• Zwang

     

Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter

Zwangsstörungen sind auch schon im Kindes- und Jugendalter häufig auftretende und sehr beeinträchtigende Erkrankungen. Erwachsene mit Zwangsstörungen leiden häufig bereits seit ihrer Kindheit an Zwängen. Die Erkrankung wird oftmals lange verheimlicht oder bei Kindern nicht richtig erkannt.

Ein anderes Dilemma ist, dass sich immer noch nur relativ wenige Therapeuten auf eine – speziell zu Beginn – sehr aufwendige Therapie mit Expositionen und Reaktionsverhinderung einlassen. Sei es, da sie sich eine solche Behandlung nicht zutrauen oder immer noch Skrupel vor Expositionen haben. Auch ökonomisch lohnen sich diese zu Beginn der Expositionen oft langen Sitzungen eventuell nicht oder sind, wenn sie zu Hause stattfinden sollten, schwer zu organisieren. Viele verschiedene Gründe führen dazu, dass eine Vielzahl von Patienten keine evidenzbasierte Behandlung erhält. Der Beitrag soll das Erkennen und Verstehen von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter verbessern und die Hemmschwelle erniedrigen, diese Patienten zu behandeln.

Zwangsstörungen sind komplexe Störungsbilder mit vielfältigen Erscheinungsformen. Die wichtigsten Symptomkomplexe sind:

  • Zwangshandlungen und
  • Zwangsgedanken.

Bei Zwangsgedanken handelt es sich um Vorstellungen oder Ideen, die sich wiederholt und gegen den Willen des Betroffenen aufdrängen, als unsinnig erlebt werden und schweres Unbehagen auslösen. Die als unangenehm empfundenen Zwangsgedanken sind meist mit dem Drang verbunden, sie zu beenden oder ungeschehen zu machen – sie sozusagen zu neutralisieren.

Inhaltlich beziehen sich Zwangsgedanken häufig auf Angst vor Kontaminationen und drohenden Gefahren (Schmutz, Krankheitserreger), aber auch auf Aggression, Symmetrie und Genauigkeit.

Während junge Kinder vermehrt Zwänge beim Anziehen oder Toilettengang zeigen, werden im Jugendalter religiöse oder sexuelle Themen sowie das Bedürfnis nach Autonomie bedeutsamer. Gedanken, man könnte mit jedem Toilettengang eine Schwangerschaft verursachen oder man könnte die eigenen Eltern töten wollen, belasten die Betroffenen extrem und können starke Schamgefühle auslösen. Mischformen und Kombinationen verschiedener Zwangsinhalte kommen sehr häufig vor. Ebenfalls ist die Persistenz der Zwangsinhalte im Kindes- und Jugendalter geringer als im Erwachsenenalter (Wechsel z. B. von Symmetrie- zu Kontrollzwängen). Die Symptome können auch episodisch auftreten.

 

Unter Zwangshandlungen versteht man Verhaltensweisen, die einer bestimmten Regelhaftigkeit folgen, um Angst, eine drohende Gefahr oder ein Unbehagen zu reduzieren oder zu vermeiden. Die Einsicht in die Unsinnigkeit dieser Verhaltensweisen kann bei den Betroffenen graduell sehr verschieden sein. Bei Kindern können sowohl die Einsicht der Unsinnigkeit als auch der Widerstand gegen die Symptomatik gänzlich fehlen. Die häufigsten Zwangshandlungen im Kinder- und Jugendalter sind Reinigungszwänge – wie Wasch- und Putzzwänge – oder auch zwanghaftes Kontrollieren. Es lassen sich aber auch sehr bizarr anmutende Zwangshandlungen beobachten, z. B. Luft verwirbeln, um eigene Schuppen der Haare aufzufangen oder bestimmte Formen in der Wohnung „100-mal“ entlanglaufen, um Schlimmes zu verhindern. Diese Formen der Zwangshandlungen müssen teilweise von psychotischen Störungen abgegrenzt werden.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter

Aus der Zeitschrift PSYCH up2date 05/2017

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