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Komplikationsmanagement bei vaskulären Interventionen

Interventionelle Prozeduren verlaufen in der Mehrheit der Fälle komplikationslos und zeichnen sich durch sehr hohe technische und klinische Erfolgsraten aus. Dennoch treten bei einem geringen Prozentsatz der Eingriffe Komplikationen auf, und jeder Arzt wird irgendwann im Rahmen seiner Tätigkeit mit teilweise schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen konfrontiert.

Auch wenn der Schweregrad von Komplikationen mit der Komplexität der Prozeduren steigen kann, sind Zwischenfälle nicht selten unabhängig vom Ausbildungsstand des Interventionalisten. Auch der erfahrene Gefäßmediziner muss mit dem Auftreten von Komplikationen rechnen und Strategien zu deren Management parat haben, um Schaden vom Patienten abzuwenden. Thomas Edison hat einmal gesagt: „Erfahrung ist lediglich die Summe all unserer Fehler.“ Mit Einschränkungen trifft dies auch auf medizinische Eingriffe zu. Nur sind es in der Medizin idealerweise nicht die eigenen Fehler, die zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität beitragen.

Die lebendigen und emotional geführten Diskussionen bei sog. M&M-Konferenzen (Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen) zeigen, dass es in vielen Fällen nur der guten Idee eines Kollegen bedurft hätte, um ein akutes Problem zu lösen. Für die erfolgreiche Behandlung einer Komplikation kann es entscheidend sein, ob man von einem ähnlichen Problem bereits gehört hat. Durch die Präsentation von Fallbeispielen aus der klinischen Praxis wird die Möglichkeit geschaffen, direkt von der Erfahrung von Kollegen zu profitieren und diese für die Behandlung der eigenen Patienten zu nutzen.

Die in dem vorliegenden Beitrag vorgestellten Fallbeispiele stellen eine kleine Auswahl möglicher, etwas häufiger zu beobachtender Komplikationen bei vaskulären Interventionen dar und sollen Optionen zum Management der unerwünschten Ereignisse aufzeigen.

 

Fallbeispiele

Fall 1: Interaktion zwischen einem hydrophil beschichteten Draht und einer Seldinger-Punktionsnadel


1. Anamnese

Ein 60 Jahre alter Patient wurde aufgrund einer wiederaufgetretenen pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) für eine diagnostische Angiografie vorgesehen. Während der retrograden Punktion gab es Probleme bei der Einlage eines atraumatischen 0,035-Inch-Schleusendrahts über die Seldinger-Punktionsnadel. Daraufhin wurde ein hydrophil beschichteter 0,035-Inch-Draht verwendet. Dieser wurde in die A. iliaca externa eingebracht. Der Draht wurde gegen einen Widerstand durch die Nadel zurückgezogen. Dabei kam es zu einem partiellen Abschälen der hydrophilen Beschichtung, und Teile dieser hydrophilen Beschichtung verblieben in der A. femoralis communis.


2. Initiale Behandlung

Gescheiterter retrograder Leistenzugang.


3. Aufgetretenes Problem während der Behandlung

Die retrograde Platzierung eines atraumatischen Schleusendrahts scheiterte. Daraufhin wurden Versuche unternommen, einen hydrophil beschichteten Führungsdraht zur sicheren Schleusenplatzierung an Ort und Stelle zu bringen. Aus unerklärlichen Gründen wurde dieser Draht partiell über die Seldinger-Nadel zurückgezogen. Dabei kam es zum Abschälen von hydrophiler Beschichtung und zum Verbleib dieser Beschichtung im Gefäß.


4. Plan für die Bildgebung

Angiografie über die kontralaterale Leiste.


5. Komplikation

Fremdkörper in der A. femoralis communis.


6. Mögliche Strategien zur Komplikationsbehandlung

  • Endovaskuläre Behandlung über einen kontralateralen Leistenzugang
  • Platzierung einer Schleuse zum Einfangen des Fremdkörpers
  • chirurgische Leistenfreilegung, wenn der endovaskuläre Versuch scheitert



7. Durchgeführte Behandlung der Komplikation

Kontralaterale Leistenpunktion und Einlage einer 45 cm messenden 6-F-Schleuse, die in Cross-over-Technik platziert wurde. Mittels Schlinge konnte schließlich der Fremdkörper extrahiert werden.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Komplikationsmanagement bei vaskulären Interventionen

Aus der Zeitschrift Gefäßmedizin Scan 04/2016

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Gefäßmedizin Scan
Rubert Bauersachs, Eike Sebastian Debus, Ralph-Ingo Rückert, Michael UderGefäßmedizin Scan

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