Kranke Python in der Jacke und Kakadu auf der Schulter - Häufige Fehler beim Tiertransport

Mancher Tierhalter meint es besonders gut mit seinem Liebling und "stopft" seine kranke Python in die Jacke, um sie auf dem Weg zum Tierarzt vor der winterlichen Kälte zu schützen. Andere setzten sich ihren Kakadu oder ihren Leguan kurzerhand auf die Schulter und befördern das Tier so in die Sprechstunde. All diese häufig vorkommenden Transportarten für die Exoten sind falsch. Experten wie Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns und Privatdozent Dr. Michael Pees von der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig warnen vor dieser allzu laschen Art des Umgangs mit diesen empfindlichen Tieren. Auch wenn viele Tierhalter mittlerweile über die Haltung ihres Reptils oder Vogels Bescheid wissen, hapert es oft beim Thema Transport.

"Der häufigste Fehler bei Reptilien ist es, diese nicht richtig zu transportieren. Sie können schon bei einer 20-minütigen Autofahrt in unsere Klinik völlig auskühlen.
Das stört ihr Immunsystem", sagt Reptilien-Fachmann Pees.
Ein Leguan beispielsweise sei Temperaturen um 35 Grad Celsius gewohnt. "Wenn er in einer Kiste auf 15 Grad herunter kühlt, kommt das ohnehin schon kranke Tier noch geschwächter bei uns an", erläutert er. Auch auf der Schulter sollten die Reptilien nicht befördert werden, rät der Tierarzt. Bartagamen beispielsweise könnten sich bei einem Sturz von der Schulter so schwer verletzen, dass sie danach querschnittsgelähmt sind.

Viel besser sei es, die Reptilien in eine Styroporkiste mit einigen Luftlöchern zu setzen und diese sicher zu verschließen. Schlangen könnten in einen Stoffbeutel oder einen Kopfkissenbezug gelegt werden, bevor sie in die wärmende weiße Kiste kommen. "In der Jacke des Besitzers kann sich die Schlange verletzen. Außerdem ist es für den Besitzer nicht besonders hygienisch", berichtet Pees.
Empfehlenswert sei ein fester Behälter, der die Temperatur hält sowie schall- und stoßisoliert ist.

Krautwald-Junghanns und Pees raten Tierbesitzern, vor ihrem Besuch in der Sprechstunde einem Experten kurz den Sachverhalt am Telefon zu erläutern. Unter der Nummer
0341-9738405 können sie sich mit der Reptilien- oder der Vogelabteilung verbinden lassen und erfahren, ob sie beispielsweise eine Kotprobe ihres Tieres oder ähnliches mitbringen sollen.

Etwas anders verhält es sich bei Vögeln, sagt Klinikdirektorin Krautwald-Junghanns. "Sie sollten beim Transport zum Tierarzt optisch und akustisch ruhig gestellt werden, denn Vögel werden durch laute Geräusche oder helles Licht sehr stark gestresst", erklärt die Fachfrau. Kleinere Tiere könnten im Käfig befördert werden, der noch einmal in einen Karton mit Luftlöchern gesetzt werden sollte. Für größere Exemplare wie die exotischen Kakadus gibt es spezielle Transportboxen. "Gerade jetzt im Winter dürfen tropische Vögel keinen Zug bekommen und nicht zu kalt werden", warnt die Professorin. Der Temperatursturz von der warmen Wohnung ins Freie schwäche die Abwehrkräfte der Exoten noch mehr. Auch zahme Vögel dürften nicht auf der Schulter zum Tierarzt transportiert werden. "Wenn sie beispielsweise wegen einer Bremsung des Autos erschrecken, können sie gegen die Scheibe fliegen und ein Schädelhirntrauma erleiden", sagt sie. Oft komme es auch vor, dass sich die verschreckten Tiere im Haar oder der Kette ihres Besitzers festkrallen. "In einer solchen Situation sind sie nicht einschätzbar", weiß die Expertin aus Erfahrung.

Diese und weitere Tipps zum Transport und zum Umgang mit Reptilien und Vögeln bekommen Tierhalter in der Spezialklinik auf dem Campus der Veterinärmedizinischen Fakultät. Seit Anfang Januar gibt es an der Klinik für Vögel und Reptilien wegen des großen Bedarfs montags, dienstags, donnerstags und freitags von 14.00 bis 16.00 Uhr sowie mittwochs von 16.00 bis 18.00 Uhr eine offene Sprechstunde für tierische Patienten ohne Termin. Daneben sind tagsüber wie gewohnt Terminvereinbarungen möglich.
Außerhalb der regulären Öffnungszeiten wird ein Notdienst aufrechterhalten. Nähere Angaben hierzu finden sich unter www.vogelklinik.uni-leipzig.de.

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