• Cauda-equina-Syndrom

     

Das Cauda-equina-Syndrom des Hundes

Die häufigste Ursache für ein Cauda-equina-Syndrom bei großen mittelalten bis alten Hunden ist eine degenerative lumbosakrale Stenose. Betroffene Tiere können sich klinisch mit Schmerzen beim Springen, Treppensteigen oder Aufstehen, eingeschränkter Beweglichkeit der Rute oder Lahmheit einer Hintergliedmaße präsentieren.

Unter dem Begriff des Cauda-equina-Syndroms werden zahlreiche unterschiedliche Krankheiten zusammengefasst, die die sogenannte Cauda equina beeinträchtigen. Andere verwendete Bezeichnungen sind lumbosakrale Stenose oder Lumbosakralsyndrom. Es handelt sich um eine relativ häufige Erkrankung großer Hunde, deren Diagnose aber oftmals schwierig sein kann. Die Krankheit ist als neurologisches Problem definiert, äußert sich klinisch aber oftmals eher orthopädisch.

Zum Verständnis der klinischen und neurologischen Symptome ist eine Kenntnis der Anatomie der lumbosakralen Region notwendig.

Infolge des unterschiedlichen Längenwachstums im Zuge der Embryonalentwicklung endet das Rückenmark im Wirbelkanal vor dem Ende der Wirbelsäule. Dies ist besonders bei großen Hunden ausgeprägt. Das Ende des Rückenmarks, der Conus medullaris, ist in der Regel in Höhe der kaudalen Hälfte des 6. Lendenwirbels bzw. der kranialen Hälfte des 7. Lendenwirbels gelegen. Bei kleineren Hunden oder Katzen ist er weiter in Richtung des Endes des 7. Lendenwirbels gelegen. Der Durasack endet weiter kaudal und reicht bei vielen Hunden bis in das Os sacrum. Es gibt hier aber zahlreiche Variationen.

Die Cauda equina entspringt aus dem Conus medullaris und besteht aus den paarigen Spinalnervenwurzeln bzw. Spinalnerven der Rückenmarkssegmente L6, L7, S1 – S3 und Cd1 – Cd5. Die Dorsal- und Ventralwurzeln sowie die Spinalnerven liegen innerhalb des Wirbelkanals, laufen über eine Strecke parallel und verlassen den Wirbelkanal durch die Neuroforaminae. Sie erinnern daher an den Schweif eines Pferdes (= Cauda equina).

Das Rückenmark gehört wie das Gehirn zum zentralen Nervensystem, während die Spinalnervenwurzeln, Spinalnerven, neuromuskuläre Endplatte und Muskulatur aus funktionell neurologischer Sicht zum peripheren Nervensystem gezählt werden. Es sind also im Bereich der kaudalen lumbalen bzw. lumbosakralen Wirbelsäule auch Anteile des peripheren Nervensystems gelegen, was wichtig für das Verständnis der klinischen Befunde ist. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Wirbelsäule sind die zugehörigen Rückenmarkssegmente nicht auf gleicher Höhe mit den gleichnamigen Wirbelkörpern. So liegen beispielsweise die Rückenmarkssegmente S1 – S3 oftmals in Höhe des 6. oder 7. Lendenwirbelkörpers.

Im Bereich der lumbosakralen Region der Wirbelsäule werden die Nerven der Cauda equina von folgenden Strukturen umgeben: ventral vom Lig. longitudinale dorsale, dem dorsalen Anulus fibrosus des Intervertebralspalts von L7 – S1 und den entsprechenden Wirbelendplatten bzw. -körpern; lateral von den Pedikeln der Wirbelkörper von L7 bzw. S1 mit den Facettengelenken mit synovialen Strukturen und den Neuroforaminae; dorsal vom Lig. interarcuale (Lig. flavum) und den Laminae der Wirbel L7 und S1.

Stabilisiert wird die lumbosakrale Region weiterhin durch das Lig. interspinosus, das Lig. longitudinale ventrale, die umliegenden Faszien und die Muskulatur.

Die häufigste Ursache des Cauda-equina-Syndroms beim Hund ist eine degenerative lumbosakrale Stenose (DLSS), auf die in diesem Artikel detaillierter eingegangen werden soll.

Weiterhin kommen in Betracht:

  • kongenitale lumbosakrale Stenosen
  • Malformation der Processus articulares der Wirbel L7 bzw. S1
  • Osteochondrosis dissecans (OCD) der kranialen Endplatte des Os sacrum
  • akute Bandscheibenvorfälle (Hansen-Typ-I-Diskusprolaps)
  • Diskospondylitis
  • traumatische Frakturen, Luxationen oder Subluxationen der Wirbel L7 und/oder des Os sacrum
  • extradurale Zysten
  • primäre oder sekundäre Neoplasien (selten)
  • Tethered cord syndrome (selten)
  • Neuritis (selten)
  • spinales Empyem (selten)

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Das Cauda-equina-Syndrom des Hundes

Aus der Zeitschrift kleintier konkret 04/2016

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