• Lungenarterienembolie

     

Lungenarterienembolie

Die Lungenarterienembolie (LE) ist ein akutes, potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild. Hierbei kommt es zu einem teilweisen oder völligen Verschluss eines oder mehrerer Segmente der Pulmonalarterien, meist durch fortgeleitete Thromben aus den tiefen Beinvenen oder Beckenvenen, also als Folge einer tiefen Venenthrombose (TVT). Die Erkrankungen LE und TVT fallen unter den Überbegriff der sog. venösen Thromboembolie (VTE).

Risikofaktoren

Eine LE wird durch eine ganze Reihe verschiedener Risikofaktoren begünstigt, die deckungsgleich sind mit denen einer VTE im Allgemeinen. Diese Faktoren kann man unterteilen in die – meist permanenten – patientenbezogenen Risikofaktoren und die – meist temporären – situationsbezogenen Risikofaktoren. Zu den situationsbezogenen Faktoren zählen stattgehabte Operationen, Traumata, Immobilisation, Schwangerschaft, Einnahme oraler Kontrazeptiva oder eine Hormontherapie in einem Zeitfenster zwischen 6 Wochen und 3 Monaten vor dem Ereignis. Das höchste Risiko bei Schwangeren besteht im 3. Trimester, wobei eine durchgeführte In-vitro-Fertilisation das Risiko der Schwangeren noch zusätzlich steigert. Innerhalb der ersten 6 Wochen nach Entbindung ist das Risiko einer LE ebenfalls erhöht. Auch onkologische Erkrankungen sind anerkannte Risikofaktoren einer LE, wobei nicht alle Malignome als gleichermaßen prädisponierend gelten: Das höchste Risiko haben hämatoonkologische Patienten, Patienten mit Bronchialkarzinomen, gastrointestinalen Tumoren, Pankreastumoren und Hirntumoren.

Situationsbezogene Risikofaktoren sind u. a. stattgehabte Operationen, Traumata, Immobilisation, Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva, Hormontherapien oder Tumoren. 

Epidemiologie

Epidemiologische Daten zur Inzidenz von Lungenembolien sind mit der Einschränkung zu sehen, dass viele akute Lungenarterienembolien asymptomatisch verlaufen und somit unerkannt bleiben. Die meisten Daten basieren auf der Häufigkeit der Diagnose der VTE im Allgemeinen und die jährliche Inzidenz dieses Krankheitsbildes wird mit 100 – 200 pro 100 000 Einwohnern beziffert. Somit ist es die dritthäufigste kardiovaskuläre Erkrankung. Die Rate an Patienten, die an einer akuten Lungenembolie oder an den Folgen einer VTE versterben, ist noch schwieriger zu beziffern, und die in der Literatur publizierten Zahlen sind wahrscheinlich viel zu niedrig. Auf Basis epidemiologischer Berechnungsmodelle mit Zahlen der Todesursachenregister aus 6 Ländern der Europäischen Union ist davon auszugehen, dass allein bei rund 60 % der Patienten, die an den Folgen einer VTE starben (Patienten, die an einer akuten LE verstarben ausgenommen), die Diagnose einer LE vor dem Tod nie gestellt worden war.

Klinik

Weil die klinischen Symptome unspezifisch sind oder vollständig fehlen, bleibt eine LE häufig unerkannt. Das Mortalitätsrisiko eines Patienten hängt glücklicherweise jedoch mit der klinischen Präsentation zusammen: Man unterscheidet Patienten mit einer „High-Risk“-LE (Schock oder Hypotonie) von denen mit einer „Non-High-Risk“-LE (kein Schock oder Hypotonie). Beide Patientengruppen können noch eine Vielzahl anderer Symptome aufweisen, am häufigsten Dyspnoe, Tachykardie, Schwindel, Thoraxschmerz oder Zustand nach Synkope. Außerdem kommen Hämoptysen oder Zyanosen vor oder aber auch lediglich Husten oder Fieber. In der Blutgasanalyse findet sich – stark abhängig von Begleiterkrankungen – zuweilen auch eine Hypoxämie oder eine Hypokapnie. EKG-Veränderungen wie die S1/Q3-Konfiguration, ein P-pulmonale oder ein Rechtslagetyp können einen indirekten Hinweis auf eine LE mit Rechtsherzbelastung geben.

Outcome

Mortalität. Eine korrekte Einschätzung des klinischen Schweregrades der vermuteten LE und ein nachfolgender korrekter schneller Diagnose- und Therapiealgorithmus sind im Hinblick auf die 30-Tage-Mortalität prognostisch entscheidend. Bei sehr hoher klinischer Wahrscheinlichkeit sollte die spezifische Therapie schon eingeleitet werden, bevor die definitive Diagnose gestellt wurde.

CTEPH. Patienten, die einmal eine LE hatten, neigen zu Rezidiv-Embolien. Bei diesen Patienten besteht die Gefahr, dass sich eine pulmonale Hypertonie entwickelt (chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie = CTEPH). Zwei Jahre nach Diagnose einer LE wird die Inzidenz hierfür in der Literatur mit ca. 4 % beziffert.

Rechtsherzbelastung. Eine Rechtsherzbelastung, die bei Patienten im Rahmen der LE auftrat, kann sich verschlechtern und geht dann mit einem erhöhten Risiko kardialer Ereignisse einher.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Lungenarterienembolie

Aus der Zeitschrift Radiologie up2date 3/2016

Call to Action Icon
Radiologie up2date Jetzt abonnieren!

Newsletter Radiologie

  • Newsletter

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Radiologie up2date
Radiologie up2date

EUR [D] 135,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Thoraxdiagnostik
Dag Wormanns, Jürgen Biederer, Beate RehbockThoraxdiagnostik

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Notfallradiologie
Martin Heller, Eva-Maria Sattler, Jan Borggrefe, Michael Fabel, Christine GirloffNotfallradiologie

... den Nachtdienst überleben ...

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.