• Thieme Coach Diabetes

Thieme Coach bei Diabetes

Diabetes mellitus - Entstehung, Ausmaß und Folgen

Das Krankheitsbild Diabetes mellitus zählt mit einer Prävalenz von fast 10% zu einer der weitverbreitetsten Erkrankungen in Deutschland. Zudem steigt die Inzidenzrate stetig an.

Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch eine Beeinträchtigung des körpereigenen Hormons Insulin entsteht. Je nach Entstehungsursache wird diese Erkrankung in verschiedene Formen eingeteilt. Zu den vier Hauptdiabetesformen zählen der Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehören neben einer genetischen Veranlagung auch Bewegungsmangel, Rauchen, Fehlernährung und ein damit einhergehendes Übergewicht. Ein solcher Lebensstil begünstigt im Laufe der Jahre die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ-II, welcher durch eine Insulinresistenz bzw. -erschöpfung gekennzeichnet ist.

Zahlen - Daten - Fakten

  • 7 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus
  • Prävalenz: fast 10%
  • Anteil Diabetes Typ-II: 90-95% der betroffenen Menschen
  • Inzidenz / Neuerkrankungen: 500.000 Menschen pro Jahr
  • Diabetesbezogenen Kosten: 16,1 Milliarden Euro


Die Wahl und die korrekte Umsetzung einer gewählten Therapieform – Antidiabetika und/oder Insulin inklusive nicht-medikamentöser Maßnahmen – sind essenziell zur Vermeidung von Folgeerkrankungen. Auf Grund dessen setzen wir bei Thieme TeleCare verstärkt auf eine Lebensstilmodifikation, die auf den Bereich Bewegung und vor allem Ernährung abzielt. Dadurch wird bei der Betreuung auch der präventive Charakter miteinbezogen und hervorgehoben.

Ablauf und Ziele des Programms

Durch entsprechende Verhaltens- und Lebensstilmodifikationen im Programm „Diabetes“ kann das Risiko der Krankheitsverschlechterung und der Entstehung von Folgeerkrankungen entgegengewirkt werden. Der Vielfalt an Einflussfaktoren und Ansatzpunkte für Verhaltensmodifikationen wird durch die persönliche Komponente der telefonischen Betreuung Rechnung getragen und mit einer digitalen Lösung unterstützt. Hierbei werden die individuellen Präferenzen und Möglichkeiten der Betroffenen berücksichtigt. Wichtig für die Betreuung der Patienten ist immer die Berücksichtigung der persönlichen Volition. Diese gilt es in einem ersten Gespräch mit dem Patienten herauszufinden. Nur wenn der Gesundheitscoach Kenntnis darüber hat, wo der Patient steht und wo er Unterstützung benötigt, kann die Betreuung erfolgreich sein.

Die Inhalte der telefonischen Betreuung können dann sehr unterschiedlich sein. Es werden Themen wie Bewegung, Ernährung, Stress, übermäßiger Konsum von Genussmitteln, psychisches Wohlbefinden und Achtsamkeit adressiert. Die Ausprägung bestimmt der Betroffene selbst. Die anfängliche Aufklärung zu den jeweiligen Themen geht schließlich über in konkrete Anleitungen und Motivation zu Verhaltensänderungen bis hin zum Erlernen von Selbstmanagement-Kompetenzen.

Mit der Einbindung des Thieme Coachs ist es möglich, dass die Teilnehmer Ihre Erkrankung täglich selbst managen. Dafür stehen Ihnen multimediale Inhalte zur Verfügung, die modular aufgebaut und erweiterbar sind:  


 

Die Nutzung des Thieme Coachs und die erzielten Fortschritte kann der Gesundheitscoach über eine Plattform einsehen und gezielt bestimmte Aspekte in den Betreuungsgesprächen thematisieren.

Auch das gezielte Einspielen von zusätzlichen Inhalten signalisiert eine individuelle Vorgehensweise während des 12-monatigen Betreuungszeitraums und schafft eine Verbindung zwischen Coach und Teilnehmer innerhalb den einzelnen terminierten Gesprächen.

Die Nachhaltigkeit wird durch den Prozess des Choachingprogramms mit seiner persönlichen und digitalen Komponente verstetigt und es können unterschiedliche Ziele verzeichnet werden:

  • Stärkung des Selbstmanagements und Empowerments des Teilnehmers
  • Verbesserung der Therapieadhärenz und Motivation des Teilnehmers
  • Senkung von Kosten und (Re-)Hospitalisierungen des Teilnehmers

 

Eine eher unterschätzte aber sehr bedeutende Form des Diabetes ist der Prädiabetes. Im folgenden Experteninterview zeigt Herr Prof. Dr. Haak auf, wie wichtig hierbei insbesondere Lebensstilmodifikationen sind.
 
 

Prof. Dr. med. Haak, Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim, im Interview

„Telemedizinische Betreuungsangebote und alles, was der Sache dient, sind förderungswürdig und sollte es in Zukunft mehr geben“, so Professor Haak.

