• Hepatozelluläres Karzinom

     

Lokal ablative Therapie bei Lebertumoren

In den letzten Jahren stehen bei Patienten mit Lebertumoren interdisziplinäre Therapieansätze mit Betonung minimalinvasiver Verfahren zur Reduktion der Tumorlast zunehmend im Fokus. Lokal ablative Verfahren zur Behandlung des HCC und von Lebermetastasen kolorektaler Tumoren sind bereits in Behandlungsempfehlungen und Leitlinien integriert. Der folgende Beitrag stellt die häufigsten Verfahren vor.

Thermische Ablationsverfahren:

 

Radiofrequenzablation (RFA)

Die Radiofrequenzablation beruht auf der Emission eines sinusförmigen hochfrequenten Wechselstroms (350 – 480 kHz), der lokal Reibungswärme und konsekutiv eine Gewebsnekrose erzeugt. Der Wechselstrom wird über eine als Nadel oder expandierbarer Schirm/Hakenelektrode konfigurierte RFA-Elektrode appliziert, die man zentral im Tumor platziert. Grundsätzlich unterscheidet man 2 Techniken:

Bei der monopolaren Ablationstechnik kreist ein Wechselstrom zwischen der Ablationsnadel und einer bzw. mehreren auf der Haut fixierten Negativ- bzw. Neutralelektroden.

Bei der bipolaren Technik ist die negative Elektrode in der Ablationsnadel integriert. Der Strom fließt also innerhalb der Nadel oder bei mehreren Nadeln zwischen den einzelnen Nadeln hin und her.

Während der Therapiephase sollte im gesamten Zielvolumen eine Temperatur zwischen 50 und 100 °C für mindestens 4 – 6 Minuten erreicht werden, da bei Temperaturen ab 60 °C Proteine irreversibel denaturiert werden und eine Koagulationsnekrose entsteht. Bei niedrigeren Temperaturen ist die letale Schädigung der Zellen verlangsamt und ggf. insuffizient, während Temperaturen über 105 °C zur Gasbildung (Vaporisation) und einer Verkohlung (Karbonisation) des Gewebes führen, die eine effiziente Ausbreitung der Temperatur durch einen deutlichen Anstieg des elektrischen Widerstandes im Gewebe verhindern. Grundsätzlich ist außerdem bei allen thermischen Ablationsverfahren der sog. Heat-Sink-Effekt zu berücksichtigen: Arterielle und portalvenöse Gefäße ab einem Durchmesser von 3 mm in unmittelbarer Nachbarschaft der Zielläsion können Wärme abtransportieren (Konvektion). Dadurch verkleinert sich der Durchmesser der Koagulationsnekrose in diesem Bereich und das Risiko eines Rezidivs steigt. Neben der Thermokonvektion führen auch lokale Fibrosen und Verkalkungen des Leberparenchyms zu einem verkleinerten und asymmetrischen Ablationsvolumen.

 

Mikrowellenablation (MWA)

Auch bei der lokalen Therapie mittels Mikrowellentechnik wird das Gewebe durch lokale Reibungswärme abladiert. Die Wärme entsteht aber nicht durch einen Stromfluss, sondern durch das elektromagnetische Spektrum zwischen der Infrarotstrahlung und den Radiowellen mit Frequenzen zwischen 900 und 2450 MHz.

Vergleichbar zur RFA platziert man eine als Nadel konfigurierte Antenne im Tumor, die über eine aktive Zone an der Spitze Energie in das umgebende Gewebe abgibt. Beim Einsatz hoher Energien (50 – 180 Watt) muss der Antennenschaft gekühlt werden, niedrig energetische Systeme (32 Watt) bedürfen keiner Kühlung, allerdings verdoppelt sich dann die Ablationszeit. Gerade die relativ kurze Therapiezeit hochenergetischer Systeme wird jedoch – neben einem geringer ausgeprägten Heat-Sink-Effekt und einem gleichmäßigeren und besser vorhersagbaren Ablationsvolumen – als Vorteil gegenüber der Thermoablation mittels RFA angesehen. Das Ablationsareal der MWA entspricht ca. einem Radius von 2 cm um die Therapienadel. Größere Ablationsvolumina können durch den Einsatz mehrerer MWA-Antennen erzielt werden. Die Voraussetzung für eine effiziente Ablation mit mehreren MWA-Antennen ist die streng parallele Antennenplatzierung, die jedoch abhängig von der Lage und der Konfiguration der Zielläsion nicht immer gelingt. Zusätzlich hängt die Effizienz der MWA vom Gewebetyp ab: Das Verfahren zeigt gute Erfolge bei Geweben mit hohem Wassergehalt und unbefriedigende Ergebnisse bei wasserarmem Fettgewebe.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Lokal ablative Therapie bei Lebertumoren

Aus der Zeitschrift Radiologie up2date 02/2017

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