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„Sicherheitsgurt-Syndrom“ - Akute Blutung aus der linken A. transversa colli

Die positiven Effekte von Sicherheitsgurten für Fahrzeuginsassen in Kraftfahrzeugen, Flugzeugen und anderen Verkehrsmitteln sind in vielen Studien belegt. Dies führte zur Einführung der Gurtpflicht. Aber schon vorher wurden Gurtsysteme in Automobilen montiert, sodass ab den 1950er-Jahren erste Berichte über Verletzungsfolgen durch Sicherheitsgurte in der Literatur erschienen. Im Jahr 1962 haben Garrett und Braunstein den Begriff „seatbelt syndrom“ geprägt. Hierbei handelt es sich um eine Kombination von Verletzungen, hervorgerufen durch Kompression sowie Zug- und Scherkräfte des Gurtes auf die entsprechenden Körperregionen beim Abbremsvorgang. Beim klassischen Sicherheitsgurt-Syndrom findet man typischerweise neben der kutanen Prellmarke im Gurtverlauf Verletzungen der Wirbelsäule, des Thorax und der Abdominalorgane. Es sind jedoch weitere Verletzungen in anderen Körperregionen, z. B. der Halsorgane, möglich und beschrieben.

Fallbericht

Wir präsentieren den Fall eines 63 Jahre alten Mannes, der als Unfallopfer einer frontalen Fahrzeugkollision in das hiesige Traumazentrum gebracht wurde. Er war als Fahrer des Fahrzeugs mittels 3-Punktgurt im Fahrzeug angeschnallt. Der Patient klagte initial über Thoraxschmerzen und hatte eine Prellmarke rechts unterhalb des Rippenbogens sowie eine schmerzhafte Schwellung und Gurtmarke supraklavikulär links. Die CT-Untersuchung („Polytrauma-Spirale“) im Rahmen des üblichen Trauma-Managements zeigte eine akute Einblutung in die Halsweichteile links mit großem angrenzenden Hämatom. Als Blutungsquelle wurde ein Ast der A. subclavia links vermutet. Zudem wurde eine Sternumfraktur diagnostiziert.

Bei aktiver Blutung mit sichtbarem Kontrastmittelparavasat, klinisch rasch wachsendem Hämatom und befürchteter hämodynamischer Instabilität sowie drohenden Kompressionsfolgen durch das Hämatom (Nerven- und Organkompressionen bei weiterer Größenprogredienz) wurde eine sofortige endovaskuläre Versorgung veranlasst. Der Eingriff wurde in Lokalanästhesie und Analgosedierung über einen transfemoralen Zugang durchgeführt. Die Vitalparameter wurden durch ein Anästhesie-Team kontinuierlich überwacht.

Nach Sondierung der A. subclavia links mittels Sidewinder-II-Katheter und einem weichen, hydrophil beschichteten Draht mit gebogener Spitze wurde nach Einwechseln eines stabilen Drahtes mit Drahtspitze in der Arteria axillaris eine 80 cm lange 6F-Schleuse bis in die proximale A. subclavia links eingebracht. Zur Stabilisierung der Schleuse wurde ein relativ rigider Draht (0.018 Inch) als „buddy wire“ mit Drahtspitze in der A. axillaris links eingewechselt und verankert. Nach Gefäßdarstellung über die Schleuse konnte die A. transversa colli als Blutungsquelle identifiziert werden. Da bei akuter Blutung auf eine Heparin-Gabe bewusst verzichtet wurde, wurde während der weiteren Intervention zur Vermeidung von Thrombenbildung innerhalb der Schleuse (mit Gefahr der Embolisation in die Arteria vertebralis links) eine Druckspülung der Schleuse durchgeführt. Die Arteria transversa colli wurde mittels Mikrokatheter und -draht zunächst in Teleskoptechnik mit einem Vertebraliskatheter als Führungskatheter selektiv sondiert und der Ramus superficialis und profundus mittels Mikrocoils verschlossen. Wegen der Nähe zu den hirnversorgenden Arterien wurden Coils verwendet, keinerlei Partikel oder Kleber. Die Abschlussangiografie ergab ein Sistieren der Blutung.

Im stationären Verlauf konnte bei Heiserkeit als weitere zervikale Traumafolge ein vom Nasenrachenraum bis zum Hypopharynx reichendes Schleimhauthämatom, das keinerlei Therapie bedurfte, diagnostiziert werden. Nach 7 Tagen konnte der Patient bei Wohlbefinden aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Akute Blutung aus der linken A. transversa colli: Eine seltene Manifestation des „Sicherheitsgurt-Syndroms“
aus der Zeitschrift RöFö 11/2020

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Quelle

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