• 50 Jahre Katzenmedizin - Tiermedizin - Enke Verlag

     

50 Jahre Katzenmedizin – ein Rück- und Ausblick

Veränderungen in der Medizin sind allgegenwärtig und nötig; das trifft auch für die Tiermedizin zu. In dieser Übersicht wird ein Teilgebiet der Tiermedizin beleuchtet, das in den vergangenen Jahrzehnten eine wahrlich beachtenswerte Entwicklung erfahren hat: die Katzenmedizin.

Im Jahre 1961 veröffentlichte der Tierarzt J. E. B. Graham in einer kanadischen Zeitschrift für Tierärzte eine „umfassende“ Übersichtsarbeit zum Thema Katzenmedizin. Dafür benötigte er nur wenige Seiten! Mehr als 50 Jahre später hat das medizinische Wissen zur Spezies Katze in unglaublicher Weise zugenommen. Es gibt inzwischen Fachbücher zu allen medizinischen Teilgebieten der Katzenmedizin – ein paar Seiten reichen heute allenfalls zur Darstellung eines interessanten Fallberichts.

Das Interesse an diesem Teilbereich der Kleintiermedizin nahm und nimmt weltweit stark zu. Am „World Feline Veterinary Congress“ im Juni 2013 in Barcelona nahmen beispielsweise 650 Personen aus 37 Nationen teil.Zeugnis dafür, dass dieses Wissen auch in den Praxen ankommt.

Warum sind Katzen also – medizinisch gesehen – nicht mehr die viel zitierten „kleinen Hunde“? Es gibt sicher mehr als einen Anlass, die Katzenmedizin der letzten Jahrzehnte – ohne jegliche Absicht der Vollständigkeit – Revue passieren zu lassen.

Anfänge

Die veterinärmedizinische Literatur bot zu jeder Zeit interessante Arbeiten zum Forschungsobjekt Katze, z. B. eine Arbeit über die infektiöse Peritonitis der Katze (FIP) aus dem Italien der 1940er Jahre. Diese darf sicher als eine der ersten Veröffentlichungen zum Thema FIP gelten, eine Krankheit, die uns leider heute nach über 70 Jahren noch genauso beschäftigt wie den Pathologen A. Bonaduce im Kriegsjahr 1942 in Neapel.

Eine wesentliche Rolle bei der Etablierung der Katzenmedizin als eigenständige Disziplin kommt sicher Jean Holzworth, der „Mutter der Katzenmedizin“, zu. Sie prägte die amerikanische Katzenmedizin maßgeblich von 1951 bis zu ihrem Ruhestand im Jahre 1986 im Angell Memorial Animal Hospital in Boston, USA. Auch sie publizierte erste wesentliche Beiträge zum Thema FIP in den frühen 1960er Jahren.

USA

Es wundert nicht, dass auch die Anfänge der „privaten“ Katzenmedizin in den USA zu finden sind. Anfang der 1970er Jahre eröffneten in etwa zeitgleich die ersten beiden privaten Katzenkliniken:

  • das „Cat Hospital of Philadelphia“ (Susan McDonough)
  • die „Chicago Cat Clinic“ (Barbara Stein)

Beide Tierärzte hatten zuvor in größeren Kliniken gearbeitet, dort aber fast nur Katzen betreut, um dann den Schritt der Gründung einer reinen Katzenpraxis zu wagen, was in beiden Fällen mit nachhaltigem Erfolg gelang. Beide Kliniken, die in ihrer Gründungskonzeption sehr unterschiedlich waren, existieren heute noch. Beispielweise legte Susan McDonough in Philadelphia viel Wert auf ein gemütliches, fast wohnzimmerartiges Ambiente, während Barbara Stein einer konsequenten Klinikatmosphäre (im Orange der 1970er Jahre) den Vorzug gab. Viele Hunderte Katzenpraxen sind im Laufe der Jahrzehnte in den USA dazu gekommen. Es gibt nur noch wenige Städte in den USA, in denen man vergeblich nach einer solchen Praxis sucht.

Europa

In Mitteleuropa klafft die Lücke zwischen der „universitären“ und der „privaten“ Katzenmedizin bis zum heutigen Tage weit mehr als in den USA oder auch in Australien.

Auf universitärem Niveau war und ist die Katzenmedizin auch in Europa stets präsent gewesen: Besonders hervorgehoben seien hier die Universitäten in Bristol, Glasgow, Liverpool, Zürich und in Gießen. Die Namen der dort tätigen Dozenten und Forscher (alphabetisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind jedem katzeninteressierten Tierarzt bekannt: Diane Addie, Sue Dawson, Rosalind Gaskell, Tim Gruffydd-Jones, Marian Horzinek, Os Jarrett, Anja Kipar, Hans Lutz, Carmel Mooney, Manfred Reinacher und Andy Sparkes.

Die Gründung privater Katzenpraxen hingegen verlief und verläuft auf dieser Seite des Atlantiks recht schleppend. Auch wenn es schon in den 1990er Jahren vereinzelt Katzen- und Katzenschwerpunktpraxen in Europa gab, konnte man seinerzeit nicht wirklich von einer Entwicklung sprechen. Zwei der Pioniere in dieser Hinsicht waren sicher Michèle Fradin-Fermé (Paris, Frankreich) und David R. Godfrey mit Ehefrau Rosie Anderson (Solihull, West Midlands, Großbritannien). In England war es beispielsweise bereits in den 1990er Jahren – trotz eines sehr strikten Royal College of Veterinary Surgeons – kein Problem, den Namen „Nine Lives Veterinary Practice for Cats“ (in England haben Katzen neun Leben!) zu verwenden. Die Bezeichnung „Katzenpraxis“ ist in manchen anderen europäischen Ländern aber nach wie vor problematisch. Zum Teil muss die korrekte Praxisbezeichnung hilfsweise mittels der Zusätze „Schwerpunkt Katzenmedizin“ oder „Sprechstunden nur für Katzen“ hergestellt werden. Der Katzenhalter hat seit jeher diesbezüglich weniger Berührungsängste als manche Kammer: schließlich kennt er auch Pferdekliniken, Koi-Tierärzte und Vogelpraxen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: 50 Jahre Katzenmedizin – ein Rück- und Ausblick

Aus der Zeitschrift kleintier.konkret 5/2015

 

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