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Hypersensibilität bei Tieren phytotherapeutisch behandeln

Rund 50% der uns vorgestellten Hautpatienten zeigen Symptome infolge einer allergischen Reaktion bzw. einer Unverträglichkeitsreaktion auf Futterkomponenten, Umweltallergene, oder aber auf chemisch-synthetische Stoffe. Die Patienten werden mit einer mehr oder weniger lokal begrenzt entzündeten, teils infizierten, v. a. aber juckenden Haut vorgestellt. Nur in wenigen der uns vorgestellten Fälle sind zur Therapie Kortison und Antibiotika erforderlich.

Die Pflanzenheilkunde verfügt über eine Reihe unterstützender Mittel zur Behandlung allergischer und nicht-allergischer Überempfindlichkeiten sowohl in Bezug auf akuten Juckreiz, Pruritus und Hautinfektionen als auch zur Prophylaxe und für das Langzeitmanagement.

Ätiologie und Pathogenese
Die Ätiologie von v. a. allergischen Überempfindlichkeitsreaktionen ist multifaktoriell. Gendefekte mit Wirkung auf die Hautfunktionen gibt es in Form z. B. der Filaggrin-Mutation, die zum Strukturverlust der Epidermis führt sowie unzureichender Ceramid-Konzentrationen im Stratum corneum, die zu Wasserverlusten der Haut und damit zu einer trockenen, infektanfälligen Haut führen. Die zu den Ceramiden gehörende Sphingosine dienen der gesunden Haut aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung als Infektionsschutz. Sphingosin-Mangel reduziert demnach die Infektabwehr der Haut. Zudem können z. B. auch Typ-1-Allergien (IgE-vermittelt) auftreten.

Störungen des Immunsystems, die möglicherweise in einer nicht oder nur unzureichend erworbenen oralen Toleranz im Welpen-/Junghundealter begründet sein können, führen möglicherweise bereits früh z. B. zu einem gestörten Verhältnis der Th1- und Th2-Immunantwort. Zudem kann die Mastzellaktivität durch IgE-Bindung pathologisch erhöht sein. Und nicht selten findet sich eine erhöhte Anzahl eosinophiler Granulozyten in der geschädigten Haut.

Bei Katzen und auch Hunden liegt der atopischen Dermatitis scheinbar überwiegend eine Typ-I-Hypersensibilitätsreaktion zugrunde. Allergene binden an epidermale Langerhans-Zellen und werden so allergen-spezifischen T-Lymphozyten präsentiert, was zu einer vermehrten Bildung von IgE und Mastzellen führt. Durch die Verknüpfung von auf Mastzellen gebundenem IgE kommt es zur Ausschüttung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Heparin, proteolytischen Enzymen, Prostaglandinen und Leukotrienen und zur akuten allergischen Reaktion.

Allergene dringen dabei nicht nur direkt über die Haut ein. Auch über den Atmungstrakt oder über den Verdauungstrakt eingedrungene Allergene können zu Überempfindlichkeitsreaktionen mit Hauterscheinungen führen.

Grundsätzliche Therapieansätze
Die nachfolgend genannten Ansätze kommen meist zusätzlich zu den üblichen schulmedizinischen Therapeutika (Glukokortikoide, Antihistaminika etc.) zum Einsatz.

Therapieansätze

  • Allergenvermeidung – sofern möglich
  • Kontrolle/Prophylaxe von sogenannten „Flarefaktoren“
  • Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT)
  • Reduktion der Stoffwechselbelastung des Organismus und Unterstützung der Ausscheidungskapazitäten
  • Förderung der Darmgesundheit – Wiederherstellung, Erhöhung der mikrobiellen Diversität im Darm
  • Verbesserung der kutanen Barrierefunktion
  • Therapie von Pruritus, Entzündungsreaktionen und Wunden sowie von Dermatophytosen und bakteriellen Infektionen

Allergenvermeidung
Die Vermeidung des Allergenkontaktes bei Allergikern ist bei Futtermitteln als Auslöser noch am ehesten möglich. Umweltallergene zu meiden ist hingegen kaum möglich, da man die sensibilisierenden Allergene meist nicht identifizieren oder nicht eliminieren kann.

Kontrolle/Prophylaxe von „Flarefaktoren“
Als „Flarefaktoren“ werden z. B. Flöhe, Milben, Bakterien und auch Hautpilze bezeichnet. Die überempfindliche Haut ist zusätzlich anfälliger für Infektionen. Diese gilt es insbesondere bei Allergikern zu eliminieren, um die überforderte Haut/das überschießend reagierende Immunsystem nicht noch zusätzlich zu belasten.

Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) = Desensibilisierung)
Die Erfolgsrate bei dieser Therapie liegt bei Katzen bei ca. 70%. Je jünger die Tiere zu Beginn der Therapie sind, desto höher sind die Erfolgschancen und desto zügiger stellen sich in der Regel die Erfolge ein. Grundsätzlich kann es aber 8 – 12 Monate dauern, bis sich Erfolge abzeichnen. Zumeist ist die ASIT aber nicht allein ausreichend. Es werden immer wieder andere unterstützende Therapien erforderlich. Bei Hunden ist es sehr ähnlich.

Stoffwechselbelastung reduzieren und Ausscheidungskapazitäten unterstützen
Stoffwechselbelastungen durch unverträgliche Futtermittel, metabolische Störungen, Medikationen, Toxinbelastungen etc. gilt es möglichst zu vermeiden oder aber die Ausscheidung von belastenden Stoffwechselprodukten zu fördern. Hier liegt ein besonderes Augenmerk auf der Unterstützung der Entgiftungs-/Ausscheidungsorgane wie Leber, Nieren, Darm, Lunge und auch Haut. Die Phytotherapie bietet eine Vielzahl potenter Drogen.

Förderung der Darmgesundheit
Symbiotische Darmbakterien beeinflussen das Gleichgewicht des Immunsystems. Sie blockieren indirekt auch jene Immunzellen, die für das Auslösen von Allergien verantwortlich sind. Die Besiedlung des Darms beginnt bei der Geburt, wobei vaginale und intestinale Bakterien der Mutter als Inokulum dienen. Der tatsächliche Einfluss der Darmflora ist nur sehr schwer abzuschätzen. In Studien korrelierte jedoch eine erhöhte mikrobielle Diversität in der Darmflora (Mausmodell) als auch in der Umwelt (Bauernhofkinder) mit einem geringeren Risiko für allergische Erkrankungen. Dieses Prinzip ist auch für Tiere anzunehmen. Die Wiederherstellung bzw. Erhöhung der mikrobiellen Diversität im Darm ist anzustreben. Auch hier helfen insbesondere Pflanzen, das Darmmilieu zu verbessern.

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Aus der Zeitschrift: Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 01/2019

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