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Peritoneale und retroperitoneale Anatomie für Radiologen

In der radiologischen Weiterbildung steht oft die rein organbezogene Betrachtungsweise von Erkrankungen im Mittelpunkt. Ein tieferes anatomisches Verständnis von Organumgebung, Organräumen und anatomischen Kompartimenten trägt dazu bei, Erkrankungen und typische Ausbreitungsmuster zu erkennen und zu verstehen. Ein gutes pathoanatomisches Verständnis erlaubt es überdies, bessere (differenzial-)diagnostische Rückschlüsse auf noch okkulte pathologische Veränderungen zu ziehen. Dieser Beitrag stützt sich auf internationale Literatur und soll das Rüstzeug für ein tieferes radiologisch-anatomisches Verständnis des Intra- und Retroperitonealraums liefern. Beispiele aus dem Alltag helfen bei der praktischen Anwendung.

Peritoneum – Grundsätzliches am Anfang

Definition

Das Peritoneum (altgriechisch „das zum Darüberspannen Dienende“) kleidet als sog. Peritoneum parietale (= wandständig) die Bauchwand unterhalb des Zwerchfells bis zum Eingang des kleinen Beckens von innen aus und umschließt als Peritoneum viscerale (= Eingeweide) die meisten Bauchorgane. Der Raum zwischen diesen 2 Schichten heißt Peritonealhöhle. Diese setzt sich aus einer großen Höhle („greater sac“) und einer kleinen Höhle („lesser sac“ = Bursa omentalis) zusammen. Als anatomische Einheit gewährleistet die Peritonealhöhle mit ihren beiden Blättern eine relativ reibungslose Verschieblichkeit der Organe. Die Gesamtfläche des Bauchfells beim Erwachsenen liegt zwischen 1,6 und 2,0 m2.

Histologie

Feingeweblich besteht das Peritoneum aus 3 Schichten, dem Mesothel, der Lamina propria und der Tela subserosa:

  • Die oberste, der Bauchhöhle zugewandte Schicht weist ein sekretorisches und resorptives einschichtiges flaches Mesothel auf. Ein Saum an Mikrovilli dient hierbei der weiteren Oberflächenvergrößerung.
  • Die dünne Bindegewebsschicht unterhalb des Mesothels, die Lamina propria, enthält als strukturelle Besonderheit sog. Maculae lacteae bzw. „Milchflecken“. Diese lymphatischen Zellaggregate aus Makrophagen, B- und T-Lymphozyten sowie vereinzelten Mast- und Plasmazellen treten vermehrt im Bereich des Omentum majus, d. h. großen Netzes, auf und unterstreichen die Bedeutung des Peritoneums als eines wichtigen immunologischen Organs.
  • Die Tela subserosa stellt als dritte Schicht eine zusätzliche bindegewebige Verschiebeschicht dar und enthält Fettzellen, Blut- und Lymphgefäße sowie zahlreiche Nozizeptoren.

Innervation

Das Peritoneum parietale wird unterhalb des Zwerchfells vom N. phrenicus somatosensibel innerviert (C3–C5) und darüber hinaus u. a. über Verbindungen zu Interkostalnerven von sensiblen Fasern der segmentalen Spinalnerven (Nn. spinales). Das Peritoneum viscerale wird hingegen von viszeroafferenten Fasern versorgt, die gemeinsam mit sympathischen Nervenfasern laufen. Damit ist das Peritoneum viscerale – mit Ausnahme von Leber und Gallenblase – nicht somatosensibel innerviert.

Physiologie

Physiologisch hat das Peritoneum vor allem mechanische und immunologische Bedeutung.

Mechanische Bedeutung

Das Peritoneum sezerniert und resorbiert Peritonealflüssigkeit. Etwa 50 – 70 ml dieses viskösen Sekrets helfen, die Reibung an den Organoberflächen herabzusetzen und die Bewegungen der intraperitonealen Bauchorgane, insbesondere auch bei unterschiedlichen Füllungszuständen der Hohlorgane, gegeneinander zu erleichtern.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Peritoneale und retroperitoneale Anatomie für Radiologen
aus der Zeitschrift Radiologie up2date 02/2020

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