Chronische (idiopathische) Dünndarmentzündung (IBD) beim Hund

Definition

  • IBD = chronic inflammatory bowel disease, chronisches Dünndarmentzündungs-Syndrom
  • Gruppe von idiopathischen Dünndarmerkrankungen
    • Gekennzeichnet durch entzündliche Darminfiltrate v. a. der Lamina propria mucosae mit einer oder mehreren Immunzellenarten
  • Meistens im mittleren Alter auftretend
  • Häufig Deutsche Schäferhunde und Boxerhunde

Ätiologie/ Pathogenese

  • Unterteilung in erster Linie nach histologisch dominierender Zellart in Darmschleimhautbiopsien
    • Lymphozytär-plasmozytäre Enteritis und Gastroenteritis (LPE)
    • Eosinophile Enteritis
    • Eosinophile Enterokolitis und Gastroenteritis
    • Granulomatöse (regionale) Enteritis und Enterokolitis
  • Keine IBD bei
    • Besserung einer chronischen Enteritis durch Eliminationsdiät (Futtermittelallergie wahrscheinlicher)
    • Verschwinden von Durchfall und chronischer Darmentzündung durch diagnostische Antibiotikatherapie
      • ARD (antibiotic responsive diarrhea/ARE = antibiotic responsive enteropathy)
      • SIBO (small intestinal bacterial overgrowth)
      • Aber keine klare pathogenetische Abgrenzung von ARD und IBD
        • Normale Dünndarmbakterien wie z. B. E. coli vermutlich für Auslösung und/oder Aufrechterhaltung einer abnormen Reaktion des angeborenen intestinalen Immunsystems („innate immunity“) mitverantwortlich (Willard 2004)
  • Lokalisation
    • In verschiedenen Magen-Darm-Abschnitten
      • Gastritis (selten)
      • Gastroenteritis
      • Enteritis
      • Kolitis
      • Enterokolitis
  • Ursachen: spekulativ
    • Vermutlich multifaktorielle Erkrankung
    • Auslösung von Darmentzündung und Permeabilitätserhöhung der Darmmukosa durch Wechselbeziehung von Darmbakterienflora und Nahrungsfaktoren mit gestörter Immunregulation durch darmassoziiertes Lymphgewebe
      • Permeabilitätserhöhung
        • Leichteres Eindringen immunogen wirkender Proteine in Darmmukosa
        • Dadurch Verstärkung der Entzündung
        • Verstärkung und Unterhaltung eines Circulus vitiosus (Marks 1998) durch Produktion von
          • Freien Oxygenradikalen
          • Proteasen
          • Leukotrienen
          • Plättchen-aktivierendem Faktor
          • Zytokinen
      • Immundefekt (Burgener et al. 2008, Allenspach et al. 2010, McMahon et al. 2009)
        • Mutationen von Rezeptoren der angeborenen Immunität der Darmepithelzellen
        • Dadurch Überreaktion des intestinalen Immunsystems auf normale kommensale Darmflora und Nahrungsantigene
        • Folge: unkontrollierbare Entzündungsreaktion mit gesteigerter Darmperistaltik und oft stark beschleunigter Ingestapassage
        • Begünstigung von Maldigestion und/oder Malabsorption durch stark beschleunigte Ingestapassage
        • Folge: osmotischer Dünn- und/oder Dickdarmdurchfall

Symptome

  • Chronischer intermittierender, therapieresistenter Durchfall unterschiedlichen Schweregrades und Beschaffenheit
  • Wechselnder Appetit (Polyphagie, Anorexie oder Pica)
  • Gelegentliches Erbrechen
  • In schweren Fällen: Abmagerung , struppiges Haarkleid und Haarausfall infolge Malabsorption
  • Durchfallbeschaffenheit entsprechend Lokalisation des Schwerpunktes der Entzündung
  • Oft verdickte Darmschlingen und vergrößerte Darmlymphknoten
    • Palpatorisch und/oder ultrasonographisch
  • Ausnahme: 2 Fallberichte über IBD ohne Durchfall , mit schwerer Eisenmangelanämie (Ristic und Stidworthy 2002)

 

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