• Wirksamkeit von Antidepressiva vorhersagen - Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik - Thieme Verlag

     

Wirksamkeit von Antidepressiva vorhersagen

Mit Hilfe von Biosignaturen lässt sich offenbar vorhersagen, ob ein Patient auf ein bestimmtes Antidepressivum ansprechen wird. Das belegen Studien zu Paroxetin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Etwa ein Drittel aller Patienten, die an einer Depression leiden, spricht nicht auf das erste Antidepressivum, das ihnen verordnet wird, an. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirksamkeit der Antidepressiva meist erst nach vier bis sechs Wochen kontinuierlicher Einnahme herausstellt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass sich depressive Patienten einigen Behandlungszyklen mit unterschiedlichen Antidepressiva unterziehen müssen, bevor ein passendes Medikament in der geeigneten Dosierung gefunden ist. Abgesehen von den damit verbundenen Kosten führt dies zu langwierigem Leiden sowie zu einem erhöhten Suizidrisiko.

Durch Biosignaturen, mit deren Hilfe sich der Behandlungserfolg vorhersagen lässt, kann sich dies möglicherweise ändern. Dabei werden objektive biologische Parameter zur Abschätzung der Reaktion auf das Medikament genutzt, ein Verfahren, das in anderen Fachbereichen zum Teil schon üblich ist, in der Psychiatrie aber jetzt erst Einzug hält. Die Biosignaturen können von erheblichem Nutzen für die behandelnden Psychiater sein, da sie mit ihrer Hilfe voraussagen könnten, ob ein Patient zu Beginn oder in einer frühen Behandlungsphase positiv auf ein Antidepressivum reagieren wird, berichten Wissenschaftler unter der Leitung von Chris Turck vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI). Sie haben in Zusammenarbeit mit Marianne Müller von der Universität Mainz bei Mäusen molekulare Signalwege beschreiben können, die für das Ansprechen oder Nichtansprechen auf das Antidepressivum Paroxetin charakteristisch sind.
In der aktuellen Studie haben die Wissenschaftler anschließend ein Profil von Proteinen und Metaboliten im Hippocampus erstellt und dabei herausgefunden, dass zwischen Glutamat- und Ubiquitin-Proteasom-Signalwegen und der Reaktion auf Antidepressiva ein direkter Zusammenhang besteht. Glutamat ist dabei als wichtigster Neurotransmitter bekannt und spielt eine zentrale Rolle bei verschiedenen Hirnfunktionen. Ubiquitin dient der Qualitätssicherung und ist unverzichtbar bei der Entfernung beschädigter Proteine.

In einem nächsten Schritt untersuchten die Forscher, ob sich mit Hilfe dieser Signalwege eruieren lässt, welche Patienten auf eine Behandlung ansprechen werden und welche nicht. Sie nahmen Blutproben von Patienten, die an einer Depression leiden und entdeckten, dass die Biosignaturprofile eine Klassifizierung des klinischen Ansprechens auf Antidepressiva ermöglichten. Insbesondere waren sie in der Lage, Patienten, die auf ein Antidepressivum positiv reagieren, schon vor Behandlungsbeginn von jenen zu unterscheiden, bei denen dies nicht der Fall ist. „Biosignaturen zur Vorhersage des Behandlungserfolges unter Antidepressiva werden die langwierigen Leidenswege von Patienten verkürzen, da sich so im Vorhinein abklären lässt, welche Substanz die vielversprechendste ist. Dies ist ein wichtiger Schritt der personalisierten Medizin im Bereich Psychiatrie“, so die Schlussfolgerung von Dongik Park vom MPI.
Laut Chris Turck werden Biosignaturen außerdem „zur Entwicklung von Medikamenten beitragen, indem sie neue Ansatzpunkte liefern“. Darüber hinaus werden sie helfen, innovative Antidepressiva für jene Patienten zu finden, die an einer bisher behandlungsresistenten Depression leiden.

Weitere Informationen:
http://www.psych.mpg.de/2281405/pm1589-vorhersage-antidepressiva-wirkung

Quelle: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, April 2017

Newsletter-Service

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit dem Newsletter Psychiatrie/ Psychotherapie sind Sie immer up to date und einen Schritt voraus.

Psychotherapie der Depression
Birgit Hofmann, Henning Schauenburg, Manfred E. Beutel, Thomas Bronisch, Gerhard DammannPsychotherapie der Depression

Krankheitsmodelle und Therapiepraxis

EUR [D] 39,95Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Psychotherapie im Dialog - Depression
Volker Köllner, Henning SchauenburgPsychotherapie im Dialog - Depression

EUR [D] 37,00Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Das Drogentaschenbuch
Norbert ScherbaumDas Drogentaschenbuch

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Innovation und Wandel der antidepressiven Therapie in Deutschland
Walter E. Müller, Max Schmauß, Hans-Jürgen Möller, Borwin Bandelow, Michael BauerInnovation und Wandel der antidepressiven Therapie in Deutschland

EUR [D] 29,95Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.