• Videoüberwachung in der Psychiatrie

    Patienten in geschlossenen Abteilungen mit Videokameras zu überwachen, ist eine weitverbreitete Praxis in psychiatrischen Kliniken.

     

Videoüberwachung in der Psychiatrie – Pro & Kontra

2009 genehmigte das Sozialministerium Nordrhein-Westfalen per Erlass die Videoüberwachung auf psychiatrischen Stationen, insbesondere bei Patienten, die sich selbst- oder fremdgefährdend verhalten. Begründet wurde dies u. a. mit erhöhter Sicherheit im Krankenhaus und einer Entlastung des Personals. Eine massive politische, rechtliche, ethische und fachlich-sozialpsychiatrische Kritik an diesem Erlass führte zunächst zu dessen Modifikation und nach heftigen Protesten, auch von Angehörigen- und Betroffenenverbänden, im November 2011 zu einem gesetzlichen Verbot der Videoüberwachung in psychiatrischen Kliniken. Argumentativ wurde angeführt, dass Zwangsmaßnahmen ein kuratives Ziel verfolgen und auf kurze Zeitfenster begrenzt sind, sodass der personelle Aufwand einer kontinuierlichen Überwachung als leistbar erscheint und die Psychopathologie häufig von paranoiden Symptomen geprägt ist, die über Kameraüberwachung gefördert werde.

Psychiatrieerfahrene sehen teilweise in Zwangsmaßnahmen folterähnliche Zustände, lehnen eine Videoüberwachung generell ab und sehen sie als Ausdruck einer gleichgültigen Haltung der Mitarbeitenden sowie deren Desinteresse, sich mit psychiatrisierten Menschen zu beschäftigen. Personalknappheit wird für eine vorgeschobene Lüge gehalten. Die gesetzliche Regelung in NRW hat bundesweit die Debatte zur Videoüberwachung in der Psychiatrie intensiviert und lässt Forderungen nach einem generellen Verbot laut werden. Auch wenn in der Diskussion gelegentlich aus Expertensicht die Videoüberwachung in der Psychiatrie generell als kontraproduktiv bezeichnet wird, sprechen gewichtige Gründe gegen ein völliges Verbot.

U. Frank, ZfP Südwürttemberg

 

Aus der Zeitschrift Psychiatrische Praxis 2013;40: 109-166

 

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