Eichhörnchen Notruf

Der Verein Eichhörnchen-Notruf e.V. ist in ganz Deutschland aktiv und verfügt über ein bundesweites Netzwerk von kompetenten Ansprechpartnern und Auffangstationen. Zur Vermittlung von hilfsbedürftigen Tieren an diese Pflegestellen wird ein Servicetelefon betreut. Die Aufgaben bestehen nicht nur aus der Aufzucht und der Wiederauswilderung von Eichhörnchen sondern auch aus der Pflege von verletzten Tieren. Der Verein schreibt sich den Schutz und die Erhaltung des Europäischen Eichhörnchens als höchstes Ziel zu.

Die 10 wichtigsten Schritte, wenn ein Eichhörnchen gefunden wird:

1. Anfassen, aufnehmen & schützen
Entgegen der landläufigen Meinung darf man Eichhörnchen-Findelkinder anfassen. Die Mutter lehnt es deswegen nicht ab. Wenn es Ihnen hinterhergelaufen ist oder sogar an Ihrem Hosenbein hochgeklettert ist, dann braucht das Tier Hilfe. Es sind fast ausschließlich Jungtiere, die auf diese Weise hilfesuchend auf den Menschen zukommen. Eichhörnchenbabys kann man meist leicht mit der Hand aufnehmen. Sie haben keine übertragbaren Krankheiten oder Tollwut!
Sollten Sie ein krankes oder verletztes erwachsenes Eichhörnchen finden, ist es angebracht, geeignete Handschuhe zu tragen oder das Eichhörnchen mit einem großen Handtuch aufzunehmen.
Da Eichhörnchen Fluchttiere sind, könnte es passieren, dass sie sich zur Wehr setzen und mit ihren scharfen Nagezähnen beißen.
2. Beobachten
Da Jungtiere von ihrer Mutter zurückgeholt werden ist ein Rückführungsversuch in den meisten Fällen sinnvoll.
Ein verwaistes Eichhörnchen sollte nicht unbeobachtet zurück gelassen werden, da die Hälfte aller Tiere durch menschliches Handeln in diese Situation gebracht wurden.
Beobachten Sie das Findelkind und schützen Sie es vor Katzen, Hunden und Rabenvögeln.
Um die individuelle Situation richtig einzuschätzen, berät Sie der Eichhörnchen Notruf.
3. Nach Geschwistern suchen
Die meisten Eichhörnchen-Findelkinder geraten in Not, weil zum Beispiel ihre Mutter nicht mehr lebt oder der Kobel zerstört wurde. Oft ist so der ganze Wurf (zwischen 2 und 6 Junge) betroffen und auf menschliche Hilfe angewiesen. Bitte vergewissern Sie sich daher genau, ob sich am Fundort noch weitere Jungtiere aufhalten. Da sich die Tiere je nach Alter und Mobilität auch in einem größeren Radius bewegen können bzw. sich aus Angst verstecken, sollten Sie sich Zeit nehmen und gegebenenfalls den Fundort mehrfach und über 2 – 3 Tage aufsuchen.
4. Wärmen
Alle lebenserhaltenden Körperfunktionen sind von der „normalen“ Körpertemperatur abhängig. Findelkinder sterben oft an Unterkühlung, da sie ihre eigene Körpertemperatur noch nicht konstant regeln können. Auch wenn die Lufttemperatur sommerlich warm ist, sind geschwächte oder sehr kleine Tiere schnell ausgekühlt. Hinzu kommt, dass Muttertiere unterkühlte Jungtiere nicht zurückholen und eine mögliche Rückführung nicht erfolgen kann.
Sollte es nötig sein, das Jungtier mitzunehmen, sind Wärmflasche, Körnerkissen oder ein kleines elektrisches Heizkissen (Stufe 1) sehr hilfreich. Alternativ kann auch eine leere PET-Flasche mit lauwarmem Wasser gefüllt werden. Alle Wärmequellen sollten so untergebracht werden, dass das Eichhörnchen auch die Möglichkeit hat, sich davon zu entfernen.
Ein Handtuch oder ein T-Shirt bietet sich zum Einkuscheln an. Heu, Stroh, Laub oder Moos haben in der Erstversorgung keinerlei Nutzen.
5. Mit Flüssigkeit versorgen
Fundtiere sollten immer zuerst mit Flüssigkeit versorgt werden. Dies gilt auch für scheinbar kräftige oder gesunde Tiere. Meist sind die Tiere schon seit Stunden oder Tagen ohne Versorgung. Die Vitalfunktionen werden durch die Unterversorgung nur noch notdürftig aufrechterhalten. Wird solch ein Tier mit Milch oder ähnlichem gefüttert, wird es durch die einsetzende Verdauung noch mehr geschwächt, was zu Krämpfen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch führen kann.
Es empfiehlt sich in 200 ml abgekochtes Wasser oder Fencheltee 2 Teelöffel Traubenzucker oder Honig und eine kleine Prise Salz zu gegeben.
Nach dem Abkühlen wird die Flüssigkeit mit einer Spritze (ohne Kanüle) oder Pipette dem Tier zugeführt. Von dieser Flüssigkeit geben Sie dem Eichhörnchen zu Beginn bitte nur tropfenweise vorsichtig in die Backentasche oder auf die Lippen. Man sollte darauf achten, dass man langsam und geduldig vorgeht, so dass sich das Tier nicht verschluckt.
Wenn es nach jedem Schlucken vor Erschöpfung wieder einschläft, ist Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Ein Richtwert für die Notversorgung in den ersten Stunden: 2–3 ml für ein Eichhörnchen unter 50 g Körpergewicht, 3–5 ml über 50 g Körpergewicht.
6. Erste Beurteilung
