• Wahres Glück kommt von innen

    Positive Gefühle sind ein wichtiges Medikament. Sind die Patienten glücklich, ist der Arzt glücklich. Und umgekehrt. Denn Glück steckt an.

     

Wahres Glück kommt von innen?

Heute erleben Patienten die Medizin mitunter als Reparaturbetrieb, dem sie selbst weitgehend hilflos ausgeliefert sind – sobald die eigene Regulation versagt, man also krank ist. „Ich kann ja nichts machen“ oder „ich weiß ja nichts, ich bin ja kein Arzt“, ist zu hören. Gesundheit und Glück werden, wie in Zeiten der „göttlichen Fügung“, externalisiert und mit Angst in Verbindung gebracht (vgl. Begriffe wie Weißkittelhochdruck, Check-up oder Hafenrundfahrt – letzteren gebrauchen zuweilen Männer für die digitale Rektaluntersuchung.) Für das individuelle Glück sind die Anderen zuständig: der Arzt, aber auch der Lebenspartner, der Chef oder natürlich Politik und Gesellschaft. Keinesfalls aber ist man selbst zuständig. Gerade aus Sicht der hochqualifizierten Ärzte, die – von der Wissenschaft und den Patienten mit einer gewissen Allmacht ausgestattet – nicht mehr glauben, sondern wissen, gibt es wenig Grund, diese Verhältnisse zu bezweifeln oder gar zu ändern. Denn wenn sie den Patienten glücklich (und gesund) machen können, dann mehrt das ihr eigenes Glück. Würde man denken. Heißt es doch so schön: „das Glück in die eigene Hand nehmen“.

 

Wir begegnen hier erstmals einem wichtigen Paradoxon im Kontext von ärztlich-therapeutischem Glück und Unglück. So sehr selbst erzeugtes Glück möglicherweise schwerer wiegt als das von außen geschenkte, so komplex ist das bedeutsame Gefühl Ich hab´s gemacht. Denn dahinter steht auch die Frage: Auf wessen Kosten, zu welchem Preis bin ich glücklich? Wir erleben ein besonderes Glücksgefühl, wenn wir eine Herausforderung erfolgreich bewältigt, also etwas geleistet haben. Auf den Arzt bezogen könnte das heißen, dass er einem Patienten geholfen, ihn vielleicht sogar geheilt hat. Das ist gut, und so fühlt es sich auch an. Für den Arzt allemal. Der Patient wird froh über diese Hilfe sein, doch möglicherweise geht er mit dem Gefühl nach Hause, dass nicht er selbst, sondern der Arzt es gemacht habe: sein Glück hänge gewissermaßen vom Arzt, von der Medizin ab. An diesem Gefühl ist nichts Schlechtes. Es sichert den Ärzten zusätzlich auch noch einen oberen Platz auf den Ansehensskalen, der Medizin die nötige Wertschätzung (auch materiell, z.B. Drittmittel) und den Ärzten und Therapeuten, ganz nebenbei, einen hilfreichen Plazeboeffekt.

 

Niemand wird etwas gegen einen glücklichen Arzt oder Psychologen haben. Problematisch wird es allenfalls, wenn Heilung nicht gelingt oder übersteigerte Erwartungen nicht befriedigt werden können. Und wenn die sich zwangsläufig einstellende Abhängigkeit als erdrückend erlebt wird. Noch etwas: In Zeiten mündiger, zuweilen gut informierter Patienten ist der Arzt, dessen Glück allein vom abhängigen Patienten oder der medizinischen Omnipotenz genährt wird, ständig bedroht: vom erfolgreichen Kollegen, von evidenzbasierter Abwertung der eigenen Praktiken, von sich selbst therapierenden oder einfach kritischen Patienten, die sich emanzipieren.

 

Selbst gemacht macht glücklicher – vor diesem Hintergrund kann das geschilderte Glücksparadoxon in der Behandlungssituation im Grunde genommen nur auf folgende Weise sinnvoll aufgelöst werden: „Ich bin glücklich als Therapeut, weil ich es geschafft habe, dass der Patient es selber macht“. Manches konnte ich machen (und musste es selbst tun), manches der Patient, am Ende haben wir es gemeinsam geschafft. Und schließlich: Mir geht es gut, weil es Dir gut geht!

Alle Grundlagen und Inhalte zur Neurobiologie des Glücks stammen aus:

Interview mit Prof. Dr. Esch Prof Dr. Tobias Esch im Interview mit dem Ministerium für Glück und Wohlbefinden

Hören Sie, was Prof Dr. Tobias Esch im Interview mit dem Ministerium für Glück und Wohlbefinden über seinen interessanten Beruf der Integrativen Gesundheitsförderung und das glückliche Leben zu erzählen hat.