangenen Jahren aber auch mit einer Vielzahl weiterer psychischer Störungen in Verbindung gebracht. So berichten Siddaway und Kollegen in einer umfangreichen Metaanalyse von bedeutsamen Zusammenhängen von Defeat und Entrapment mit Depression, Angst, Posttraumatischer Belastungsstörung und Suizidalität. Diese Zusammenhänge unterstreichen, dass Defeat und Entrapment über die Depression hinaus als transdiagnostisch bedeutsame Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung verschiedener psychischer Störungen von Bedeutung sind.

Defeat und Entrapment werden zumeist im Selbstbericht mit der Entrapment Scale (ES) und der Defeat Scale (DS) gemessen. Trachsel et al. entwickelten eine deutsche Version der ES und berichteten erste Validierungsergebnisse. Eine deutsche Version der Defeat Scale existiert bisher nicht.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag: „Vom Leben geschlagen“ – Validierung der deutschen Version der Defeat Scale (DS-d)

Aus der Zeitschrift: PPmP 07/2018

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