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Versorgung von Migranten

Migrationserfahrungen, Migrationshintergrund oder kulturelle Normen sind für die meisten Psychiater, Psychotherapeuten und Psychologen keine unbekannten Begriffe mehr. Zwar sind Verständnis und Akzeptanz gestiegen für die Bedeutung soziokultureller Einflussfaktoren auf die Krankheitsdarbietung, die Krankheitsverarbeitung, für die Diagnostik, die Therapie und die Prävention, doch in der Praxis scheitert es noch immer an der Umsetzung.

So ist es bislang im klinischen Alltag oft schwierig, die migrations- bzw. kulturspezifischen Aspekte und deren Stellenwert für die Genese und den Verlauf im Einzelfall adäquat einzuschätzen.

Sprachbarrieren, Unterschiede in der Präsentation von psychischen Beschwerden, Differenzen in der Erwartung bez. Diagnostik und Therapie zwischen Patienten und Behandler können z. T. schwer überwindbare Hürden im Behandlungsalltag bilden. Ein Abbau dieser Barrieren mit der Zeit erfordert auch die Aufnahme des Themas in Aus- und Weiterbildung. In diesem Beitrag werden die Begriffe Migranten bzw. kulturelle Minderheit verwendet, wenn Menschen mit Migrationshintergrund gemeint sind.

Definition

Mensch mit Migrationshintergrund bezeichnet alle Menschen, die „… nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zuwanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil …“.

Migrationsgeschichte

Deutschland entwickelte sich erst seit Mitte der 1950er-Jahre zu einem der wichtigsten europäischen Einwanderungsländer. Es wurden zunächst „Gastarbeiter“ aus Italien, später aus Spanien, Portugal, Griechenland, dem ehemaligen Jugoslawien und aus der Türkei angeworben. Nach 1973, dem Jahr des Anwerbestopps, veränderte sich der Zuzug von Ausländern. Es folgte der Zuzug von Familienangehörigen, und seit den 1980er-Jahren kamen zudem Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber sowie deutschstämmige Bürger der Sowjetunion und später der GUS-Staaten nach Deutschland. Auch die Globalisierung und die weltweit zunehmende Mobilisierung trugen dazu bei, dass Menschen ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland verlagerten. 2001 stellte die Regierungskommission zur Zuwanderung unter Leitung von Rita Süssmuth fest, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist (Süddeutsche Zeitung vom 5.7.2001, S. 8).

Aktuelle statistische Daten

Obwohl die Nachkommen der 1. Generation von Einwanderern größtenteils in Deutschland geboren sind und selber keine Migrationserfahrung haben, werden sie auch zu Personen mit Migrationshintergrund gerechnet. Bis 2005 wurde zwischen Deutschen und Ausländern unterschieden. Erst der Mikrozensus 2005 differenzierte zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund (s. o. Definition). Demnach hatten 2005 18,6 % (15,3 Millionen) der Gesamtbevölkerung einen Migrationshintergrund, darunter waren 8,9 % (7,4 Millionen) Ausländer. Der Mikrozensus 2013 zeigte, dass sich der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund auf nun mehr als 20,5 % (16,5 Millionen) der Gesamtbevölkerung erhöht hat. Personen mit Migrationshintergrund sind im Durchschnitt deutlich jünger als die ohne Migrationshintergrund (35,2 vs. 46,7 Jahre). Bei den unter 5-Jährigen haben demnach inzwischen 34,5 % (1 172 000 Personen) einen Migrationshintergrund.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Versorgung von Migranten

Aus der Zeitschrift PPmP 12/2015

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