Rezensionen

Schockierend, amüsant oder einfach nur Rettungsdienst? 50 skurrile Geschichten eines Rettungssanitäters

Ich bin zu alt für diese Scheiße

Horst Heckendorn lädt ein auf eine Zeitreise durch 25 Jahre Rettungsdienst. In seinem Buch „Ich bin zu alt für diese Scheiße!“ verarbeitet er die 50 prägendsten Erlebnisse seiner Karriere als Rettungssanitäter.

Keine Fachliteratur Bei dem Buch handelt es sich nicht um Fachliteratur, sondern um eine Sammlung wahrer Erlebnisse aus dem Rettungsdienst. Nicht chronologisch erzählt Horst Heckendorn 50 Geschichten – vom ersten Einsatz bis hin zum prägendsten Ereignis . Der Leser erhält einen tiefen Einblick in den Alltag eines Rettungsdienstlers, von den 80er-Jahren bis heute.

Nichts für sensible Seelen In seinen Beschreibungen nimmt der Autor jedoch kein Blatt vor den Mund, Rücksicht vor zart besaiteten Gemütern ist nicht zu erkennen. Heckendorn driftet regelmäßig vom Objektiven zu emotional geprägten, voyeuristisch angehauchten Beschreibungen ab. Die sehr plastischen Schilderungen laden aber ebenso häufig zum Schmunzeln ein, auch die schönen und amüsanten Seiten des Rettungsdienstes werden beleuchtet.

Fazit Ein abwechslungsreiches Buch, sowohl für Rettungsdienstler als auch für hartgesottene Interessierte. Kein Muss, aber ein Kann – z.B. für die freien Minuten zwischen Einsätzen.

Timo Nabers, Heidelberg

  • Ich bin zu alt für diese Scheiße! Heckendorn H. Sprakensehl-Hagen: Asaro, 2015; 292 S., 14,90 € ISBN 978-3955090616

„Schiff-Simulator: Die Seenotretter“ im Test – Kein Spiel für zwischendurch

„Du fährst raus, wenn andere reinkommen. … Als Seenotretter riskierst du dein Leben – für das Leben anderer!“ liest man auf der DVD-Box des Computerspiels „Schiff-Simulator: Die Seenotretter“. Echter Seenotretter wird man durch das PC-Game natürlich nicht. Aber das in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) entwickelte Spiel bietet jede Menge kleiner Einblicke in die Arbeit der Seenotretter.

Erster Eindruck "Schiff-Simulator: Die Seenotretter" ist ein Strategie- und Taktikspiel, bei dem der Spieler in die Rolle des Vormanns Piet Söhngen schlüpft. Ein umfangreiches Tutorial vermittelt die spielerischen Grundlagen der Seenotrettung. Notfallmedizinische Kenntnisse sind für das Spiel nicht erforderlich. Die Spielsteuerung über Tastatur ist umfangreich. In der Ego-Perspektive sind detailreiche virtuelle Rundgänge über die Seenotrettungskreuzer "Herman Marwede" und "Harro Köbke" möglich. Tageszeit und Wetterlage werden in hoher grafischer Qualität dargestellt, deshalb sollte die empfohlene minimale Rechnerleistung unbedingt beachtet werden.

Der Einsatz Wie in der realen Seenotrettung brauchen die zu bewältigenden Einsätze Zeit: Trotz Zeitraffer dauert es von der Hafenausfahrt bis zum Havaristen einige Minuten. Dafür wird man bis zur Einsatzstelle mit allerlei Informationen des fiktiven Seenotretters Jonne bei Laune gehalten - untermalt mit meeresüblicher Geräuschkulisse. 20 Rettungsmissionen rund um Helgoland und Rügen, die zusammen mit den Experten der DGzRS auf Grundlage tatsächlich geleisteter Einsätze kreiert wurden, sind zu meistern: wie im Realfall in logischer Reihenfolge und mit entsprechendem Zeitaufwand. Weitere virtuelle Crewmitglieder geben mit ihren Kommentaren die erforderlichen Hinweise und helfen dem unbedarften Anfänger beim Einsatz von Lenzpumpen, Löschkanonen oder Schleppleinen auf die Sprünge.

Schwächen des Spiels Leider völlig unrealistisch ist, dass Kaimauern, Schiffe, Markierungstonnen und sogar die Schiffbrüchigen ungestraft gerammt werden können. Unfallbedingte Punktabzüge oder andere dadurch entstehende Nachteile fehlen. Nach Rückkehr vom Einsatz lässt sich die 46 m lange Herman Marwede, einer der größten Seenotrettungskreuzer der Welt, kinderleicht an ihren Liegeplatz im Heimathafen manövrieren. Das ist realitätsfern - für den ungetrübten Spielespaß aber eine deutliche Erleichterung.

Preis Die limitierte Auflage des Schiffsimulators ist für 17,99 Euro zu haben und liefert noch ein Poster, ein Entwicklertagebuch, Sticker und einen 5-Euro-Gutschein für den Seenotretter-Shop mit. Dieser Betrag ist bei der Qualität des Spiels nicht zu hoch und unterstützt außerdem die Arbeit der Seenotretter.

Fazit "Schiff-Simulator: Die Seenotretter" ist ein grafisch detailreiches Strategie- und Taktikspiel, das nebenbei Zusatzinformationen über die Seenotretter vermittelt. Im Fokus steht deren Arbeit, während die Funktion des Schiffsimulators sich auf das notwendige Minimum beschränkt. Aufgrund der zeitaufwendigen Rettungsszenarien auf hoher See ist es kein Spiel für zwischendurch. Es bietet Landrettern mit ein wenig mehr Zeit aber eine durchaus unterhaltsame Abwechslung.

Thorsten Trütgen, Remagen

  • Schiff-Simulator: Die Seenotretter, rondomedia; 2014, 17,99€