Auch wenn das Eichhörnchen scheinbar schlafen möchte, sich zusammenrollt und sich nur verstecken möchte, sollten Sie sich es genauer anschauen. Schwer traumatisierte Tiere quietschen vor Angst. In diesem Fall bedecken Sie den Kopf bzw. die Augen des Tieres mit einem Handtuch.
7. Urin-Stimulierung
Eichhörnchenbabys können anfangs (bis zur 7. Woche) nicht selbständig Urin ablassen. Bleibt die Stimulation, die in der Natur die Mutter durch Ablecken übernimmt aus, so verbleiben nicht nur die schädlichen Harngiftstoffe im Körper, sondern das Tier kann auch durch den entstehenden Blasenhochstand und den sich daraus ergebenden „Platzmangel“ im Körper massive Atemprobleme bekommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass durch Stimulation die Blase des Tieres entleert wird. Für die Stimulation nimmt man am Besten ein weiches Blatt Toilettenpapier oder ein Kleenex-Tuch, dreht das Jungtier vorsichtig in der Hand auf den Rücken und fährt leicht und ohne Druck in regelmäßigen Bewegungen über das Geschlechtsteil des Tieres. Diese Stimulation erfolgt bestenfalls so lange, bis kein Urin mehr abgesetzt wird.
Da sich das Jungtier anfangs eventuell gegen die ungewohnte Prozedere wehren wird, sollte man sich unbedingt Zeit nehmen. Sobald Urin abgesetzt wird halten die meisten Tiere in der Regel still.
Wichtig ist, dass man immer ein weiches Tuch nimmt und ohne Druck arbeitet, um eventuelle Entzündungen durch Wundreiben zu vermeiden. Nach der Stimulation sollte das Tier mit einem leicht angefeuchteten weichen Tuch gereinigt werden, so dass die zarte und empfindliche Haut durch den Urin nicht gereizt wird.
Der Urin sollte klar und hell sein, ist er dunkel, so wurde vermutlich länger kein Urin abgesetzt. Riecht der Urin nach Fisch, so könnte dies ein Hinweis auf eine Nieren- oder Blasenentzündung sein. Ist das Tier ansonsten fit und aktiv, sollte zunächst über die nächsten Stunden vermehrt Flüssigkeit verabreicht werden, um die Nieren und Blase zu spülen. Tritt daraufhin keine Besserung ein, so sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, der das Tier gegebenenfalls antibiotisch behandelt.
8. Sichere Unterbringung, Ruhe, Geborgenheit
Generell ist wichtig, dass Findelkinder an einem ruhigen Ort die Möglichkeit haben, sich von den Strapazen zu erholen. Haben Sie die Erstversorgung durchgeführt, so bringen Sie es in einem Bereich Ihrer Wohnung unter, wo es ruhig ist oder tragen Sie es behutsam unter Ihrem Pullover, damit es durch den Körperkontakt ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit erfährt.
Wenn sie Kinder haben, sollten sie vermitteln, dass das Tier genug durchgemacht hat und kein Spielzeug ist. Eichhörnchen sind empfindlich und zu viel Stress kann sich nachhaltig auf den Gesundheitszustand auswirken.
Bitte bedenken Sie, eine gesicherte Unterbringung bedeutet auch Schutz vor Verletzungen. Ein geschwächtes Tier könnte sich nach relativ kurzer Zeit soweit erholt haben, dass es plötzlich sehr aktiv wird, bei einem Versuch zu klettern könnte es abstürzen oder sich einklemmen.
9. Wann muss ein Tierarzt aufgesucht werden?
Eichhörnchen-Findelkinder können eine Reihe von Verletzungen davongetragen haben. Hauptgründe sind hierfür Verletzungen durch den Sturz aus dem Nest, Angriffe von Katzen / Krähen oder generell durch die Auswirkungen einer zu langen Unterversorgung.
Zu berücksichtigen ist hier jedoch, dass sich nicht jeder Tierarzt mit der Versorgung von Wildtieren auskennt und so leider auch hin und wieder Medikamente verabreicht werden, die die Tiere nicht vertragen oder zu Schäden führen können.
Der Eichhörnchen Notruf steht Ihnen zur Hilfe und nennt Ihnen Tierärzte vor Ort oder informiert Sie über gängige Medikamente, die bei betreffender Medikation erfahrungsgemäß von den Tieren gut vertragen werden.
Fragen Sie daher zuvor den jeweiligen Tierarzt, ob er Wildtiererfahrung hat oder gegebenfalls einen Kollegen nennen kann, der sich auf diesem Gebiet auskennt.
Lassen Sie das Tier nicht mit Entflohungmitteln behandeln. Die üblichen Spot-on-Präparate oder sonstigen handelsüblichen Entflohungsmittel aus dem Haustierbereich können für Eichhörnchen fatale Folgen haben oder zum Tode führen.
Da Sie als Finder nur der Helfer und nicht der Besitzer des Eichhörnchen sind, ist es bei Tierärzten durchaus üblich, diese Wildtiere kostenfrei (selten gegen Zahlung des reinen Preises evtl. eingesetzter Medikamente) zu behandeln.
10. Eichhörnchen-Notfallteam anrufen
Der Eichhörnchen Notruf besteht aus einem kompetenten Team, das Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Sollten Sie mit der Situation überfordert sein, rufen Sie dort an. Gerade Wildtiere sind in ihrer Aufzucht sehr anspruchsvoll und empfindlich. Mit einem Anruf können sie Leben retten.

Quelle: http://eichhoernchen-notruf.com/

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