Chronische Herzinsuffizienz

Autor: H. Meyer, J. Zentek

Pathophysiologie

Herzerkrankungen finden sich typischerweise bei älteren Hunden, chronische Formen können das Klappensystem, den Herzmuskel oder auch das Reizleitungssystem betreffen. Bei nachlassender Förderleistung und Ausschöpfung der Kompensationsmöglichkeiten in Form eines erhöhten Herzminutenvolumens bzw. einer zunehmenden Herzfrequenz treten Minderdurchblutungen einzelner Organe und Gewebe auf. Ist auch die Nierenperfusion betroffen, wird über Renin, Angiotensin und Aldosteron die tubuläre Rückresorption von Natrium forciert. Die Na-Retention führt zu einer gleichzeitigen Konservierung von Wasser im Organismus, das sich bei nachlassendem onkotischen Druck auch extravasal verteilt, sodass Ödeme entstehen, beim Hund insbesondere im Bauchraum (Aszites). Hunde mit reduzierter Herzleistung neigen häufig zu verminderter Futteraufnahme, evtl. verstärkt durch Arzneimittel. Bei Behandlung mit Herzglykosiden, Hemmstoffen des Angiotensin-Konversionsenzyms (ACE-Hemmer) sowie Diuretika können erhöhte renale K-Verluste entstehen.

Diätetik

Durch eine natriumarme Diät ist bei Herzerkrankungen eine Reduktion der Flüssigkeitsretention im Körper möglich.

Diätetik bei Herzinsuffizienz: Hunde mit Herzinsuffizienz sollten

  • bei Vorliegen von Ödemen eine natriumreduzierte (< 150 mg/MJ uE bzw. 240 mg/100 g TS),
  • energiedichte (> 1,6 MJ uE/100 g TS) und
  • hochverdauliche

 Diät in mehreren kleinen Mahlzeiten pro Tag und in restriktiven Mengen erhalten.

Natrium und Kalium

Der Na-Gehalt in der Futtertrockenmasse sollte 240 mg/100 g nicht überschreiten, viele kommerzielle Standardmischfutter (Trockenfutter bis 800 mg, Feuchtfutter bis 1600 mg/100 g TS) liegen deutlich darüber und sind daher ungeeignet. Eine natriumarme Fütterung kann bei vorliegender Exsikkose, chronischem Durchfall, interferierenden Nierenerkrankungen sowie bei graviden oder laktierenden Hündinnen problematisch sein. Sind die K-Gehalte im Serum subnormal, ist die K-Zufuhr anzuheben (> 350 mg/100 g Trockensubstanz), insbesondere bei digitalisierten Patienten, z. B. durch Kaliumchlorid oder auch Kaliumzitrat. Bei Kombination natriumarmer Diäten mit Hemmern des Angiotensin-Konversionsenzyms sind die Serumelektrolytgehalte regelmäßig zu überwachen, insbesondere die von Natrium.

Antioxidanzien und Carnitin

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Hunde mit Herzerkrankungen Anzeichen einer vermehrten oxidativen Belastung aufweisen. Aufgrund der antioxidativen Effekte von Vitamin E und Selen sowie guter klinischer Erfahrungen mit Carnitin können diese Stoffe bei Erkrankungen des Herzmuskels (Cardiomyopathien) unterstützend eingesetzt werden. Die Vitamin-E-Aufnahme ist auf 2 mg/kg KM/Tag einzustellen. Die Zufuhr von Carnitin in hohen Dosen (bis 300 mg/kg KM/Tag, aufgeteilt auf 3 Gaben) hat sich insbesondere bei Kardiomyopathien großwüchsiger Hunderassen (Boxer, Dobermann) bewährt, bei denen ein entsprechendes Defizit in der Herzmuskulatur auftreten kann. Viele Einzelfuttermittel weisen hohe Carnitingehalte auf, insbesondere Fleisch und Leber, aber auch Blutmehl. Beim Hund ist die renale Reabsorption von Carnitin gering, sodass bei ungenügender Aufnahme, Absorption oder Synthese aus Methionin bzw. Lysin unter Beteiligung von Ascorbinsäure, Niacin, Pyridoxin und Eisen bzw. bei erhöhten renalen Verlusten (Nephrosen) ein Mangel eintreten kann. Zur Diagnostik ist die allerdings aufwändige und Speziallabors vorbehaltene Messung der Gesamtcarnitinwerte im Plasma möglich, die bei gesunden Hunden um 25 ± 7 μmol/l liegen, der Anteil freien Carnitins beträgt ca. 90 %.

Taurin

Hunde sind von exogener Taurinzufuhr unabhängig, da sie in der Lage sind, diese Aminosulfonsäure endogen aus schwefelhaltigen Aminosäuren zu synthetisieren. In klinischen Studien zeigte sich allerdings ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten dilatativer Kardiomyopathien und niedrigen Tauringehalten im Blut. Diese Beobachtungen konnten bei Neufundländern, Amerikanischen Cocker Spaniels und bei Golden Retrievern gemacht werden. Nach Supplementierung mit Taurin waren klinische Verbesserungen der Herztätigkeit sowie höhere Tauringehalte im Blut festzustellen. Aus diesen Beobachtungen leitet sich die Empfehlung ab, bei Patienten mit dilatativen Kardiomyopathien eine Supplementierung mit Taurin vorzunehmen. Als Praxisempfehlung wird eine Dosierung von 2 x 500–1000mg Taurin für Hunde unter 25 kg Körpermasse und 2 x 1–2g Taurin für größere Hunde gegeben. Taurinkonzentrationen von unter 40 nmol/ml Plasma können als Hinweis auf eine Unterversorgung gelten. Neben möglichen Rasseeinflüssen können auch bestimmte diätetische Faktoren zu einer marginalen Versorgung mit Taurin führen. Entsprechende Probleme traten nach Fütterung von Diäten auf der Basis von Soja sowie von Futtermischungen mit höheren Gehalten an Tiermehl von Lämmern auf.

Fischöl

In begrenztem Umfang liegen Erfahrungen vor, dass Fischöl bei Hunden mit Herzerkrankungen positive Wirkungen haben kann. Dieses könnte einerseits mit den Effekten auf den Eikosanoidstoffwechsel, andererseits auch mit dem Einbau der mehrfach ungesättigten langkettigen Fettsäuren in Zellmembranen, einer höheren Fluidität der Erythrozyten und den dadurch bedingten verbesserten Perfusionseigenschaften zusammenhängen.

Quelle: H. Meyer, J. Zentek, Ernährung des Hundes, Grundlagen – Fütterung – Diätetik

ISBN 97838304108296. Aufl., vollst. überarb. 2010, S. 257-259

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