•  

Bissfest! – Erkrankungen der Kieferknochen bei der Katze

Inappetenz oder Dysphagie können bei der Katze auch durch Erkrankungen der Kieferknochen verursacht werden. Aktualisieren Sie Ihr Wissen über Ätiologie, Diagnostik sowie aktuelle Therapieempfehlungen.

Erst stabilisieren, dann Kieferfraktur versorgen

Frakturen stellen ohne Frage die vielfältigste Kategorie der hier beschriebenen Krankheitsbilder dar. Sowohl deren Ausprägungen als auch die möglichen Behandlungstechniken sind mannigfaltig, sodass hier lediglich ein Überblick gegeben werden soll.

Gemessen an der Gesamtzahl der Frakturen bei Katzen machen Kieferfrakturen 5 – 7% aus, sie werden zum großen Teil traumatisch verursacht.

Weitere Ursachen sind:

  • Neoplasien
  • hochgradige Infektionen
  • nachlassende Knochenstabilität aufgrund verschiedener Grunderkrankungen (primärer, alimentärer oder renaler Hyperparathyreoidismus)

Wie bei allen anderen Frakturen, die nicht aufgrund ihrer Natur selbst zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen, steht zunächst die Stabilisierung des Patienten im Vordergrund.

 

MERKE

Eine (meist notwendige) Narkose zur genauen Evaluierung der Kieferverletzung kann erst erfolgen, wenn der Patient stabil ist.

Kieferfrakturen sind nicht immer knöchern

Im Gegensatz zu allen erdenklichen Varianten an Kieferfrakturen gibt es 2 im eigentlichen Sinne „unechte“ Frakturen, die in den meisten Fällen nach relativ einheitlich vorgegebenen Empfehlungen versorgt werden können. Zum einen ist dies die traumatische Zerreißung der festen Bindegewebsverbindung des Unterkieferkörpers in der Medianen, der Unterkiefersymphyse und zum anderen die Zusammenhangstrennung der Sutura palatina mediana. Wenn sich der Defekt kaudal des Os incisivum befindet und die auskleidende Schleimhaut mit zerrissen wurde, kommt es zu einer Gaumenspalte mit Austritt von flüssigen Nahrungsbestandteilen aus der Nase.

Traumatische Zerreißung der Unterkiefersymphyse

Insgesamt 7,1% der Katzen mit einem sogenannten High-Rise-Syndrom erleiden diese Verletzung. Klinisch lassen sich dabei meist schon am wachen Tier die Unterkieferhälften abnorm gegeneinander verschieben, ohne dass dabei eine deutliche Krepitation oder Asymmetrie beobachtet werden kann. In vielen Fällen zeigt sich ein mehr oder weniger deutlicher Riss der Gingiva zwischen den medialen Inzisivi der rechten und linken Seite.

Therapie

Zeigen sich keine weiteren relevanten Läsionen, hat sich die Versorgung mittels eines Cerclagedrahts mit 0,7 – 0,8 mm Durchmesser bewährt. Dieser wird hinter den Canini um den Unterkiefer gelegt und nach Okklusionskontrolle unter Zug verdrillt. Um störende Drahtenden in der Maulhöhle zu vermeiden, können diese ventral am Kinn nach Anlegen eines kleinen Hautschnitts zu liegen kommen. Dafür schiebt man den Draht durch die Führungshilfe (zum Beispiel eine genügend große Kanüle) über diesen einen Schnitt jeweils lateral entlang des Unterkieferkörpers in Richtung der ipsilateralen kaudalen Caninuskontur, wie auch in demonstriert wird. Beeinträchtigt die Cerclage keine Speicheldrüsenausführungsgänge, wird sie meist für die benötigte Heilungszeit von durchschnittlich 6 Wochen gut toleriert.

Traumatische Sprengung der Sutura palatina mediana (Palatoschisis traumatica)

Nach Stürzen aus großer Höhe (High-Rise Syndrom) wird dieses Erkrankungsmuster am häufigsten (78,6%) beobachtet.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Perforation durch Fremdkörper
  • Zahntaschenentzündungen mit Osteomyelitis
  • Stromschläge

Kongenitale Gaumenspalten (Palatum fissum) beschränken sich oft auf den weichen Gaumen, können aber den harten Gaumen miteinbeziehen. Siamkatzen und weibliche Tiere sind prädisponiert.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Bissfest! – Erkrankungen der Kieferknochen bei der Katze
aus der Zeitschrift Kleintier konkret 23(01) / 2020

Newsletter Tiermedizin

  • Jetzt zum Newsletter anmelden!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und sind immer auf dem Laufenden mit News, Buchtipps, Neuerscheinungen und Gewinnspielen.

Quelle

Buchtipps

Krankheiten der Katze
Hans Lutz, Barbara Kohn, Franck ForterreKrankheiten der Katze

EUR [D] 199,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze
Reto NeigerDifferenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze

Vom Leitsymptom zur Diagnose

EUR [D] 89,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze
Christian SchreyLeitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze

Differenzialdiagnostischer Leitfaden

EUR [D] 59,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen