Giardiose

Autor: P.F. Suter

Definition und Ätiologie

Giardia duodenalis (Synonyme u. a. G. intestinalis, G. lamblia) parasitiert bei vielen Wirbeltieren, einschließlich des Menschen. Es werden morphologisch identische Gruppen (A–G) mit verschiedenen Genotypen unterschieden. Beim Hund wurden bisher Genotypen aus den Gruppen A, B, C und D gefunden (letztere zwei Gruppen neuerdings als G. canis vorgeschlagen, Thompson et al. 2008). Die sich frei im Darm durch Zweiteilung vermehrenden Trophozoiten von G. duodenalis sind 9–21 × 5–12 μm groß. Giardien haben einen monoxenen Lebenszyklus. Die Übertragung von Wirt zu Wirt erfolgt durch orale Aufnahme der Zysten (8–15 × 7–10 μm groß) aus der Umwelt. Hunde sind weltweit häufig mit G. duodenalis befallen. Je nach Population, Altersstruktur und Untersuchungsmethode werden in Europa bei 0,3–36 % der Hunde und Katzen patente Infektionen nachgewiesen. Besonders hohe Prävalenzen werden bei Hunden in landwirtschaftlichen Betrieben und bei Welpen (Inzidenz während des ersten Lebensjahres ca. 70 %) festgestellt. Ältere Hunde scheiden dagegen signifikant weniger häufig Giardien aus. In Deutschland waren 16,6 % der Kotproben von Hunden, die in den Jahren 1999–2002 an ein Untersuchungslabor eingesandt wurden, positiv auf Giardia in einem Koproantigentest (Tenter und Deplazes 2006).

Symptome

Giardia-Infektionen verlaufen beim Hund oft symptomlos. Allerdings tritt besonders bei Jungtieren eine katarrhalische Entzündung des Duodenums und Jejunums mit Villusatrophie und vermehrter Desquamation von Epithelzellen auf. Folgen sind eine Malabsorption und Maldigestion sowie eine hartnäckige, intermittierende Diarrhoe. Der Kot ist voluminös, dünnbreiig bis wässrig, ranzig riechend und enthält oft vermehrt Schleim und Fett (Steatorrhoe), seltener auch Blutbeimengungen. Bei Jungtieren ist eine zunehmende Abmagerung bei erhaltenem Appetit zu beobachten.

Differentialdiagnose

Maldigestion infolge exokriner Pankreasinsuffizienz, Malabsorption aus anderen Gründen wie andere Parasitosen, bakterielle Dünndarm-überwucherung (ARE = antibiotic-responsive enteropathy oder SIBO), chronische Fütterungsfehler oder eine idiopathische Enteritis (IBD = inflammatory bowel disease).

Diagnosesicherung

Zysten können aus dem Kot mit Flotationsmethoden angereichert werden, dabei wird der Inhalt der Zysten deformiert, sie bleiben aber erkennbar. Sensitiver ist die SAF-Methode (Sodium acetate-acetic acid-Formalin concentration; Eckert et al. 2008). Die Sensitivität der koproskopischen Methoden kann mit mehreren Proben innerhalb einer Woche wesentlich erhöht werden. Eine bewährte Alternative stellt der Einsatz kommerziell erhältlicher Tests zum Nachweis von Giardia- Koproantigenen dar. Die Sensitivität ist mindestens so gut wie eine professionell durchgeführte Koproskopie. Die Genotypisierung erfolgt in spezialisierten Labors mit molekularen Techniken, ist jedoch im Einzelfall nicht von praktischer Bedeutung.

Therapie

Ist oft unbefriedigend, besonders bei Gruppenhaltung, bei der nach kurzer Genesung häufig Rezidive oder Reinfektionen auftreten können. Methode der Wahl für Hunde und Katzen ist Fenbendazol (50 mg/kg 1 ×/d p. o.) über 5 Tg. verabreicht. Beim Hund kann auch Metronidazol (25 mg/kg 2 ×/d p. o.) über 5 Tg. eingesetzt werden, dabei wurden jedoch Nebenwirkungen wie Anorexie, Erbrechen und neurologische Symptome beobachtet. Auch Ronidazol (30–50 mg/kg 2 ×/d über 7 Tg.) sowie ein Kombinationspräparat mit Febantel, Pyrantelembonat und Praziquantel über 3 Tg. sind wirksam. Während der Therapie sollten keine Milchprodukte und kein kohlenhydratreiches Futter verabreicht werden. Die in den USA erhältliche Vakzine zur Prävention klinischer Erkrankungen durch G. duodenalis und Reduktion der Zystenausscheidung ist bisher bei Hunden nicht überzeugend durch unabhängige klinische Studien validiert worden und in Europa nicht verfügbar (Thompson et al. 2008).

Prognose

Klinisch meistens günstig, die Behandlung muss jedoch wegen Rezidiven eventuell wiederholt werden.

Zoonosepotential

Die Giardiose ist eine sehr wichtige Zoonose. Bei Hunden und Menschen wurden bisher Genotypen aus den Gruppen (Assemblages) A und B gefunden, oft ist jedoch nicht sicher, ob Hunde sich an menschlichen Fäkalien anstecken und ob Hunde Ansteckungsquellen für Menschen darstellen. In einer neueren Studie in Deutschland betrug der Anteil der „zoonotischen“ Isolate (Gruppe A) 60 % (n = 60); die befallenen Hunde stammten aus dem urbanen Raum (Leonhard et al. 2007). Hygienische Maßnahmen im Umgang mit Hunden sind besonders für Kinder und immungeschwächte Menschen wichtig und ohnehin zur Verhinderung anderer Zoonosen zu empfehlen.

Quelle:

P.F. Suter, B. Kohn, G. Schwarz, Praktikum der Hundeklinik ISBN 978-3-8304-1125-3, 11., überarbeitete Auflage2011, S. 368-369

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