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Röntgenaufnahme der Lunge auf Intensivstation

Laut Gesundheitsberichtserstattung des Bundes (GBI) gab es 2015 deutschlandweit 27 489 Betten zur intensivmedizinischen Versorgung. Etwa 90 % aller radiologischen Untersuchungen in der Intensivmedizin stellen Röntgenaufnahmen des Thorax, Abdomens und Skelettsystems dar. Dieser Artikel soll einen Überblick über die MTRA-Tätigkeiten auf den Intensivstationen schaffen und Lösungsansätze bei immer wiederkehrenden Problemen aufzeigen.

Merke: Bei über 2 Mio. Behandlungsfällen auf Intensivstationen in Deutschland war beinahe jeder 5. Patient beatmungspflichtig (2015).

Herausforderungen der „Bedside Radiology“

Das Anfertigen von Röntgenaufnahmen im Bett außerhalb der Räumlichkeiten der Radiologie wird im angloamerikanischen Sprachraum häufig als „Bedside Radiology“ ­bezeichnet. Hierbei müssen wir uns zahlreichen Problemen, die das Anfertigen und die Diagnostik einer Intensivlunge erheblich einschränken, stellen:

  • Die Mehrzahl der Patienten ist nicht kooperationsfähig.
  • Es bestehen eingeschränkte Aufnahmebedingungen, z. B.:
    • Thoraxorgane in liegender oder sitzender Position
    • Seitaufnahmen
    • erschwerter Zugang zum Patienten
  • Eine Überlagerung von Strukturen durch potenziell vorhandenes Fremdmaterial ist mögich. z. B.:
    • Verbandmaterial
    • Metallimplantate
    • Katheter
    • Sonden
    • Elektroden
  • Nur eine begrenzte gerätetechnische Ausstattung ist vorhanden, z. B.:
    • fahrbares Röntgengerät ohne Belichtungsautomatik
    • mangelnde Bewegungsfreiheit auf Intensivstation

Bei den schwerstkranken Patienten der Intensivstation treffen zahlreiche ungünstige Bedingungen zusammen, daher muss jeder Intensivmediziner zwischen dem Transportrisiko eines instabilen Intensivpatienten und dem vergleichsweise limitierten Nutzen, der sich aus einer Röntgenaufnahme der Lunge mittels „Bedside-Methode“ ergibt, abwägen.


Indikation

Studien zeigen, dass bis zu 65 % der täglichen Röntgenaufnahmen auf der Intensivstation signifikante oder unerwartete Befunde ergeben. Diese können unter Umständen zu einer Änderung in der Therapie führen. Die projektionsradiografischen Übersichtsaufnahmen sind daher ­unverändert die Basisuntersuchungstechnik bei allen Fragen im Bereich Herz, Lunge und Pleura – insbesondere im Verlauf. Es lassen sich daher folgende allgemeine Anforderungen für die Thoraxröntgenuntersuchung auf Intensivstation formulieren:

  • als Routineuntersuchung (z. B. täglich) zur Statuserhebung bzw. Statuskontrolle
  • bei Materialwechsel (zentraler Venenkatheter, Tubus etc.)
  • bei akuter klinischer Verschlechterung


Die mobilen Röntgengeräte sind dank ihrer kompakten Bauweise entweder direkt auf den Stationen verortet oder können fast mühelos an ihren Einsatzort verbracht werden. Allerdings sind ihr indikationsgerechter Einsatz und eine gezielte Fragestellung die Grundvoraussetzung für das Anfertigen einer Röntgenaufnahme auf der Intensiv- bzw. Pflegestation. Zudem wird in § 23 der Röntgenverordnung (geänderte Fassung vom 4.10.2011) die Notwendigkeit der „rechtfertigenden Indikation“ festgelegt, was den gesundheitlichen Nutzen der Röntgenuntersuchung gegenüber ihrem Strahlenrisiko abwägt. Daher gehen wir nun im Folgenden auf einige häufige Thoraxpathologien ein, die durchaus als rechtfertigende Indikation zur Thoraxröntgenaufnahme auf Intensivstation anzusehen sind.

Merke: Die projektionsradiografischen Übersichtsaufnahmen auf Intensivstation sind die Basisuntersuchungstechnik bei allen Fragen im Bereich Herz, Lunge und Pleura.

Pneumothorax

Ein Pneumothorax ist bei Intensivpatienten – insbesondere bei beatmeten Patienten – ein relativ häufiges Ereignis. Grundsätzlich ist die Ursache eine Verletzung der Pleura parietalis bzw. viszeralis. Dies geschieht häufig ­iatrogen wie z. B. perioperativ durch einen thorakalen chirurgischen Eingriff, als Komplikation im Rahmen der Anlage eines zentralen Venenkatheters (ZVK) oder als ­Barotrauma infolge der künstlichen Beatmung. Die durch einen Ventilmechanismus eintretende Luft zwischen die beiden ­Blätter der Pleura hebt zunächst die Kohäsionskräfte ­zwischen der Pleura parietalis und Pleura viszeralis auf. Dieser ­Zustand sorgt für einen zunehmenden Druck auf das Lungenparenchym und letztendlich auch auf das ­Mediastinum.

Als direktes Röntgenzeichen eines Pneumothorax ist die deutlich vom Rippenfell abgehobene Pleura viszeralis zu sehen. In dem vergrößerten lufthaltigen Pleuraraum sind keine peripheren Lungengefäße abgebildet. Bei Patienten auf Intensivstation sind diese klassischen Zeichen erst bei einer größeren intrapleuralen Luftansammlung sichtbar, da sich diese in liegender Position vorwiegend ventral oder basal befindet. Eine Aufnahme in möglichst aufgerichteter oder sitzender Patientenposition kann ein Verschieben besagter Luftansammlung in kraniale Pleuraabschnitte bewirken und die Diagnose eines Pneumothorax begünstigen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Röntgenaufnahme der Lunge auf Intensivstation – Eine Übersicht für MTRA

Aus der Zeitschrift Radiopraxis 01/2017

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Quelle

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