• Die Biomechanik der Wirbelsäule als Diktum für das Training des Pferdes

     

Die Biomechanik der Wirbelsäule als Diktum für das Training des Pferdes

Bei Rittigkeitsproblemen, Lahmheit, Verhaltensauffälligkeiten und Organfunktionsstörungen ist neben einer schulmedizinischen Abklärung auch eine osteopathische und energetische Befundung angezeigt, um das Pferd auch ursächlich in seine körperliche, energetische und psychische Balance zu bringen.

Die natürliche Balance des Pferdes

Das Pferd hat sich im Laufe seiner Evolution von einem etwa 50 cm großen 5-Zehengänger zu einem bis zu 193 cm (Clydesdale) großen Mittelzehengänger entwickelt, dessen Hauptmerkmale seines Bewegungs- und Sozialsystems die Flucht und die Herde sind.

Alle Gelenke und Muskeln des Pferdes sind so aufgebaut und angelegt, dass es mit möglichst wenig Energieverbrauch lange stehen, im Schritt zügig und ausdauernd wandern und bei Bedarf eine explosionsartige Flucht nach vorne oder zur Seite antreten kann. In der Natur bewegt es sich aus Gründen der Energieeffizienz fast ausschließlich im Schritt. Trab und Galopp kommen relativ selten vor, dann v. a. in Situationen der Flucht, des Spiels und des Imponierens.

Von seiner Anatomie und Physiologie her betrachtet ist das Pferd ein Lauftier. In der Fortbewegung drückt jeweils ein Hinterbein in den Boden und schiebt den Körper nach vorne. Dadurch verschiebt sich auch der Schwerpunkt des Pferdes nach vorne. Um zu verhindern, dass es „auf die Nase fällt“, sucht sich ein Vorderbein eine neue kraniale Unterstützungsfläche. Im natürlichen Gang erfolgen somit die Schritte der Vorhand passiv als Folge des aktiven Vortretens der Hinterhand. Die Wirbelsäule hat als Bindeglied zwischen Hinter- und Vorhand die Funktion, den Schub der Hinterhand aktiv nach kranial fortzuleiten. Im Gegensatz zur Rückenmuskulatur des Menschen, die eine statische Haltefunktion gegen die Schwerkraft hat, ist die Rückenmuskulatur des Pferdes eine dynamisch arbeitende Bewegungsmuskulatur. Somit ist der Rücken des Pferdes primär nicht dafür gebaut, einen Reiter zu tragen.

Der physiologische Schwerpunkt des Pferdes liegt etwa eine Handbreit kaudal des Olekranons auf Höhe des Buggelenks. Hierdurch befinden sich ca. 65 % des Körpergewichts auf der Vorhand und etwa 35 % auf der Hinterhand. In dieser für das Tier natürlichen Situation befindet es sich in Balance mit sich selbst.

Der Reiter als Störfaktor der Balance

In dem Moment, in dem sich ein Mensch auf den Rücken eines Pferdes setzt, kommt das Pferd aus seiner natürlichen Balance. Wir Menschen können dies selbst gut nachvollziehen, indem wir uns ein Kind auf die Schultern setzen: Unser neu entstandener gemeinsamer Schwerpunkt liegt deutlich kranialer als unser eigener Schwerpunkt. Durch die neu entstandene längere „Körpergröße“ haben wir einen viel größeren Hebel-/Lastarm in der Standbeinphase des Gehens auszubalancieren.

Folgende Strategie des Pferdes, mit dem Reitergewicht zurechtzukommen, ist weit verbreitet: Beim Aufsitzen des Reiters behält das Pferd lediglich seine normale Grundkörperspannung bei, die das zusätzliche Reitergewicht allerdings nicht kompensiert. Somit hängt der Rücken des Pferdes nach ventral durch. Dies führt nach einiger Zeit zu Schmerzen aufgrund der Überdehnung und Ermüdung der ventralen Rückenmuskel- und Bauchmuskelanteile. Um diese zu entlasten, fällt das Pferd auseinander, d. h. die Vorhand wird weit nach vorne, die Hinterhand weit nach hinten ausgestellt. Dadurch kommen die sehnigen ventralen Bandstrukturen zwischen Vorhand-Rumpf-Hinterhand auf Zug und helfen mit, das Reitergewicht weiterhin ohne nennenswerten Muskeleinsatz zu tragen. Reicht dies nicht aus, spannt das Pferd die gesamte Rücken- und Bauchmuskulatur in dieser Überdehnung an und versteift damit seinen Rumpf. Der Rücken wird fest, die Tritte werden kurz, klemmig und schwunglos. Die nach einer gewissen Zeit folgende Ermüdung der Rücken- und Bauchmuskeln versucht das Pferd zu beenden, indem es wiederum seinen Rücken durchhängen lässt. Im schlimmsten Fall kann ein Pferd sein gesamtes Reitpferdeleben lang zwischen Rücken-Verspannen und Rücken-Wegdrücken verbringen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Die Biomechanik der Wirbelsäule als Diktum für das Training des Pferdes

Aus der Zeitschrift: Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 02/2012

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