Prof. Dr. med. Thomas Jürgen Haak ist Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim. Im Interview verrät er uns, wie er das Thema „Prädiabetes“ in der Praxis angeht und wie eine optimale Versorgung zukünftig aussehen sollte.

 

Foto: Prof. Dr. med. Thomas Jürgen Haak

Aus welchem Grund kommen Patienten mit Prädiabetes in Ihre Praxis?
Vielen Patienten ist gar nicht bewusst, dass sie bereits eine Disposition für Prädiabetes aufweisen. Daher müssen die Patienten zunächst einmal im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt auffallen. Der Hausarzt überweist die betroffenen Patienten dann in meine Praxis. Von alleine kommen die wenigstens Patienten zu mir, denn aus der persönlichen Komfortzone bewegen sich die allerwenigsten gerne heraus. Hier ist dann viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Vielen ist nicht bewusst, dass Prädiabetes bereits nachhaltig Schäden am Herz-Kreislauf-System anrichten. Bei fast jedem über 50-jährigem ist Bluthochdruck ein Thema, gefolgt von Fettstoffwechselstörungen wegen Übergewicht. Beides Themen, denen man mit einer Verhaltensanpassung gut begegnen kann.

Was empfehlen Sie Ihren Patienten, wie sie ihr Verhalten anpassen können?
Zunächst einmal muss ich meinen Patienten ein plausibles Erklärungsmodell liefern. Und dabei gehe ich sehr individuell vor. Bei dem einen Patienten muss ich intensive Aufklärungsarbeit leisten und andere haben sich vorab schon informiert. Gleichzeitig muss das Risikobewusstsein gestärkt werden, da fällt der Ton auch schon einmal sehr unterschiedlich aus. Dem einen muss ich auf intellektueller Ebene begegnen, dem anderen muss ich ins Gewissen reden. Da ist viel Fingerspitzengefühl gefordert.
Grundsätzlich braucht es dann aber ganz konkrete Handlungsanweisungen, die messbar sind. Es reicht also nicht, dem Patienten zu sagen „Du musst Dich mehr bewegen“, sondern es wird gemeinsam besprochen, welche Sportart für ihn passend wäre, welche ihm Spaß macht und wie er sie in seinen Alltag integrieren kann. Beim Thema Ernährung sieht es ähnlich aus. Hier ist es wichtig, ganz konkret zu sagen, z. B. wie viele Kalorien pro Woche eingespart werden müssen, um auf ein Kilo Fettreduktion in 14 Tagen zu kommen. Dies lässt sich dann am Bauchumfang gut messen und motiviert natürlich auch die Patienten, wenn der Erfolg sichtbar wird. Die Patienten kommen dann alle 14 Tage zu Kontrollterminen in meine Praxis. Wenn die Begleitung so engmaschig erfolgt, reichen in der Regel 6 Monate aus, bis der Patient seine Verhaltensänderung verinnerlicht hat.

Was unternehmen Sie, um für das Thema zu sensibilisieren?
Vor einiger Zeit haben wir ein Schulungsprogramm zu diesem Thema entwickelt: PRÄDIAS. Es ging ebenfalls darum, Patienten über die Themen Diabetes, deren Risikofaktoren und wie man einen Diabetes vorbeugen kann, aufzuklären. Dieses haben wir gemeinsam mit Krankenkassen evaluiert. Rückblickend mussten wir jedoch feststellen, dass das Thema Prävention kein primäres Ziel von gesetzlichen Krankenkassen ist. Gleichermaßen mussten wir die Erfahrung machen, dass unser Infostand, den wir im Rahmen von Aktionstage aufbauten, immer großflächig gemieden wurde. Prädiabetes ist halt nicht schmerzhaft und mit keinen direkten Einbußen verbunden, daher rücken Menschen auch ungerne von ihrer lieb gewonnenen Lebensart ab. Beides hatte zur Folge, dass das Schulungsprogramm nicht weiterverfolgt wurde.

Wie sollte Versorgung zukünftig funktionieren, damit die Risikofaktoren für Prädiabetes reduziert werden?
Gesunderhaltung sowie die Reduktion von Erkrankungen sind für mich eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Diese sollte bereits im Kindergarten mit einer gesunden Ernährung beginnen. Gleichzeitig müssen die Kinder ob im Kindergarten oder in der Schule an einen gesunden und bewegungsreichen Lebensstil herangeführt werden. Aber nicht nur im Bildungswesen ist noch Handlungsbedarf. Auch die großen Supermarktketten müssen mit ins Boot geholt werden. Eine gesunde Ernährung muss wieder erlebbar sein. Sie muss im Vordergrund stehen, wenn ich einen Supermarkt betrete. Auch bei der Preisgestaltung gesunder Lebensmittel gäbe es noch Spielraum. Warum macht man z. B. gesunde Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse nicht steuerfrei? Denkt man an all‘ die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, dann sehe ich großes Potenzial auch in telemedizinischen Betreuungsangeboten. Es gibt so viele Ansätze, die der Sache dienlich sind und noch viel zu wenig gefördert werden.